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Anmerkungen zur Inversion


 

1.

  

Formal spreche ich von einer Inversion, wenn sich das Orignal und dessen Inverses funktional in dem Sinne aufheben, als sie reziprok äquivalent sind. Beispiele dafür sind Spiegelungen in der Geometrie.
Die Aequivalenz der inversen Blackbox-Perspektiven ist die tragende Argumentation der Systemtheorie 2. Ordnung.

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2.

  

Der Ausdruck "Inversion" wird in sehr vielen Zusammenhängen für irgendwelche Umkehrungen verwendet, vorab in den Naturwissenschaften für die Umkehrung von Gradienten unter bestimmten Bedingungen, beispielsweise bei bestimmten Wetterlagen. Ich verwende den Ausdruck spezifischer für die Umkehrung der Perspektive des Beobachters.

Ein weitere Veranschaulichung:
Bei der Achterbahn (Switchback) werden sogenannte Überschlagselemente als Inversionen bezeichnet. Das ursprüngliche Switchback (Switchback Gravity Pleasure Railway 1884 auf Coney Island) ist die Fahrt über Wellen, wobei man in den Wellentälern in die Bahn gedrückt und auf den Wellenbergen aus der Bahn gezogen wird. In den Inversionen sitzt der Beobachter kopfüber in der Bahn und durchfährt das Wellental - das von aussen gesehen, also in der anderen Perspektive, ein Wellenberg ist - quasi von unten (ausführlich mit Bildern). Der Reiz der Achterbahn liegt im Spiel mit der Zentrifugalkraft. Die Zentrifugalkraft ist eine Scheinkraft, sie ist die Inverse zur Zentripetalkraft, die man erleben kann, wenn man als Beobachter das Bezugssystem wechselt.

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3.

  

Von N. Luhmann stammt die - in seinem Konstruktivismus oft problematisierte - Aussage "Die folgende Untersuchungen gehen davon aus, dass es Systeme gibt" (Soziale Systeme:30). Etwas böswillig kann man eine Existenzaussage lesen, aber sinnvoller scheint mir die Leseweise, dass jede Deutung einen Handlungszusammenhang impliziert, der dann als System beobachtet wird. Es gibt solche Systeme immer und genau dann, wenn ein Beobachter etwas für wahr nimmt, oder in N. Luhmann's Worten : etwas untersucht.

In der System Dynamics wird die Existenz von Systemen gar nicht thematisiert. Thematisiert wird dort, ob es sich um eine Simulation oder um ein System in der realen Wirklichkeit handelt (etwa in: (D. Dörner: Misslingen).

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4.

  

Als Differenztheorien bezeichne ich die Ansätze der De-Konstruktion von J. Derrida, die ich bei N. Luhmann und G. Ortmann als Interpretationen zu G. Spencer-Browns re-entry wiedererkenne. Begriffe werden in dem Sinne durch ein Differenz bestimmt, als sie auf beiden Seiten einer "Definition" erscheinen, wobei auf der bestimmenden Seite die konstitutive Unterscheidung wiederholt wird. Eine typische Formulierung dafür ist etwa die "Definition" von System von N. Luhmann: Ein System ist die Differenz zwischen System und Umwelt.

Ich gebe ein anderes Beispiel für diese Differenz-Notation:
Definition: Geschichte heisst der Unterschied zwischen Geschichte und was der Fall war. In dieser Definition, die keine ist, kommt Geschichte auf beiden Seiten vor. Geschichte wird quasi durch Geschichte definiert. Lesen sollte man die Definition operativ: Mache eine Unterscheidung zwischen Geschichte und Nicht-Geschichte. Dann schaue nur noch die Geschichte-Seite der Unterscheidung an und mache die dieselbe Unterscheidung noch einmal. Geschichte erscheint dann beispielsweise als Bericht, der frei erfunden ist, was aber nichts über den Gegenstand sagt, über welchen die Geschichte erzählt. Dieser könnte genau so sein, wie er in der Geschichte beschrieben wird - falls er überhaupt existieren würde (worüber auch nichts gesagt wird). Es geht sozusagen um die Kommunikation, nicht um eine kommunizierte Sache.

Eine wohlbekannte Geschichte besagt, dass der Astronaut N. Amstrong auf dem Mond spazieren gegangen ist. Es wird seit langem intensiv darüber gestritten, ob er tatsächlich, wirklich auf dem Mond war oder nicht (Unterschied). Er könnte in einem Studio in Hollywood gewesen. Eine gängige Variante lautet: beides. Er war auf dem Mond, weil dort aber schlechte Aufnahmen gemacht wurden, wurden die Aufnahmen im Filmstudio nochmals gemacht, vielleicht weil die Amerikaner glauten, dass sich eine schlechte Kamera schlecht mit einem gelungenen Mondspaziergang vertragen würde. Diese Geschichte würde einige seltsame Aspkte der Aufnahme "erklären". In der Notation von G. Spencer-Brown würde man dann sagen können: Unterscheide zuerste, er war auf dem Mond / er war nicht auf dem Mond. Auf der positiven Seite der Unterscheidung wiederhole die Unterscheidung akzentuiert, die Bilder stammen vom Mond / die Bider stammen nicht vom Mond. So kann man finden: Die Bilder lügen, obwohl sie etwas wahres berichten. Die Bilder bilden eine Geschichte über die Geschichte.

Anmerkung:
Differenztheorien sind absurd (paradox), man muss sie mit grossem Ernst lesen.

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