Hegel, Georg W. F.: Dissertatio Philosophica de orbitis planetarum. (1801) Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Dissertatio Philosophica de orbitis planetarum. Philosophische Erörterung über die Planetenbahnen. Übersetzt, eingeleitet und kommentiert von W. Neuser. Weinheim 1986.
Das Thema der Doktorarbeit („Habilitationsdissertion“), durch die sich Hegel für die Stellung als Privatdozent qualifizierte (Dissertatio Philosophica de orbitis planetarum, 1801), war unter dem Einfluss der Naturphilosophie Schellings gewählt. In dieser Arbeit beschäftigt sich Hegel hauptsächlich mit den Gesetzen der Planetenbewegung von Johannes Kepler und der Himmelsmechanik von Isaac Newton. Er gelangt zu einer scharfen Ablehnung von Newtons Vorgehen, stützt sich dabei allerdings auf gravierende Missverständnisse. Im letzten Abschnitt diskutiert er kritisch das Titius-Bode-„Gesetz“ der Planetenabstände, das a priori einen Planeten zwischen Mars und Jupiter deduziert, und konstruiert dann unter Umformung einer Zahlenreihe aus Platons Timaios eine andere Zahlenfolge, welche die Lücke zwischen Mars und Jupiter besser abbildet. Da in dieser Lücke im selben Jahr 1801 der Kleinplanet Ceres gefunden wurde, der die Titius-Bode-Reihe zu bestätigen schien, diente dieser Anhang zu Hegels Dissertation häufig dazu, Hegel lächerlich zu machen. Er ist aber später von Historikern der Astronomie in Schutz genommen worden. Nach einer neuen Interpretation hatte Hegel für den Planeten-Anhang keine ernsthaften Theorieabsichten, sondern versuchte vielmehr sich über die apriorische Astrophysik seiner Zeit lustig zu machen, indem er unter anderem die Witz-Definition Christian Wolffs für sich nutzbar machte.