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Als Masochismus bezeichne ich eine Sexualpräferenz, bei der ein Mensch positive Emotionen daraus zieht, dass ihm Schmerzen zufügt werden. Das Gegenstück zum Masochismus ist der Sadismus. Beides sind Erfindungen von R. von Krafft-Ebing. Er erläutert in seinem 1886 erschienenen Werk Psychopathia sexualis alle damals bekannten Perversionen und Anomalien des Sexuallebens. BDSM ist die Sammelbezeichnung für eine Gruppe von Sexualpräferenzen, die oft unschärfer auch als Sadomasochismus (kurz SM oder Sado-Maso) bezeichnet werden. Das mehrschichtige Akronym wird aus den Anfangsbuchstaben der englischen Bezeichnungen Bondage & Discipline, Dominance & Submission und Sadism & Masochism gebildet. Der Begriff BDSM umfasst eine Gruppe von sexuellen oder sexualisierten Verhaltensweisen, die unter anderem mit Dominanz und Unterwerfung, spielerischer Bestrafung sowie Lustschmerz oder Fesselspielen in Zusammenhang stehen. Es ist unklar, wie viele Menschen tatsächlich BDSM praktizieren oder von solchen Praktiken fantasieren; die empirischen Untersuchungen reichen von 2 bis 62 % der Bevölkerung. In der Belletristik ist vor allem Sadomasochismus ein wiederkehrendes Motiv und hat einige Klassiker hervorgebracht, z. B. Die Geschichte der O von Dominique Aury (unter dem Pseudonym Pauline Réage), Justine von Marquis de Sade, Venus im Pelz von Leopold von Sacher-Masoch oder die Kultcomics von Eric Stanton. Als literarisches Kuriosum zu erwähnen ist Marthas Brief an Leopold Bloom in Ulysses von James Joyce. Der 1978 erschienene Roman 9½ Wochen. Erinnerungen an eine Liebesaffäre von Elizabeth McNeill bildete die inhaltliche Grundlage für die sehr erfolgreiche Hollywoodverfilmung 9½ Wochen; zusammen mit der von der bekannten US-amerikanischen Autorin Anne Rice unter dem Pseudonym A. N. Roquelaure veröffentlichten drei Bände umfassenden Dornröschen-Trilogie (1983–1985) zeigte sich auch internationales Interesse an der Thematik. Eine moderne deutschsprachige sadomasochistische Autobiografie ist Dezemberkind von Leander Sukov aus dem Jahr 2005. Im Jahr 2011 erschien mit dem ersten Band der Trilogie Shades of Grey der britischen Autorin E. L. James einer der kommerziell erfolgreichsten Titel des Genres, der zum Weltbestseller und in 52 Sprachen übersetzt wurde. |
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Bei Sade ist eine höchst erstaunliche Entwicklung des Beweisvermögens zu beobachten. Die logische Demonstration schiebt sich als höhere Funktion der Sprache in die szenische Beschreibung ein, wenn – zwischen zwei Befehlen – die Libertins der Ruhe pflegen: dann verliest ein Libertin ein streng abgefaßtes Pamphlet, entwickelt seine unerschöpflichen Theorien, arbeitet eine Verfassung aus. Er mag sich auch dazu herablassen, mit seinen Opfern zu diskutieren. Solche Atempausen sind recht häufig, vor allem in der Justine: jeder ihrer Henker benützt Justine auch als Zuhörerin und Vertraute. Und dennoch kann dabei von einer wirklichen Überzeugungsabsicht gar keine Rede sein. Der Libertin mag sich den Anschein geben, als suche er zu überzeugen und zu überreden; er kann sogar »Schule« machen, indem er neue Adeptinnen heranbildet (so in Die Philosophie im Boudoir). Doch liegt in Wirklichkeit nichts dem Sadisten so fern wie der Wunsch, zu überreden und zu überzeugen: die pädagogische Absicht fehlt ihm ganz. Worum es in der Tat geht, ist der Nachweis, daß die rationale Darlegung selbst eine Gewaltsamkeit ist, daß sie mit ihrer ganzen Strenge, ihrer ganzen Heiterkeit, ihrer ganzen Gelassenheit auf der Seite ist, wo Gewalt ausgeübt wird. Es geht nicht einmal darum, jemandem etwas zu zeigen, sondern um das bloße Erbringen des Beweises kraft einer logischen Demonstration, in der sich nur die totale Einsamkeit und die Allgewalt des Beweisführenden immer wieder selbst beweisen. Es geht um den Nachweis, daß die Ausübung von Gewalt und die logische Beweisführung identisch sind. Daher braucht die Darlegung auch von dem Zuhörenden, dem sie vorgetragen wird, ebensowenig mitvollzogen werden wie die Lust von dem Objekt, an dem sie gewonnen wird. Die von den Opfern erlittene Gewalt ist nur das Abbild einer höheren, von der die Beweisführung zeugt. Inmitten seiner Komplizen und Opfer vollzieht jeder Beweisführende seine Demonstrationen im absoluten Zirkel seiner Einsamkeit und Vereinzeltheit – selbst dann, wenn alle Libertins die gleiche Demonstration vollziehen. Wie im weiteren noch gezeigt wird, ist der sadistische »Schulmeister« dem masochistischen »Erzieher «in jedem Betracht entgegengesetzt." (Deleuze, Sacher-Masoch und der Masochismus)