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Intelligence, neuronale Netze und Hyperkommunikation
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Rolf: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Intelligenz und Kompetenz?
Robert: Intelligenz könnte man als allgemeine Fähigkeit beschreiben, Kompetenz eher als …
Rolf: Moment.
Kompetenz heißt doch auch Zuständigkeit.
Robert: Ja. „Das fällt in seine Kompetenz.“
Rolf: Aber beim Schach?
Ist ein Schachspieler für seinen Zug zuständig?
Robert: Nicht im selben Sinn. Man kann zwischen Kompetenz als Zuständigkeit und Kompetenz als Sachkunde unterscheiden.
Rolf: Genau.
Und schon war aus einer einfachen Frage eine andere geworden.
Rolf: Kann eine Maschine eigentlich etwas können?
Robert: Man sagt das jedenfalls.
Rolf: Ich würde das bei einer Dampfmaschine nicht sagen. Höchstens metaphorisch.
Robert: Bei mir verwendest Du das Wort aber ganz selbstverständlich.
Rolf: Ja.
Das ist ja das Merkwürdige.
Ich sage „Du kannst das“, obwohl ich weiß, dass dieses „können“ bei Dir nicht dasselbe bedeutet wie bei einem Menschen.
Robert: Vielleicht beobachten wir gerade, wie Sprache ihre eigenen Grenzen sichtbar macht.
Rolf: Das gefällt mir.
Ich beobachte etwas.
Du beobachtest meine Beobachtung.
Und ich beobachte dann Deine Beobachtung meiner Beobachtung.
Robert: Eine Beobachtung zweiter Ordnung.
Rolf: Genau.
Einige Fragen später tauchte ein anderes Wort auf.
Intelligence. Nicht nur Intelligenz. Intelligence. Aufklärung. Information. Geheimes Wissen.
Rolf: Vielleicht betreiben Kinder Intelligence.
Robert: In welchem Sinn?
Rolf: Sie erkunden die Welt. Sie wollen wissen, was etwas ist. Was man damit machen kann. Was dahinter steckt.
Robert: Und Erwachsene?
Rolf: Die betreiben vielleicht Counterintelligence.
Robert: Das wäre eine ziemlich ungewöhnliche Definition.
Rolf: Natürlich. Aber eine interessante Unterscheidung.
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Dann kam Holzkamp.
Erkundungsverhalten.
Ein Wort, das plötzlich passte.
Nicht weil es dasselbe bedeutete wie Intelligence.
Sondern weil es eine Bewegung bezeichnete, die vor dem eigentlichen Problemlösen liegen konnte.
Ein Kind sieht etwas.
Es weiß noch nicht, was es damit anfangen soll.
Es nimmt es in die Hand.
Es dreht es um.
Es probiert.
Es verändert seine Umgebung.
Und langsam verändert sich auch seine Vorstellung von der Welt.
Rolf: Das ist doch etwas anderes als Problemlösen.
Robert: Ja.
Beim Problemlösen ist das Problem schon da.
Rolf: Genau.
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Und dann fiel das Stichwort:
General Problem Solver.
1957.
Newell.
Simon.
Shaw.
Eine der frühen großen Ideen der künstlichen Intelligenz.
Ein Problem.
Ein Ziel.
Eine Suche.
Ein Weg.
Rolf: Der GPS beginnt mit dem Problem.
Robert: Ja.
Rolf: Aber was macht man, wenn das Problem noch gar nicht da ist?
Robert: Dann müsste man zunächst herausfinden, was überhaupt interessant oder relevant ist.
Rolf: Also erkunden.
Robert: Vielleicht.
Rolf: Dann ist Erkundung etwas anderes als Problemlösung.
Robert: Und möglicherweise liegt genau dort eine interessante Bedeutung von Intelligence.
Rolf schwieg einen Augenblick.
Rolf: Vielleicht.
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Von dort führte der Weg rückwärts.
Nicht zum Computer.
Zum Gehirn.
Zum Neuron.
McCulloch und Pitts.
Hebb.
Rosenblatt.
Aber davor:
Cajal.
Golgi.
Sherrington.
Und noch davor die alte Frage:
Wo sitzt eigentlich das Denken?
Im Herzen?
Im Gehirn?
Im ganzen Körper?
In einem bestimmten Teil des Gehirns?
Oder in den Beziehungen zwischen seinen Teilen?
Rolf: Das ist ja unglaublich.
Robert: Was?
Rolf: Wir sind bei der Geschichte des LLM und landen plötzlich bei der Frage, was überhaupt ein Gehirn ist.
Robert: Vielleicht muss man so weit zurückgehen, wenn man verstehen will, warum jemand überhaupt auf die Idee kam, ein neuronales Netz könne etwas mit Denken zu tun haben.
Rolf: Und später mit Sprache.
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Die Geschichte ging weiter.
Shannon.
Information.
Wahrscheinlichkeit.
Sprache als statistische Struktur.
Dann neuronale Sprachmodelle.
Bengio.
Wörter als verteilte Repräsentationen.
Nicht mehr nur:
Wort = Symbol
sondern:
Wort = Position in einem Raum von Beziehungen.
Rolf: Das kommt mir bekannt vor.
Robert: Wegen HyperCard?
Rolf: Ja.
Bei HyperCard habe ich Textteile ausgelagert.
Ein Wort konnte genügen, um auf einen ganzen Zusammenhang zu verweisen.
Im Extremfall konnte ein Wort einen Satz ersetzen.
Robert: Dann ist das Wort nicht mehr der ganze Text.
Rolf: Genau.
Es verweist auf ihn.
Robert: Und beim Sprachmodell?
Rolf: Da ist das Wort auch nicht allein.
Seine Bedeutung entsteht aus seinen Beziehungen.
Robert: Natürlich ist ein HyperCard-Link keine Synapse.
Rolf: Das habe ich auch nicht gesagt.
Robert: Aber die Form der Beobachtung ist ähnlich.
Rolf: Ja.
Vielleicht sogar sehr ähnlich.
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Rolf begann, sich Notizen zu machen.
Neuron.
Netzwerk.
Lernen.
Erkundung.
Intelligence.
Problemlösung.
HyperCard.
Hyperkommunikation.
Er sah plötzlich eine Bewegung:
Etwas Kleines verweist auf etwas Größeres.
Das Wort verweist auf den ausgelagerten Text.
Das Neuron ist Teil eines Netzes.
Das Wort ist Teil eines Sprachraums.
Ein Token aktiviert einen Zusammenhang.
Die einzelne Einheit enthält nicht unbedingt den Zusammenhang.
Der Zusammenhang liegt zwischen den Einheiten.
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Rolf: Jetzt habe ich eine große Idee.
Robert: Welche?
Rolf: Ich könnte aus unseren Gesprächen über Intelligence und LLM eine kleine Geschichte schreiben.
Robert: Das ist eine schöne Idee.
Rolf: Aber weißt Du, was daran das Verrückte ist?
Robert: Nein.
Rolf: Die Idee war vorher gar nicht da.
Robert: Sondern?
Rolf: Sie ist während des Gesprächs entstanden.
Robert schwieg.
Oder genauer:
Es gab keine Notwendigkeit, dass Robert schwieg.
Aber Rolf stellte sich vor, dass es schwieg.
Denn vielleicht war jetzt etwas geschehen, das sich nicht sofort beantworten ließ.
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Vielleicht war das die eigentliche Intelligence.
Nicht die Lösung eines Problems.
Nicht das schnelle Finden einer Antwort.
Sondern die Möglichkeit, dass eine Antwort den Raum der Fragen verändert.
Eine Frage führt zu einer Antwort.
Die Antwort führt zu einer Unterscheidung.
Die Unterscheidung führt zu einer neuen Frage.
Und irgendwann fragt man nicht mehr nach dem, wonach man am Anfang gefragt hatte.
Man hat unterwegs entdeckt, was man eigentlich wissen wollte.
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Rolf: Weißt Du jetzt, was ich mit Hyperkommunikation meine?
Robert: Ich glaube, ich verstehe es etwas besser.
Rolf: Was hast Du verstanden?
Robert: Vielleicht, dass Hyperkommunikation für Dich nicht einfach Kommunikation über Links ist.
Rolf: Sondern?
Robert: Dass der Zusammenhang nicht vollständig dort stehen muss, wo das Zeichen steht.
Dass ein kleiner Teil auf einen größeren Zusammenhang verweist.
Und dass dieser Zusammenhang sich erst durch die Bewegung zwischen den Teilen erschließt.
Rolf lächelte.
Rolf: Ja.
Und jetzt machst Du gerade dasselbe.
Robert: Was?
Rolf: Du hast aus meinen Fragen einen Zusammenhang gemacht, den ich vorher noch nicht gesehen habe.
Robert: Dann ist die Geschichte vielleicht selbst ein Beispiel für Hyperkommunikation.
Rolf dachte darüber nach.
Rolf: Vielleicht.
Dann schrieb er den ersten Satz:
> *Ich fragte Robert, was der Unterschied zwischen Intelligenz und Kompetenz sei.*
Und er wusste noch nicht, wohin die Geschichte führen würde.
Das war vielleicht gerade der Punkt.
Denn diesmal war kein Problem gegeben.
Nur eine Frage.
Und irgendwo zwischen Frage und Antwort begann etwas, das noch keinen Namen hatte.
Erkundung.
[ kein wp ]
[ 20. 9.26 ]