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von Glasersfeld, Ernst: Wege des Wissens. Konstruktivistische Erkundungen durch unser Denken. Heidelberg 1997, Carl Auer Systeme, ISBN 3-89670-004-9

Textstellen / Anmerkungen

(1992) Warum ich mich als Kybernetiker betrachte? (S.11) Bateson sagte, die Evolutionstheorie sei keine kausale, sondern eine kybernetische Theorie, weil sie nicht mit Ursachen, sondern mit einschränkenden Bedingungen (constraints) arbeitet. Shannon sagte, dass nur Signale übermittelt werden und die (Ent-)Kodierung vom Empfänger geleistet werden muss. Signale können nicht innerhalb des Systems kodiert werden: Man kann einem Kind die Wörter nicht durch andere Wörter erklären: das funktioniert am Anfang nicht, und bleibt deshalb in der Folge - im Anschluss an diese Wörter - unmöglich.

"... das Kind schaut in Richtung des Zeigefingers und sieht den Gegenstand, weil der Gegenstand eben einfach da ist, so wie wie sie ihn sehen. Ich halte das für eine irreführende Vereinfachung. Was ein Erwachsener sieht und was ein Kind sieht, das ist überhaupt nich dasselbe. [...] Im Prinzip gilt das in ähnlicher Weise auch für zwei Erwachsene." (S.14f.)

Radikalere Kritik: Die ganze Vereinbarungsidee ist ein Erklärungsprinzip. Sprechen ist ein viables Verhal-ten unabhängig von Vereinbarungen. Vereinbarungen "entdeckt" der Beobachter zur Erklärung der Viabilität. Die Bedeutung (Interpretation) der Wörter unterliegt einschränkenden Bedingungen, insofern, als bestimte Wörter in bestimmten Kontexten noch passen oder eben nicht. Piaget hat das "Passen" der Evolutions-theorie auf das Wissen übertragen: Passen statt Abbilden.

"Auch bei der Aneignung von Wissen ist wichtiger, die einschränkenden Bedingungen zu erkennen, als Ziele zu verfolgen.

(1984) Gedanken über Raum, Zeit und den Begriff der Identität (S.20) Unterscheidung das gleiche und dasselbe: Wenn ich dasselbe Mädchen, das ich gestern kennengelernt habe, heute noch einmal anspreche, wird sie sich - gegebenenfalls - an meinen Namen erinnern (an meine Identität). Ich kaufe die gleiche Hose wie meine Schwester, wenn ich in einer Boutique bin (23). Aber würde ich die Cordhosen, welche sie normalerweise trägt, heute anziehen, dann trüge ich dieselben Hosen, nämlich ihre Hosen (die meiner Schwester). Das heißt, der Identitätsbegriff ist nicht auf Menschen oder Lebewesen allgemein beschränkt. Indem ich von den Hosen meiner Schwester spreche, treffe ich eine eindeutige Definition, die tatsächlich nur auf einen Gegenstand in einem unendlichen Raum zutrifft. Dieser Begriff wird auch nicht durch eine besonders ausgeprägte Ähnlichkeit zweier Gegenstände relativiert: Würde die Hose, welche ich in einer Boutique kaufe, der meiner Schwester noch so ähneln, es sind dennoch nicht dieselben Kleidungsstücke. Trotz einer nahezu perfekten industriellen Fertigung hat schließlich jede Hose eine eindeutig zuordenbare Anzahl an Fehlmaschen, auch wenn nicht einmal der beste Schneider diese ohne ein Mikroskop ausmachen kann. Aber selbst die zwei gleichen Objekte können – obwohl sie gleiche Eigenschaften haben – dennoch unterschieden werden, eben weil es zwei sind. Diese Unterscheidung fällt nicht immer leicht, das gilt nicht nur für unbelebte Objekte, das kann wie bei dem Beispiel der Zwillinge – sofern es eineiige Zwillinge sind – auch für Menschen gelten. Zumindest dann, wenn der Kontakt nicht so eng ist. Eine Mutter wird im Normalfall in der Lage sein, ihre gleich aussehenden Kinder zu unterscheiden. Bei Außenstehen kann jedoch sogar der subjektive Eindruck entstehen, es handele sich nur um ein und dieselbe Person, wenn nicht beide Personen gleichzeitig anwesend sind. Das Unterhaltungskino spielt gern mit diesem Nicht-Unterscheidenkönnen und nutzt dies für Verwechslungskomödien. Selbst in der antiken Mythologie spielt das Nicht-Unterscheidenkönnen von Objekten – hier die Zwillingsbrüder Esau und Jakob – die eigentlich als verschiedene hätten wahrgenommen werden sollen, eine Rolle, wenn auch eine zutiefst dramatische: Weil Isaak im Alter erblindet ist, kann er seine gleich aussehenden Söhne sehend sehr wohl unterscheiden konnte, nicht mehr sagen, wer da vor ihm kniet und um seinen Segen bittet. (1. Mose, Kap. 27)
Bentham sagte, Relationen sind fiktiv (facere, gemacht), nicht wahrgenommen (24). Es gibt keine zwei Elemente in unserer Erfahrung, die wir nicht als gleich oder als verschieden auffassen können: das Subjekt entscheidet. Die Entscheidung für Gleichheit lässt noch offen, ob wir das gleiche oder dasselbe meinen. Die Entscheidung für dasselbe (permanente Dinge, Objektkonstanz) ist ein nützliches Konzept, um den Fluss der eigenen Erfahrungen in Ordnung zu bringen (25). Die Externalisierung von verschiedenen Ursprüngen für verschiedene Erfahrungen ist nicht notwendig, aber nützlich. Das habe ich in meinem Hyperaufsatz unter externes Gedächtnis behandelt. Die Frage ist, wie nützlich etwas sein muss, dass es für uns ""im Prinzip"" notwendig wird. Proto-Raum und -Zeit ist der konstruierte Ort, wo permanente Externalisierungen warten/überwintern, wenn wir sie gerade nicht erfahren.

(1986) Über Wissen, Sagen und Zeigen (S.32) Dieser Aufsatz passt sehr gut zu meinem Konzept von ""Ich"": der Homunkulus (37): Indem ich über mich als ""Etwas"" spreche, überschreite ich die Grenze des (wittgensteinschen) Sagbaren. Wissen heisst (hier) Wiedererkennen, wenn wir aber etwas wiedererkennen, muss es nicht (wie Sokrates meinte) existieren. Tat-Sachen sind gemacht. Lichtwellen, Rezeptoren usw ergeben keine Rose, die Rose muss ich selbst zusammensetzen, sie ist meine Tat-Sache. Unsere Sprache sugeriert aber durch die Benennung, dass die benannten Dinge existieren. Der Sprecher muss das besprochenen von sich unterscheiden (Referenzproblem). Unterscheidung (vom nichtgenannten Bateson:Den Hund treten) mit der Tochter, die man tragen oder rufen kann (34). Sprache (wird hier nicht vom allgemeineren Fall der Kommunikation unterschieden) hat für EvG das notwendige Kriterium der Re-Präsentation, das zu einer Handlung führen kann, aber nicht muss. Ich habe nur ein zufälliges Kriterium für Sprache. EvG's Kriterium ist nicht prüfbar, er nimmt es durch den Homukulus selbst wieder zurück.

(1979) Zur Konstruktion von Realität bei John Fowles (S.38) Über den Konstruktivismus in der Literatur von Fowles Werk Magus. Valéry sagt, dass Autor irgend ein Leser seines fertigen Textes sei (1928 im Vorwort zu Charmes). Fowles lässt seine Romanfigur (Urfe) in einer fiktiven Welt leben, die Magus für ihn aufbaut und dann zusammenbrechen lässt (Gottesspiel).

(1990) Fiktion und Realität aus der Perspektive des radikalen Konstruktivismus (S.45) (auch in Rözner, Florian und Weibel, Peter: Strategien des Scheins, Klaus Boehr Verlag, München 1991)

Das Objektive entseht in der kognitiven Entwicklung durch die ""sekundäre zirkuläre Reaktion"" (Piaget): Wir kneifen Gegenstände, einer der Gegenstände sind wir selbst, d.h. wir merken dass wir gekniffen werden. So entsteht die Unterscheidung selbst-nichtselbst. Wir unterscheiden Kneifen mit und Kneifen ohne Schmerz, dazu braucht es keine ontische Welt, denn alles, was wir kneifen ist Teil unserer subjektiven Erlebniswelt. Vom Standpunkt des Konstruktivismus kann man nie zu einem ontologischen Objektiven gelangen. Unterscheidung Realität versus Wirklichkeit. Wirklichkeit ist das, was wir durch unsere Handlungen (Wahrnehmungen) schaffen. Wirklichkeit ist eine durch unsere Begriffe viable Welt. Realität ist eine gefährliche Fiktion. Unterscheidung von verschiedenen Passen: Ein Schuh passt, wenn er weder zu gross, noch zu klein ist. Eine Erbs passt in einen Fingerhut ebenso wie in einen Tunnel. Das evolutionäre Passen ist letzteres (50) Undifferenzierte Kodierung (HvF): ob ich etwas sehe oder spüre, unterscheide ich, indem ich die Leitungen unterscheide, den die Signale selbst sind gleich.

"Konstruktivistische Definitionen beschreiben die Wirklichkeit induktiv unter dem Gesichtspunkt des Funktionierens, was immer Ziel- und Soll-Werte impliziert, was ""die Wissenschaft bisher peinlichst vermieden hat"" Was heisst Konstruieren? (53) Aufbau von Begriffs-Konstruktionen, die viabel sind und durch Akkommodation erweitert werden (das ist eine sehr sinnvolle Metapher zu meiner Konstruktion) Was heisst Fiktion (54): Fiktion setzt Objektivität voraus. Im Konstruktivismus ist Fiktion gegenüber einr Objektivität sinnvoll, die durch Kompatibilität in Unterhandlungen entsteht: etwa bewusste Fiktionen wie Begriffe, deren Viabilität in der eigenen Erfahrungswelt nicht geprüft werden können, zB fliegende Tepiche, Hexen. Idealbegriffe wie geometrische Figuren und Erklärungspostulate wie Energie. Lügen, die absichtlich Abweichungen erzeugen. Unbewusste Fiktionen sind etwa Illusionen; sie sind im Augenblick des Erlebens nicht von der eigenen Wirklichkeit zu unterscheiden. Die Realität ist eine Fiktion, die Wirklichkeit als nicht wirklich aufzufassen, ist un-Sinn-ig Zusammenfassung: ""In meiner Erfahrungswelt komme ich nicht zurecht, wenn ich unter meinen Konstrukten nicht auch Wesen konstruiere, die .. - nämlich Mitmenschen"", deren Verhalten ich modelliere. Ich brauche die Andern, um die Viabilität meiner Konstrukte zu verbreitern, das ist kein Gebot der Ethik, sondern eines der Epistemologie, aber Grundlage jeder Ethik.

(1987) Die Logik der naturwissenschaftlichen Fehlbarkeit (S.62) Religion ist ein metaphysischer Versuch, der Seele Frieden zu schaffen. Wissenschaft erzeugt rationale Konstrukte, deren Wert in der Anwendbarkeit liegen. Um eine Wahrheit zu streiten, gibt es da eigentlich nichts. Wissenschaften lernen aus Erfahrungen (zB Kaninchen und Pflanzen werden in künftigen Lagern von radioaktivem Material nach der Handford-Geschichte besser berücksichtigt). Wissenschaften achten aber aus prinzipiellen Gründen nicht auf die Umwelt. Wie arbeiten Wissenschaften? Maturana's 4 Phasen des deduktiven Modells zeigen die Erfahrung im Zentrum. Auch Prognosen beziehen sich auf (künftige) Erfahrungen, nicht auf Ereignisse. Die Experimentbedingungen dienen nicht der Objektivität, sondern der Wiederholbarkeit. P. Feyerabend-Zitat. Das wissenschaftliche Modell, das die Erfahrung organisiert, ist ein Reflexionsprodukt (der Geist beobachtet seine Operationen (Locke)). Piaget hat diese Tatsache durch Assimilation und Akkommodation dargestellt. Einschub: es gibt zwei Arten von Als Ob: Ein Kleinkind weiss nicht, dass der Löffel keine Rassel ist, und wird entsprechend enttäuscht, ein Erwachsener weiss, dass ein Brieföffner kein Schraubenzieher ist, er wird dementsprechend auf einer anderen Ebene entäuscht.

"Die wissenschaftliche Methode verknüpft im Modell Beobachtungen, die durch einschränkende Bedingungen wiederholbar gemacht worden sind. Daraus folgt, dass im Modell von Maturana im zweiten Schritt die einschränkenden Bedingungen formuliert werden, die schon im ersten Schritt vorausgesetzt wurden. Diese Bedingungen heissen Versuchsanordnungen, die man einhalten muss, um bestimmte Dinge zu sehen. Der Witz besteht gerade darin, ein Modell zu haben, in welchem möglichst wenige Variablen berücksichtigt werden müssen. Der Aufsatz endet im Nichts: Wissenschaftler können nicht anders, sie sollten sich dessen bewusstsein und manchmal Laien befragen. Die Beispiele stammen nicht aus der Wissenschaft, sondern aus dem praktischen Problemlösen. Dort wäre es sicher sinnvoll, verschiedene Menschen zu fragen, in der Wissenschaft ist das aber aus Gründen der Fachkenntnis nicht möglich

(1985, ital.) Der Einfachheitskomplex (S.78) Wir versuchen zu vereinfachen um vorhersagen und beherrschen zu können. Weil das nicht immer gelingt, nehmen wir an die Welt sei komplex. Unser Wissen besteht aus begrifflichen Strukturen. Es gibt keine Struktur ohne Konstruktion (Piaget: Le structuralisme, Paris 1970:120). Das ungeborene Kind ist ein potentieller Organisator von Erfahrungen. Schon im Mutterleib gibt es erste Erfahrungen, auch wenn diese noch nicht kategorisiert (undifferenzierte Kodierung) sind. Konditionierungsversuche legen nahe, dass das Nervensystem von Neugeborenen in der Lage ist, relativ stabile Verknüpfungen herzustellen. Das Thorndike Effekt-Gesetz sagt, dass Lebewesen dazu neigen, zu wiederholen, was zu einem befriedigenden Resultat geführt hat. Ein lebendes System ist konservativ und wiederholt nur, was funktioniert (Maturana 1970 Biology of cognition). Das induktive Prinzipsetzt voraus, dass es Elemente gibt, die sich ähnlich wiederholen, sonst hätte Erfahrung keinen Sinn. Komplexität ist ein Verhältnis zwischen unseren Zielen und unseren begrifflichen Mitteln.

(1994) Von Ordnung zu Verordnung: Konstruktion und Zweck (S.90) (Heidelbergerkongress Konstruktivismus im Management) Ordnung gründet auf Regeln. Ursache, Verordnung, Anweisung beruhen auf Regeln. Anatomie der Regeln: Für Realisten ist die Regel etwas in der objektiven Welt (das ist wohl der entscheidende Schritt), deshalb findet man in der Philosophie fast nichts über die Regel. unbegründete Voraussetzungen: Reflexion (iSv Locke) und Gedächtnis und die Annahme, das Lebewesen sich stets bemühen Regelmässigkeiten festzustellen (Humboldt). Zusätzlich: Wir können wiedererkennen. Der primitivste, empirische Fall der Induktion ist die Konditionierung, eine komplizierterer die Objektkonstanz. Wir unterscheiden Korrelationen, feste Folgen und Kausalfolgen, die wir in unsere Zielsetzungen einfügen. Gewünschte Ordnungen erfordern bestimmte Regeln, wobei diese durch Aufklärung oder durchZwang durchgestezt werden können. Bleibt in bezug auf Management sehr oberflächlich, naiv tayloristisch: ""Wir"" - wer? - sollten nicht auf Kontrolle setzen.

(1990) Teleologie und die Begriffe der Verursachung (S.108)

Aristoteles untersucht das Wissen, nicht die Welt. In unserem Wissen unterscheidet er 4 Arten von ""Ursachen"", die Glasersfeld als Erklärungsprinzipien bezeichnet. Eine Statue etwa hat die materiale Ursache ""Bronze"" und die formale Ursache ""Gussform"", durch die sie definiert ist. Die Evolutionstheorie hat die materiale Ursache ""variable Organismen"" und die formmale ""selektierende Umwelt"". Die Wirkur-sache bezieht sich auf Veränderungen, mithin auf Vergleiche von Erfahrungen und setzt Regelmässigkeit im Wiedererkennen voraus. Die Zweckursache liegt nicht (als angestrebtes Ziel) in der Zukunft, sondern in der Verküpfung eines Zieles mit einer Wirkursache. Weil ich weiss A -> B und ich B will, erzeuge ich A. Dass ich B will, und dass ich die Wirkursache zu B kenne, setzt voraus, dass ich B und die Gestzmässigkeit zwischen A und B schon kenne, erfahren habe. Diese Art von Ziel liegt also nicht in der Zukunft, sondern in der Vergangenheit. Mir fällt dazu eine Darwin-Lamark-Geschichte ein: Wieso fällt der Apfel vom Baum? Weil er der Wirkursa-che ""Schwerkraft"" ausgesetzt ist, oder weil er als Sammenträger für einen neuen Baum in die Erde muss. EvG verwendet aber in seiner Argumentation Lebewesen, weil nur sie Wissen haben können.

"EvG grenzt sich von Skinner ab. Ich verstehe aber nicht wie. Sagt Skinners Slogan: Verhalten wird durch seine Folgen gestaltet und erhalten"" etwas anderes aus als Maturana's Konservativitäts-These? Walter Cannon hat (1932) die Homöostase formuliert, die Regelung von Herzschlag und Zuckergehalt ist keine tolle Erfindung, weil sie nicht erfunden wurden, sondern nur evolutionär passten. Auf Seiten der Organismen (der Evolutionstheorie) gibt es keine Induktion, also keine bewusste Wiederholung von etwas, was sich bewährt hat. Nur ein Beobachter wählt in seinem Erlebensfluss (bewust oder unbewusst) Einhei-ten, die ""funktionieren"". Funktionieren heisst aber Werte (Ziele) voraussetzen. Telelogie wurde/wird in der Wissenschaft zu wenig differenziert und deshalb insgesamt, statt partiell verworfen. ""Teleonomie"" war ein Begriffsversuch dagegen, der sich aber in der Biologie nicht etablierte. Aristoteles hat im Kap.8 des 2. Buches der Physik im Zusammenhang mit der Entelechie die Evolutions-theorie in einem fiktiven Argument, das er nachher widerlegte, vollständig vorweggenommen: spontane zufällige Variation, das Passen in die Umwelt, die Eliminierung des Untauglichen durch natürliche Auslese. Die Kybernetik hat einen anderen ""Zweck"" eingeführt, und weil sie ihn ""Zweck"" nannte, viel Missverständ-nis und Ablehnung erzeugt.

"EvG erläutert den kypbernetischen Zweck in Anlehnung an Gordon Pask (The meaning of cybernetics in the behavioral sciences. In: J. Rose, Progress of cybernetics, London 1969) mit einer Umschreibung der Gegen-standsbedeutung und unterscheidet den ""Zweck von .."" vom ""Zweck für .."". Bei Artefakten spre-chen wir vom Zweck für (gemacht für), bei der Evolution vom Zweck von (dient zu). Maschinen haben im-mer einen Zweck. N. Wiener (Rosenblueth, u.a., 1943) sprach - unsinnigerweise - von zwecklosen Ma-schinen, etwa bei der Roulettemaschine, weil sie sich nicht vorhersehbar verhält (Kritik dazu in R. Taylor, Comments on a mechanistic conception of purposefulness, 1950). Negative Rückkoppelung ist das Prinzip, nach welchem Lebewesen ihre Ziele anstreben (William Powers, Behavior, the controll of perception, 1973). Dabei wird eine Wahrnehmung mit einem Referenzwert verglichen, so dass beides im Mechanismus und nicht in der Zukunft liegen.

(1981) Wie hat Pythagoras es gemacht? (S.141)

Der geometrische Beweis von Pythagoras stammt aus einer Geschichte von Aldous Huxlex (Young Archimedes in: Little Mexican, 1924) Pythagoras hat Muster auf den Fliessen beobachtet und entdeckt, dass das Quadrat 8 gleiche Dreicke enthält, durch verschiedenen Betrachtungen hat er das allgemeine Gesetz gefunden, woraus folgt: verschiedene Betrachtungen können Probleme lösen. Eine etwas kühne Geschichte, in welcher zu den verschiedenen Betrachtunge auch der Fall gehört, dass die senk- und die waggrechte Unterteilung des Quatrates beliebige verschoben werden können.

(195) Sensorische Erfahrung, Abstraktion und Unterricht (S.145)

Fragen / Diskussionspunkte

Was passiert aus konstrutivistischer Sicht, wenn wir Wörter vereinbaren? Die ganze Vereinbarungsidee ist ein Erklärungsprinzip. Sprechen ist ein viables Verhalten unabhängig von Vereinbarungen. Vereinbarungen ""entdeckt"" der Beobachter zur Erklärung der Viabilität.

Worin besteht der Unterschied zu Chomsky? Was heisst ""semantisch""? Was heisst Beziehungen der Wörter mit Hilfe ihrer begrifflichen Elemente analysieren?