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Simon, Fritz B.: Tödliche Konflikte. Zur Selbstorganisation privater und öffentlicher Kriege.
 
Gebundene Ausgabe - 300 Seiten - Carl-Auer-Systeme Verlag Erscheinungsdatum: 2001ISBN: 3896701886 DM 49,80
 
Rezensionen
 
Kurzbeschreibung
 
Es vergeht kein Tag, ohne dass uns Nachrichten von Konflikten in unserer näheren oder weiteren Umgebung erreichen, die sich zutreffend nur als Krieg bezeichnen lassen. Krieg kann als ein Konflikt verstanden werden, bei dem die beteiligten Parteien ihr Überleben riskieren. Das gilt nicht nur für Konflikte zwischen Nationen, sondern auch für andere soziale Einheiten wie Firmen, Organisationen, Stämme, Banden usw., ja, auch für Individuen. Beispiele sind das Duell oder die manchmal in Mord und Totschlag endenden Konflikte zwischen Ehepartnern. In diesem Buch werden die Entstehungsbedingungen von Kriegen aus systemtheoretischer Perspektive analysiert. Der Autor bezieht dabei sowohl biologische und psychoanalytische Modelle als auch soziologische Erkenntnisse ein. Ergebnis ist, dass solche Kämpfe im allgemeinen nicht um irgendwelcher wirtschaftlicher oder triebhafter Interessen Willen ausgefochten werden, sondern dass es um scheinbar so antiquierte Werte wie Ehre, Stolz und Status geht. Kriege sind nach Auffassung des Autors deshalb als Fortsetzung des Sports mit anderen Mitteln zu verstehen und, nicht zu vernachlässigen, als ultimative Form des Entertainments ­ zumindest für die nicht direkt beteiligten Beobachter.
 
Kundenrezensionen
 
..., 27. September 2001 Rezensentin/Rezensent: mail@erew.de aus Viersen, D
 
Der Autor geht in seinen Untersuchungen von den Thesen aus, dass Krieg ein charakteristisches Kommunikationsmuster sei, d.h. ein soziales System, in dem die beteiligten Parteien ihre Existenz riskierten. Unabhängig davon, ob es um den Kampf Nation gegen Nation, Kolonialtruppen gegen Freiheitskämpfer, Fir-ma gegen Firma, Ehepartner gegen Ehepartner handelt. In all´ diesen Gruppie-rungen geht es immer wieder um dasselbe Spiel, allerdings sei die Variation der Muster begrenzt und berechenbar. Für F. B. Simon bleibt die entscheiden-de Frage, wie es in all´ diesen so verschieden erscheinenden Bereichen zum Ausbruch von Kriegen kommt? Welcher Logik folgt die Kommunikation, die aus zunächst gewaltfreien Konflikten Kriege werden lässt? Ihm geht es um die Lo-gik von Kriegen. Wenn dann also sein Anliegen die Ermittlung der Logik von Kriegen ist, geht es ihm auch darum, neben der Analyse des sozialen Systems und seiner Spielregeln auch noch zwei andere Bereiche ins Blickfeld zu rücken: Die psychischen und biologischen Umwelten von Kriegen. Auch hier gehe es um die Logik seelischer und körperlicher Prozesse - meint der Autor - die mit Krieg gekoppelt seien, und so führt er sich selbst zur Frage, ob es angebracht oder nützlich sei, „den Menschen einen Aggressionstrieb oder etwas Ähnliches zuzuschreiben oder frühkindliche Traumatisierungen sich für die Bereitschaft, sich in kriegerische Auseinandersetzungen zu verwickeln, verantwortlich zu machen."
 
Um die selbstgestellten Fragen eingehend beantworten zu können, analysiert der Autor unterschiedliche Muster kriegerischer Verwicklungen. Dabei werden seiner Definition von Krieg entsprechend solche Interaktions- und Kommunika-tionsformen, in denen die Beteiligten bereit sind, ihre eigene Existenz aufs Spiel zu setzen, als Kriege betrachtet. Der praktische Wert seiner Analysen sieht F. B. Simon darin, dass er herausfindet, wer in der täglichen Arbeit aktiv an der Herstellung, Erhaltung und Beseitigung von - potentiell tödlichen - Kon-flikten beteiligt ist oder mit seinem Management beschäftigt ist. In diesem Zu-sammenhang denkt er an Politiker, Diplomaten, Manager, Mediatoren, Priester, Therapeuten u.a., die ihr Leben mit Konflikten fristen.
 
Das Besondere und Außergewöhnliche in diesem Buch sind für mich die allpar-teilichen Herausarbeitungen von Entstehungsbedingungen von Kriegen aus systemtheoretischer Perspektive. F.B. Simon bezieht sich in seinen Analysen sowohl auf biologische und psychoanalytische Modelle als auch auf soziologi-sche Erkenntnisse. Sein Ergebnis ist, dass solche Kämpfe im allgemeinen nicht um irgendwelche wirtschaftliche oder triebhafte Interessen willen ausgefochten werden, sondern dass es um scheinbar „so antiquierte Werte wie Ehre, Stolz und Status gehe". Kriege sind nach Auffassung dieses Autors aus seiner Sicht die Fortsetzung des Sports mit anderen Mitteln - und nicht zu vernachlässigen als ultimative Form des Entertainment. Zumindest für die nicht direkt beteiligten Beobachter.
 
Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis: - Krieg und Frieden als Dauerzustand - Krieg als Ausnahmezustand mit eindeutigem Anfang und Ende - Krieg mit schleichendem Beginn - Der ritualisierte, zeitlich und örtlich verabredete Zweikampf - Krieg ohne Ende - Augenblickskriege - Totschlag im Effekt - Die expressive Ordnung - Soziale Funktionen des Krieges - Die Lust am Kämpfen
 
Gelungener Mix an Themen, 24. September 2001
 
Rezensentin/Rezensent: aus Stuttgart, Deutschland
 
Der Autor Fritz B. Simon beleuchtet Gewalt und ihre Wirkungen aus verschiedenen Blickwinkeln. Es werden z.B. die Auswirkungen auf Körper und Psyche beschrieben. Auch die verschiedenen Phasen von Konflikten sind im Buch erklärt. Interessant sind Darstellungen von Gesellschaften, die weitestgehend Gewalt vermeiden (die Xingu im Amazonas) oder die Gewalt in ihr tägliches Leben integriert hatten (Bewohner der Fidschi Inseln). An Fallbeispielen enthält das Buch u.a. Ehekriege, Blutrache, den 1. Weltkrieg, den Vietnamkrieg und das Duell. Der Behauptung Krieg sei ultimatives Entertainment wegen sollte man das Buch allerdings nicht kaufen, denn das ist die einzige etwas reißerische Aussage im Buch.