Sozialphilosophie        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]     

Als Sozialphilosophie bezeichne ich ein "Grenzgebiet" der Soziologie, wobei nicht klar ist, inwiefern es zur Soziologie oder zur Philosophie gezählt werden kann. Die Sozialphilosophie produziert und kritisiert Utopien unter ethischen Gesichtspunkten - oder wie T. Adorno sagte, in der „treibenden Sehnsucht, daß es endlich anders werde“.

Die Sozialphilosophie diskutiert ob und wie das Zusammenleben von Menschen geregelt werden kann oder soll. In der Philosophie sind solche Fragen immer behandelt worden, aber als Sozialphilosophie werden sie seit dem 19. Jahrhundert mit der Verwirklichung der bürgerlichen Revolution und dem Nachdenken über alternative Staatskonzepte bezeichnet.

Positionen sind:
Thomas Hobbes vertritt die Annahme, der absolutistische Staat sei notwendig, um den beständigen Kampf der Menschen gegeneinander zu unterbinden.
Max Stirner geht davon aus, dass der Einzelne vollkommen ungebunden sei (Solipsismus).
Karl Marx formuliert die gesellschaftliche Bedingtheit des Menschen (Dialektischer Materialismus).
Amitai Etzioni u.A. entwickeln Ideen zum Kommunitarismus.
Rudolf Steiner entwickelt Ideen zum Dreigliederung des sozialen Organismus.
Erich Fromm differenziert die Beziehung von Individuum und Gesellschaft in "Haben oder Sein" und "Die Kunst des Liebens".
Joseph Beuys prägte den „erweiterten Kunstbegriff“ Soziale Plastik, beziehungsweise soziale Skulptur, und fordert ein kreatives Mitgestalten an der Gesellschaft.
Kurt Röttgers geht statt von "Menschenbildern" vom medialen Prozeß zwischen den Menschen aus, den er den "kommunikativen Text" nennt.

Will man den Beginn der abendländischen Sozialwissenschaften mit der Epoche der Aufklärung in Zusammenhang bringen und Henri de Saint-Simon als deren „Urvater“ betrachten, so ist dort die Anstrengung erkennbar – wie bei seinem bekannteren Nachfolger Auguste Comte – , zunächst die vorgefundene gesellschaftliche Wirklichkeit zu erfassen und nachfolgend einen Entwurf ihres zukünftigen Zustandes vorzulegen.


 
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