Hyperinflation        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]     
 

Hyperinflation ist eine Form der Inflation, in der sich das Preisniveau sehr schnell erhöht. Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition, aber eine verbreitete Faustregel spricht von einer Hyperinflation ab einer monatlichen Inflationsrate von 50 %, die einer jährlichen Rate von ca. 13.000 % entspricht. Einfach gesagt ist eine Hyperinflation eine unkontrollierbare Inflation mit extrem hoher monatlicher Rate. Viele Hyperinflationen enden in einer Währungsreform.

 
50-Millionen-Mark-Stück, Notgeld der Provinz Westfalen
Wikipedia

Inflation lässt sich gliedern in verschiedene Geschwindigkeiten (schleichend, trabend, galoppierend und Hyperinflation) und Phasen (akzelerierte Phase – stabilisierte Phase – dezelerierte Phase). Der Begriff „Inflation“ bezeichnete ursprünglich die Inflationen der frühen 1920er Jahre, die heute als schwere oder Hyperinflationen gelten. Heute wird er losgelöst von der tatsächlichen Geschwindigkeit der Erhöhung des Preisniveaus in einem Land gebraucht.

Leichte Inflation (bis etwa fünf Prozent Wertverlust im Jahr) hat nachfragefördernde Wirkung, da Leute ihr Geld ausgeben oder investieren wollen. Freilich verlangen sie für Investitionen immer noch eine Liquiditätsprämie, das heißt die Renditen müssen deutlich über der Inflationsrate liegen.

Bei schwerer Inflation (ab rund fünf Prozent Wertverlust im Jahr) verliert das Tauschmittel Geld seinen Wert schneller als andere Güter (zum Beispiel Immobilien, Aktien, Sachkapital allgemein) und büßt daher die Wertmaßstabsfunktion und Wertaufbewahrungsfunktion ein, stattdessen wird eine Ersatzwährung verwendet, so zum Beispiel Zigaretten in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, der US-Dollar in der Türkei (früher) oder Argentinien. Es kommt zur Flucht in wertstabile Sachwerte und zu Kapitalflucht. Auf den Kapitalmärkten nimmt das Kapitalangebot ab, da die Anbieter wegen der Inflation mit einem Werteverzehr rechnen, der Kapitalzins steigt. Aus gleichem Grund werden langfristige Kredite kaum noch angeboten, schon gar nicht mit festem Zins. So besteht auch für Kreditnehmer keine Planungssicherheit mehr. Bisher knapp lohnende Investitionen werden durch Zinssteigerung unrentabel; Unternehmen, deren Rendite nicht mehr ausreicht, gehen bankrott.

Deutsches Inflationsgeld von 1923 (Aluminium, Durchmesser 27 mm)

Die inländische Währung wertet im Falle flexibler Wechselkurse ab, bei festen Wechselkursen jedoch wird es für ausländische Anbieter attraktiver, Waren im Inland anzubieten, für die inländischen Anbieter lohnt es sich weniger zu exportieren. Es kommt zu Importüberschüssen.

Durch die Inflation kommt es zu einer Senkung der Reallöhne, da die Gewerkschaften meist nicht in der Lage sind, schnell genug Lohnsteigerungen durchzusetzen (siehe auch Preis-Lohn-Spirale). Ebenso werden Sozialleistungen vom Staat meist nicht entsprechend der Inflation erhöht; dann sinken die Realeinkommen von Personen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind.

Bei zeitlich vor der Inflation abgeschlossenen Verträgen verschiebt sich das wirtschaftliche Gleichgewicht. So wird generell der Schuldner besser gestellt, während sich die Position des Gläubigers verschlechtert. Das gilt zum Beispiel für Mieten, Unterhaltszahlungen, Renten- und Pensionsansprüche und Honorarforderungen aufgrund gesetzlich geregelter Honorarordnung wie bei Rechtsanwälten und Ärzten. So wurden die Immobilienbesitzer beispielsweise in der Deutschen Inflation 1914 bis 1923 faktisch vollständig entschuldet, während die Immobilien den Wert beibehielten. Der Gesetzgeber versuchte, diese Inflationsgewinne über die Hauszinssteuer abzuschöpfen.

Einer der großen Profiteure der Inflation ist der Staat. Der Realwert seiner Verschuldung nimmt wegen der Inflation deutlich ab. Ein beliebtes Mittel zur Staatsentschuldung ist in neuerer Zeit die Währungsabwertung gegenüber zum Beispiel dem US-Dollar, die letztendlich „Punktinflation“ darstellt. Durch kalte Progression steigen außerdem die realen Steuereinnahmen. Die größten Verlierer sind Inhaber von Geldvermögen und festverzinslichen Wertpapieren wie Staats- oder Unternehmensanleihen. Diese Vermögen werden durch die Inflation entwertet. Bei schwerer Inflation steigt auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, denn da das Geld ständig entwertet wird, will niemand es lange behalten.

Kann nicht genug werthaltiges Sachkapital produziert werden, wird versucht, Wert in Devisen anzulegen. Die Entwertung des Geldes wird so beschleunigt.

Häufig gibt es nach einer Inflation eine Währungsreform. Besonders schwere Inflationen mit monatlichen Wertverlusten von über 50 % werden auch als Hyperinflationen bezeichnet. Hyperinflationen kamen in der Geschichte schon mehrmals auch deshalb zum Stillstand, weil selbst der Realwert des Papiers zum Drucken der Banknoten höher war als der Wert einer Banknote.

Preis für ein Frühstücksei um 1923
Datum Kaufpreis 6. Juni 1912 7 Pfennig 6. August 1923 923 Papiermark 27. August 1923 177.500 Papiermark 17. September 1923 2,1 Millionen Papiermark 15. Oktober 1923 227 Millionen Papiermark 5. November 1923 22,7 Milliarden Papiermark 15. November 1923 320 Milliarden Papiermark

Schwere Inflation konnte man in der Geschichte unter anderem beobachten: die Preisrevolution im 16. Jahrhundert um 1622 in Europa in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Frankreich während der Französischen Revolution – der Assignat um 1920 bis 1924 in Österreich um 1923 in Deutschland und Ungarn (siehe: Deutsche Inflation 1914 bis 1923) 1939–1948 in Deutschland (zurückgestaute Inflation, korrigiert durch Währungsreform) 1945–1946 in Ungarn (siehe Pengö) jahrzehntelang bis 1991 in Argentinien jahrzehntelang bis 1994 in Brasilien um 1995 in Mexiko um 1997 in Süd-Ost-Asien, unter anderem Thailand, Indonesien und Südkorea (siehe Asienkrise) um 2002 in Argentinien Im Zuge der Ölpreisschocks nach den beiden Ölkrisen 1973/74 und 1979/80 kam es zu relativ hohen Inflationsraten. In den 1970er Jahren kam es auch aufgrund anderer Faktoren zu relativ hohen Inflationsraten: das Bretton-Woods-System (feste Wechselkurse) brach 1973 zusammen. Im März 1973 wurde der geometrisch gewichtete U.S. Dollar Index (USDX) eingeführt und auf einen Wert von 100 gesetzt. Der USDX vergleicht den US-Dollar mit einem Währungskorb aus sechs anderen Währungen. die USA lebten über ihre Verhältnisse (Vietnam-Krieg, Kalter Krieg/Wettrüsten, Wettlauf ins All/Apollo-Programm u. v. m.)

Gemäß dem CATO Institute betrug die Hyper-Inflation in Simbabwe per Ende Oktober 2008 gegenüber Ende Oktober 2007 2,79 Trillionen (2,79 * 1018) Prozent.[6]

In der Abbildung sind die Preissteigerungsraten für den Konsumpreisindex für die Länder der Triade dargestellt. Diese hohen Preissteigerungsraten erzwangen nach Meinung vieler Wirtschaftswissenschaftler die Abkehr vom Keynesianismus mit seiner Politik des billigen Geldes hin zum Monetarismus mit strenger Kostensenkungspolitik.

Versucht der Staat, die freie Preisbildung zu regulieren, entsteht statt offener verdeckte oder zurückgestaute Inflation. Sie äußert sich unter anderem in Käuferschlangen oder in der Bildung eines Schwarzmarktes, dessen Preissteigerungen in keiner Statistik auftauchen.
 
[wp]



 
[Ostgote]

 
[FAZ]
 
[Spiegel]