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Hier geht es nicht um den Fisch, sondern um Textstellen "Fisch"


Systemgrenze als Differenz zwischen Fisch und Aquarium


K. Holzkamp: Sinnliche Erkenntnis Fisch als Beispiel in der Definition.

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Sowohl dass es sexuelle Probleme, als auch ein Alltagswissen darüber gibt, ist unabdingbare Voraussetzung für jene, die sich mit Sexualität beschäftigen, obwohl sie nur aufgreifen, was schon irgendwie bekannt ist und in seiner bekannten Art Schwierigkeiten macht. Also für jene, die in einem das Alltagswissen als unüberschreitbar voraussetzen und versuchen, es in seiner scheinbaren Geschlossenheit aufzubrechen, die sich bemühen, jeweiliges Vorwissen aufzuheben. Sie gehen davon aus, dass sie von vorneherein so ungefähr wissen, was sie kritisch betrachten. Wer ihr Vorwissen in keinem Sinne teilt, wer also beispielsweise keine Ahnung davon hat, was Sexualität ist, wird sie nicht verstehen, wird hier nichts verstehen. Vor ihm steht diese Untersuchung im gleichen Unvermögen, als wenn sie ihm klar machen müsste, was ein "Fisch" sein soll, ohne dass er so etwas wie ein Fisch bereits kennt. Empirische Befunde können nicht mittels Definitionen zur Kenntnis gebracht werden. Wer lediglich erfährt, ein Fisch sei ein "Wirbeltier mit Schwimmblase", der kennt Fische ebensowenig wie Sexuallität, wenn er von letzterer nur erfährt, dass sie auf "Zweigeschlechtlichkeit" beruht. Wer Sexualität kennt, nicht aber die gesellschaftlichen Schwierigkeiten, ... (aus sex1.htm)
Wer Holzkamp kennt wird diese Formulierungen wiedererkennen. Sie sind zum Teil wörtlich übernommen und trotzdem keine Zitate. Denn zitiert wird sinnvollerweise, ausser empirischen Befunden, nur wo Worte, nicht aber wo Wörter übernommen werden. (Holzkamp, 1976) verwendet die Wörter S. 21f).


N. Luhmann: Tote Fische im Rhein, dazu gibt es 2 Stellen:

Ökologische Kommunikation (S. 62)

Es geht nicht um die vermeintlich objektiven Tatsachen: daß die Ölvorräte abnehmen, die Flüsse zu warm werden, die Wälder absterben, der Himmel sich verdunkelt und die Meere verschmutzen. Das alles mag der Fall sein oder nicht der Fall sein, erzeugt als nur physikalischer, chemischer oder biologischer Tatbestand jedoch keine gesellschaftliche Resonanz, solange nicht darüber kommuniziert wird. Es mögen Fische sterben oder Menschen, das Baden in Seen oder Flüssen mag Krankheiten erzeugen, es mag kein öl mehr aus den Pumpen kommen und die Durchschnittstemperaturen mögen sinken oder steigen: solange darüber nicht kommuniziert wird, hat dies keine gesellschaftlichen Auswirkungen. Die Gesellschaft ist ein zwar umweltempfindliches, aber operativ geschlossenes System. Sie beobachtet nur durch Kommunikation. Sie kann nichts anderes als sinnhaft kommunizieren und diese Kommunikation durch Kommunikation selbst regulieren. Sie kann sich also nur selbst gefährden.

und
Einführung in die Systemtheorie /S. 89f)

"Es schwimmen tote Fischen im Rhein". [..] .. aber wir müsse natürlich sehen, aus welchen Gründen unsere Gesellschaft innerhalb eines Kommunikationssystems auf solche Sachverhalte Bezug nimmt [..] So bekommt man auch Zugang zu solchen Fragen wie, ob nun eigentlich nur die Presse darüber spricht, ob die nur ein Thema des Schulunterrichtesoder der Jugendgruppe ist, wie die Wirtschaft darauf reagiert, das heisst, wer von diesen drei Systemen über dieses Thema kommuniziert und mit welchen internen Folgen. Das ist das soziologisch interessante am Thema, nicht das Sterben der Fische" (S. 89f).

Luhmann sagt „Wenn der Rhein voller toter Fische wäre, aber niemand wäre dort, um darüber zu berichten, gäbe es die Umweltkatastrophe (im soziologischen Sinn) auch nicht.“ Ich bringe dies Zitat hier nur deswegen, weil es die soziologische Sichtweise radikalisiert, und es erscheint zunächst provokativ. Aber wenn Sie genauer hinsehen, ist es eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Nicht, wenn wir die vielen toten Fische nicht im Rhein, sondern in irgendeinem abgelegenen Amazonas-Nebenarm nicht wahrnehmen, und wenn die Medien hier darüber nicht berichten. Dann würde sich auch keiner den Kopf darüber zerbrechen, durch welche Handlungen das verursacht worden ist. Das ist aber insofern eine sehr wichtige Unterscheidung, weil hierin die Idee der Konstruktion steckt. Konstruktion heißt, dass in der Art und Weise, in der wir darüber sprechen, das Risiko konstruiert wird. Das hat mit Relativismus nichts zu tun, sondern das hat etwas damit zu tun, dass die Sichtweise, die Kommunikation, die Voraussetzung dafür ist, dass wir überhaupt mit Risiko umgehen in der Gesellschaft.


 
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