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Der Zettelkasten von N. Luhmann ist sagenumwoben und x-fach spekulativ dokumentiert.
Seit einiger Zeit ist er im Internet als Nachlass aufgearbeitet zugänglich:

  • NiklasLuhmann-Archiv

    Die handgestrickte Kompliziertheit wird im Inhaltsverzeichnis der Editoren beschrieben:
    "Niklas Luhmann selbst hat keine detaillierte Inhaltsübersicht über die Sammlung angelegt. Die vom NL-Archiv erstellte Übersicht orientiert sich an der von Luhmann vorgegebenen Struktur der Sammlung mit ihren 108 thematischen Abteilungen (sowie den vier Registerabteilungen) und nimmt innerhalb der einzelnen thematischen Abteilungen auf Basis Luhmannscher Schwerpunktsetzungen auf den jeweiligen Zetteln eine weitere Untergliederung vor. Die Übersicht führt solche Abteilungen bzw. Zettelfolgen auf, die eine kritische Zahl von Zetteln (in der Regel mehr als 10) zu dem im jeweiligen Gliederungspunkt genannten Thema umfassen oder aber ein wichtiges Thema behandeln. Die oberste Abteilungsebene wird unabhängig von der Zahl der Zettel (die pro Gliederungspunkt in Klammern genannt wird) immer aufgeführt. Die vom NL-Archiv vorgenommene Hierarchisierung verschiedener Ebenen basiert auf einer editorischen Entscheidung, reproduziert also nicht eine inhaltliche bzw. strukturelle Luhmannsche Vorgabe, da die Sammlung selbst heterarchisch angelegt ist. (Diesem Tatbestand wird in der Edition durch eine von der Gliederungstruktur u.U. abweichende Verknüpfung von Zetteln zu Zettelsträngen Rechnung getragen. Eine anklickbare Übersicht über die Zettelstränge und deren Einstiegspunkte findet sich hier.) Deshalb bildet auch die Nummernstruktur keine hierarchische Gliederungsstruktur ab. Die abteilungsinternen Übersichten erheben keine (thematischen oder numerischen) Vollständigkeitsansprüche."


     

    Wer auch altmodisch denkt, weil er das Internet nicht so recht mag, kann sich im Internet ein Zettelkastenprogramm von Daniel Luedecke herunterladen. Es gibt aber im Internet - von der konventionellen Homepage, die Sie gerade hier vor sich haben - auch Wikis und Blogs, die durch Verlinkung als Zettelkasten taugen. Ein ausdifferenziertes System betreibt B. Döbeli Honegger als Biblionetz


     
    Ein Beispiel der Zettel:
    " Zettel 3/8: Der Zettelkasten als kybernetisches System – Kombination von Unordnung und Ordnung, von Klumpenbildung und unvorhersbarer, im ad hoc Zugriff realisierter Kombination. Vorbedingung: Verzicht auf festgelegte Ordnung. Die vorgeschaltete Differenzierung: Suchhilfen vs. Inhalt; Register, Fragestellungen, Einfälle vs. Vorhandenes überformt und macht z.T. entbehrlich, das, was an innerer Ordnung vorausgesetzt werden muss."
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    (Bild Niklas Luhmann-Archiv, Universität Bielefeld)

     

    Textstellen

    "Zur technischen Ausstattung des Zettelkastens gehören hölzerne Kästen mit nach vorne ausziehbaren Fächern und Zettel im Oktav-Format. Diese Zettel sollten nur einseitig beschrieben werden, damit man beim Suchen von vorne lesen kann'' (Niklas Luhmann) aus: http://infosoc.uni-koeln.de/synapsen/MnemoNet/MnemoNet.html

    "Jede Notiz ist nur ein Element, das seine Qualität erst aus dem Netz der Verweisungen und Rückverweisungen im System erhält.'' (Luhmann(1993: 58). Am Ende eines jeden Eintrags befinden sich Stichworte, die als Hyperlinks auf verwandte Einträge verweisen. Das Eingabeprogramm Synapsen generiert diese Liste automatisch, indem es neu eingegebene Stichworte mit allen bereits bekannten vergleicht. Zwei Einträge, die unter demselben Stichwort erscheinen, verknüpft Synapsen beidseitig mit Hyperlinks, infolgedessen ein Faden für einen späteren Leseweg auf Aufnahme wartet.

    Erweist sich dem Lesegedächtnis ein Stichwort als unbekannt, schreibt sich der neue Begriff mit Referenz auf den aktuellen Eintrag in den Speicher und das Stichwortverzeichnis ein. Jeder nachfolgende Eintrag mit demselben Stichwort greift auf den Referenzeintrag zurück, indem die beidseitige Vernetzung erfolgt. ,,Als Ergebnis längerer Arbeit mit dieser Technik entsteht eine Art Zweitgedächtnis, ein Alter ego, mit dem man laufend kommunizieren kann'' (Luhmann, 1993:57).

    Die Verweisliste eines jeden Eintrags dient als Ausgangspunkt zu einer enzyklopädischen Lesereise durch den eigenen Textspeicher, der damit anschlußfähige Gedanken in verwandten Texten auf den Weg bringt. Thematisch gebündelt liefert die Liste einen assoziativen Index, der Argumentationslinien konstruiert, indem er an vom Leser mitunter vergessene Texte per Hyperlink erinnert.

    Literatur

    Luhmann, Niklas, 1993. Kommunikation mit Zettelkästen. Ein Erfahrungsbericht. In: Kieserling, André (Hrsg.), Universität als Milieu, Seiten 53-61. Haux, Bielefeld.


    Krajewski, Markus: ZettelWirtschaft
    Carsten Zorn: Der Zettelkasten der Gesellschaft (Volltext)
    [nzz]
    [ Luhmanns Denkmaschine endlich im Netz ]
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