MMK 2019 AG2 Bericht: Unterschied zwischen den Versionen

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== Berichte und Ergebnisse der [[MMK 2019 AG 2| AG2]]==
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=== Kybernetik als eine Möglichkeit, Systeme zu beschreiben ===
  
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Obwohl in den 50er und 60er Jahren Kybernetik in der wissenschaftlichen (politischen) Diskussion eine große Rolle spielte, scheint diese Form des Zugangs zur Systembeschreibung komplett verschwunden zu sein. Die AG  hat interessiert, welche Vorteile der Versuch hat, für verschiedene Disziplinen und Lebenszusammenhänge eine Art der gemeinsamen Sprachmöglichkeit zu finden und welche Gelegenheiten bestehen, kybernetische Ansätze aus der Beschränkung auf rein technische Betrachtungsweisen herauszulösen.
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Aus unserer Sicht sind technisch-produktionsorientierte Anteile der Kybernetik in die Informatik und die eher theorieorientierten Anteile in philosophische Ansätze wie den Konstruktivismus gewandert. Möglicherweise könnte kybernetisches Denken als grundlegende Kulturtechnik in pädagogischer Form in den Schulen verschiedene Fächer unterstützen bzw. sogar ersetzen. Ein Vorteil dieses Ansatzes wäre, dass analog zum Lesen- und Schreiben-Lernen eine Weise gefunden würde, nicht nur mit und über Systeme zu lernen, sondern auch solche zu konstruieren.
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Die Problematik, sich solchen Zugangsweisen zu widmen, scheint u. a. darin zu liegen, dass Personen sich selten mit der Modellierung der sie betreffenden Systeme beschäftigen wollen. Denn die Arbeit, die dadurch geleistet wird, macht sich weder direkt bemerkbar, noch können bei der Re-Konstruktion tatsächlich bestehender oder geplanter Systeme organisatorische oder inhaltliche Mängel versteckt werden.
  
 
== Erfahrungsberichte der Teilnehmenden ==
 
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=== Rolf Todesco ===
 
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Zuerst: meine MMK-Erfahrung schlechthin. Wenn ich mich mit ein paar Menschen zu einem Dialog zusammensetze, erkenne ich wie verschieden wir sprechen. Ich will dafür keine Erklärungen suchen sondern beobachten, wie wir damit umgehen. Unser Thema schien mir - wie meistens  - recht zufällig und bereits die Moderationspapiere zeigten sehr verschiedenen Perspektiven, die durch die Positionspapiere nochmals sehr erweitert wurden. Von einem gemeinsamen Thema konnten wir also nicht ausgehen, obwohl die AG einen Titel hatte. Das erlebe ich an jeder MMK genau so.
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Dann: Eine gemeinsame begriffliche Bestimmung zur Kybernetik war uns nicht möglich, alle Versuche scheiterten an Verhaftungen in vermeintlichen Anwendungen. Wir haben ziemlich lange über die thermostatengeregelte Heizung gesprochen, aber daraus folgte jeweils nichts für Gegenstände, die uns mehr interesierten: Le(h)r(n)maschine, Scrub-Verfahren, Softwareorganisation, Theorie des Erklärens.
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Schliesslich: Was wir mit Pädagogik bezeichnen, haben wir stillschweigend vorausgesetzt,und einfach über Schulkinder und Schule gesprochen, wobei uns bewusst war, wie wenig wir darüber wissen. Ein vorläufiges Resultat sehe ich darin, dass wir - wenigstens vordergründig gemeinsam - mein(t)en, dass das Modellieren als Kulturtätigkeit in der Schule nicht nur nicht gepflegt, sondern sogar verdrängt wird.
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Ich werde zunächst ein paar Aspekte unserer Kybernetik-Diskussion erläutern und nachher auf unsere pädagogischen Perspektiven eingehen:
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<b>Kybernetik</b>
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Anhand unserer pädagogischen Überlegungen erkannte ich (quasi rückwirkend), dass wir mit Kybernetik vor allem eine Art Modellieren "gemeint" haben. In der Diskussion war oft von Regelkreisschemata die Rede, oder differenzierter von Schemta und von Regelkreisen. Ein grosses Problem hatten wir mit der Unterscheidung Modell und Modellabbildung. Gunter beharrte - bis hin in seine nicht abgesprochene Präsentation unserer AG-Resultate - darauf, dass Kybernetik ein Darstellungsschema sei, dass er überdies leicht durch andere Darstellungen ersetzen könne. In der Präsentation der Resultate bewirkte das Reaktionen wie, Kybernetik sei auch nur eine Sprache. Diesbezüglich sind unsere Ansichten aber meilenweit auseinandergegangen. Für mich ist Kybernetik Technik, also etwas völlig anderes als Sprache oder Schemata.
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Hintergrund solcher Interpretationsvariationen scheint mir, dass in der Technik generell, aber in der Informatik ganz speziell jenseits begrifflicher Kategorien gesprochen wird, weil ja immer ein Referenzobjekt, also ein konkrete Maschine entscheidet, was wie zu verstehen ist. Auch bekannte Kybernetiker bezeichnen die Kybernetik - geschwätzig - als Wissenschaft, ohne zu sagen, was sie damit als Wissenschaft bezeichnen. Sie würden wohl in diesem begriffslosen Sinn auch Technik, Informatik und Mathematik als Wissenschaft von irgendetwas bezeichnen.
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Eine unserer Ausgangsthesen war, dass Kybernetik als Fachbezeichnung weitgehend verschwunden ist, einerseits weil sie so allgemein verwendet wurde, dass ihr spezifischer Charakter verloren ging und andrerseits, weil die technischen Aspekte durch das Wort Informatik - eine ebenso beliebige Wortschöpfung wie Kybernetik - bezeichnet wurde. Informatik und Kybernetik wurden historisch als mathematische Disziplinen begriffen, sie sind aber ihrem Wesen nach Engineering, also herstellende, gestaltende Disziplinen, was mit Mathematik rein gar nichts zu tun hat - ausser dass natürlich wie überall auch etwas gerechnet wird.
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Dass wir überhaupt noch über Kybernetik nachdenken, beruht darauf, dass die Mode des Radikalen Konstruktivismus durch die Bezeichnung Kybernetik 2. Ordnung das Wort und bestimmte Aspekte der Lehre wieder populär gemacht haben. Wir sind darauf nicht näher eingegangen.
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Wir haben aber über quasi verwandte Gebiete kurz gesprochen: Systemdynamics (Club of Rome) und systemisches Denken. Beides sind Inversionen der Kybernetik, auf die wir auch näher eingegangen sind, die aber unter Pädagogik nochmals kurz ins Gespräch kamen.
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Ein wenig Konsens  - schien mir (!)- hatten wir darin, dass die Kybernetik Mechanismen mit Rückkoppelungen konstruiert oder RE-konstruiert. Es ist uns meines Erachtens nicht gelungen, uns auch über Rückkoppelung einig zuwerden, dagegen haben wie anhand der Ablaufschemata, die die Programmierung beherschen, den Unterschied zwischen linearen Prozessen mit einem Ziel und kybernetischen Prozessen, die kreisförmig sind, unterschieden. [Einschub von mir für mich: H. Arendt verwendet diese Unterscheidung für Kultur (Herstellen) und Natur (Arbeiten)].
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Das Herstellen und das Herstellen von Modellen bestimmt die Vorstellung des toolmaling animals, also des gestaltenden Menschen. Damit haben wir die Kybernetik zugunsten der Pädagogik quasi abgeschlossen.
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<b>Pädagogik</b>
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Ausgangspunkt der Überlegungen war die Hypothese, wonach alle Schulfächer durch Kybernetik ersetzt werden könnten/sollten, weil so das Herstellen und Modellieren der Welt als ganzheitliches Bildungsziel gesetzt würde, welchem sich alle spezielle Fähigkeiten unterstellen.
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In der aktuell herrschenden Schule, die Menschen in die herrschende arbeitsteilige Gesellschaft eingliedert, werden fratalisierte Fächer gemäss einem Lehrplan unterrichtet. Nur wenige Menschen können als Erwachsene sagen, was an brauchbaren Fähigkeiten sie in ihrer ganzen Schulzeit gelernt haben. Oft wird schreiben genannt, aber in jüngerer Zeit  - etwa seit Kybernetik verschwunden ist - können sehr viele Kinder beim Schuleintritt bereits schreiben. In der Schule soll dann das Lernen gelernt werden, oder das sich Anpassen. Die von Kindern mitgebrachte Freude am spielerischen Konstruieren wird nicht gepflegt, sondern durch Büffeln von fertigem Formelwissen verdrängt.
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Wir haben darüber gewerweist, was auf welcher Altersstufe wie unterrichtet werden könnte, wozu uns aber jede Erfahrung fehlte. Nur eines war uns klar, Differentialrechnung und Latein, deutsche Grammatik und Physik braucht praktisch kein Mensch. Solche Inhalte dienen der gezielten Selektion. Die Schule hat ganz am Rande nichtzählende Fächer wie Zeichnen, Handwerken, Kochen, deren Gestaltungspotential aber durch deren Bedeutungslosigkeit in der Schule aufgehoben wird.
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Neuerdings gibt es Ansätze wie etwa MINT, in welchen Technik neben den herkömmlichen Fraktalfächer im Lehrplan wenigstens erwähnt wird. In der Schulpraxis ist dann aber meistens vom Informatikkompetenz die Rede, die darin besteht die Programme von B. Gates auf einen Handy nutzen zu können. Als Höhepunkt im Technikunterricht sehen wir Lego Mindstorms. Anhand solcher Spielzeuge, die bereits auf Volksschulstufe benutzt werden können, kann/könnte Kybernetik veranschaulicht werden.
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Zu Systemdynamics und systemischem Denken gibt es in der Managementausbildung sehr vereinfachte Ansätze. Ein typisches Spiel unter vielen Varianten dazu ist Ecopolicy von F. Vester und Gedankenspiele von D. Dörner. In diesen Fällen wird mit Modellen gespielt, es werden keine Modelle entwickelt.
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<b>Resultat und Ausblick</b>
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Kybernetik und die damit verbundene Modellierung haben bisher in der allgemeinen Schulbildung vollständig gefehlt. Es gibt deshalb nicht nur keine entsprechend entwickelte Kompetenzen, sondern auch kein Bewusstsein für den Sinn des Modellierens. Die Lehrpersonen müssten zuerst selbst lernen, bevor sie unterrichten könnten, was schlecht organisierbar scheint. Kybernetik würder den Bildungskanon revolutionär umkrempeln und damit auch neue Perspektiven auf die Gesellschaft und deren Gestaltungsräume mit sich bringen.
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Anlässlich der Präsentation der Arbeitsgruppenresultate im Plenum entwickelte sich die Idee, in einer weiteren AG an der nächsten MMK sich mit dem Lernen des Modellierens nochmals eingehender zu befassen. In der AG [[MMK 2020 AG1|Lernen mit Baukästen]] sollen die Fragen des Lernens anhand konstruierender Tätigkeiten vertieft werden.

Aktuelle Version vom 22. November 2019, 15:09 Uhr

MMK Home - Die Tagung - Programm - Arbeitsgruppen - Rahmenprogramm - Schlussbericht - Ausblick MMK_2020


Berichte und Ergebnisse der AG2

Pressemitteilung zuhanden das IATs

Kybernetik als eine Möglichkeit, Systeme zu beschreiben

Obwohl in den 50er und 60er Jahren Kybernetik in der wissenschaftlichen (politischen) Diskussion eine große Rolle spielte, scheint diese Form des Zugangs zur Systembeschreibung komplett verschwunden zu sein. Die AG hat interessiert, welche Vorteile der Versuch hat, für verschiedene Disziplinen und Lebenszusammenhänge eine Art der gemeinsamen Sprachmöglichkeit zu finden und welche Gelegenheiten bestehen, kybernetische Ansätze aus der Beschränkung auf rein technische Betrachtungsweisen herauszulösen.

Aus unserer Sicht sind technisch-produktionsorientierte Anteile der Kybernetik in die Informatik und die eher theorieorientierten Anteile in philosophische Ansätze wie den Konstruktivismus gewandert. Möglicherweise könnte kybernetisches Denken als grundlegende Kulturtechnik in pädagogischer Form in den Schulen verschiedene Fächer unterstützen bzw. sogar ersetzen. Ein Vorteil dieses Ansatzes wäre, dass analog zum Lesen- und Schreiben-Lernen eine Weise gefunden würde, nicht nur mit und über Systeme zu lernen, sondern auch solche zu konstruieren.

Die Problematik, sich solchen Zugangsweisen zu widmen, scheint u. a. darin zu liegen, dass Personen sich selten mit der Modellierung der sie betreffenden Systeme beschäftigen wollen. Denn die Arbeit, die dadurch geleistet wird, macht sich weder direkt bemerkbar, noch können bei der Re-Konstruktion tatsächlich bestehender oder geplanter Systeme organisatorische oder inhaltliche Mängel versteckt werden.

Erfahrungsberichte der Teilnehmenden

Rolf Todesco

Zuerst: meine MMK-Erfahrung schlechthin. Wenn ich mich mit ein paar Menschen zu einem Dialog zusammensetze, erkenne ich wie verschieden wir sprechen. Ich will dafür keine Erklärungen suchen sondern beobachten, wie wir damit umgehen. Unser Thema schien mir - wie meistens - recht zufällig und bereits die Moderationspapiere zeigten sehr verschiedenen Perspektiven, die durch die Positionspapiere nochmals sehr erweitert wurden. Von einem gemeinsamen Thema konnten wir also nicht ausgehen, obwohl die AG einen Titel hatte. Das erlebe ich an jeder MMK genau so.

Dann: Eine gemeinsame begriffliche Bestimmung zur Kybernetik war uns nicht möglich, alle Versuche scheiterten an Verhaftungen in vermeintlichen Anwendungen. Wir haben ziemlich lange über die thermostatengeregelte Heizung gesprochen, aber daraus folgte jeweils nichts für Gegenstände, die uns mehr interesierten: Le(h)r(n)maschine, Scrub-Verfahren, Softwareorganisation, Theorie des Erklärens.

Schliesslich: Was wir mit Pädagogik bezeichnen, haben wir stillschweigend vorausgesetzt,und einfach über Schulkinder und Schule gesprochen, wobei uns bewusst war, wie wenig wir darüber wissen. Ein vorläufiges Resultat sehe ich darin, dass wir - wenigstens vordergründig gemeinsam - mein(t)en, dass das Modellieren als Kulturtätigkeit in der Schule nicht nur nicht gepflegt, sondern sogar verdrängt wird.

Ich werde zunächst ein paar Aspekte unserer Kybernetik-Diskussion erläutern und nachher auf unsere pädagogischen Perspektiven eingehen:

Kybernetik

Anhand unserer pädagogischen Überlegungen erkannte ich (quasi rückwirkend), dass wir mit Kybernetik vor allem eine Art Modellieren "gemeint" haben. In der Diskussion war oft von Regelkreisschemata die Rede, oder differenzierter von Schemta und von Regelkreisen. Ein grosses Problem hatten wir mit der Unterscheidung Modell und Modellabbildung. Gunter beharrte - bis hin in seine nicht abgesprochene Präsentation unserer AG-Resultate - darauf, dass Kybernetik ein Darstellungsschema sei, dass er überdies leicht durch andere Darstellungen ersetzen könne. In der Präsentation der Resultate bewirkte das Reaktionen wie, Kybernetik sei auch nur eine Sprache. Diesbezüglich sind unsere Ansichten aber meilenweit auseinandergegangen. Für mich ist Kybernetik Technik, also etwas völlig anderes als Sprache oder Schemata.

Hintergrund solcher Interpretationsvariationen scheint mir, dass in der Technik generell, aber in der Informatik ganz speziell jenseits begrifflicher Kategorien gesprochen wird, weil ja immer ein Referenzobjekt, also ein konkrete Maschine entscheidet, was wie zu verstehen ist. Auch bekannte Kybernetiker bezeichnen die Kybernetik - geschwätzig - als Wissenschaft, ohne zu sagen, was sie damit als Wissenschaft bezeichnen. Sie würden wohl in diesem begriffslosen Sinn auch Technik, Informatik und Mathematik als Wissenschaft von irgendetwas bezeichnen.

Eine unserer Ausgangsthesen war, dass Kybernetik als Fachbezeichnung weitgehend verschwunden ist, einerseits weil sie so allgemein verwendet wurde, dass ihr spezifischer Charakter verloren ging und andrerseits, weil die technischen Aspekte durch das Wort Informatik - eine ebenso beliebige Wortschöpfung wie Kybernetik - bezeichnet wurde. Informatik und Kybernetik wurden historisch als mathematische Disziplinen begriffen, sie sind aber ihrem Wesen nach Engineering, also herstellende, gestaltende Disziplinen, was mit Mathematik rein gar nichts zu tun hat - ausser dass natürlich wie überall auch etwas gerechnet wird. Dass wir überhaupt noch über Kybernetik nachdenken, beruht darauf, dass die Mode des Radikalen Konstruktivismus durch die Bezeichnung Kybernetik 2. Ordnung das Wort und bestimmte Aspekte der Lehre wieder populär gemacht haben. Wir sind darauf nicht näher eingegangen.

Wir haben aber über quasi verwandte Gebiete kurz gesprochen: Systemdynamics (Club of Rome) und systemisches Denken. Beides sind Inversionen der Kybernetik, auf die wir auch näher eingegangen sind, die aber unter Pädagogik nochmals kurz ins Gespräch kamen.

Ein wenig Konsens - schien mir (!)- hatten wir darin, dass die Kybernetik Mechanismen mit Rückkoppelungen konstruiert oder RE-konstruiert. Es ist uns meines Erachtens nicht gelungen, uns auch über Rückkoppelung einig zuwerden, dagegen haben wie anhand der Ablaufschemata, die die Programmierung beherschen, den Unterschied zwischen linearen Prozessen mit einem Ziel und kybernetischen Prozessen, die kreisförmig sind, unterschieden. [Einschub von mir für mich: H. Arendt verwendet diese Unterscheidung für Kultur (Herstellen) und Natur (Arbeiten)].

Das Herstellen und das Herstellen von Modellen bestimmt die Vorstellung des toolmaling animals, also des gestaltenden Menschen. Damit haben wir die Kybernetik zugunsten der Pädagogik quasi abgeschlossen.

Pädagogik

Ausgangspunkt der Überlegungen war die Hypothese, wonach alle Schulfächer durch Kybernetik ersetzt werden könnten/sollten, weil so das Herstellen und Modellieren der Welt als ganzheitliches Bildungsziel gesetzt würde, welchem sich alle spezielle Fähigkeiten unterstellen.

In der aktuell herrschenden Schule, die Menschen in die herrschende arbeitsteilige Gesellschaft eingliedert, werden fratalisierte Fächer gemäss einem Lehrplan unterrichtet. Nur wenige Menschen können als Erwachsene sagen, was an brauchbaren Fähigkeiten sie in ihrer ganzen Schulzeit gelernt haben. Oft wird schreiben genannt, aber in jüngerer Zeit - etwa seit Kybernetik verschwunden ist - können sehr viele Kinder beim Schuleintritt bereits schreiben. In der Schule soll dann das Lernen gelernt werden, oder das sich Anpassen. Die von Kindern mitgebrachte Freude am spielerischen Konstruieren wird nicht gepflegt, sondern durch Büffeln von fertigem Formelwissen verdrängt.

Wir haben darüber gewerweist, was auf welcher Altersstufe wie unterrichtet werden könnte, wozu uns aber jede Erfahrung fehlte. Nur eines war uns klar, Differentialrechnung und Latein, deutsche Grammatik und Physik braucht praktisch kein Mensch. Solche Inhalte dienen der gezielten Selektion. Die Schule hat ganz am Rande nichtzählende Fächer wie Zeichnen, Handwerken, Kochen, deren Gestaltungspotential aber durch deren Bedeutungslosigkeit in der Schule aufgehoben wird.

Neuerdings gibt es Ansätze wie etwa MINT, in welchen Technik neben den herkömmlichen Fraktalfächer im Lehrplan wenigstens erwähnt wird. In der Schulpraxis ist dann aber meistens vom Informatikkompetenz die Rede, die darin besteht die Programme von B. Gates auf einen Handy nutzen zu können. Als Höhepunkt im Technikunterricht sehen wir Lego Mindstorms. Anhand solcher Spielzeuge, die bereits auf Volksschulstufe benutzt werden können, kann/könnte Kybernetik veranschaulicht werden.

Zu Systemdynamics und systemischem Denken gibt es in der Managementausbildung sehr vereinfachte Ansätze. Ein typisches Spiel unter vielen Varianten dazu ist Ecopolicy von F. Vester und Gedankenspiele von D. Dörner. In diesen Fällen wird mit Modellen gespielt, es werden keine Modelle entwickelt.

Resultat und Ausblick

Kybernetik und die damit verbundene Modellierung haben bisher in der allgemeinen Schulbildung vollständig gefehlt. Es gibt deshalb nicht nur keine entsprechend entwickelte Kompetenzen, sondern auch kein Bewusstsein für den Sinn des Modellierens. Die Lehrpersonen müssten zuerst selbst lernen, bevor sie unterrichten könnten, was schlecht organisierbar scheint. Kybernetik würder den Bildungskanon revolutionär umkrempeln und damit auch neue Perspektiven auf die Gesellschaft und deren Gestaltungsräume mit sich bringen.

Anlässlich der Präsentation der Arbeitsgruppenresultate im Plenum entwickelte sich die Idee, in einer weiteren AG an der nächsten MMK sich mit dem Lernen des Modellierens nochmals eingehender zu befassen. In der AG Lernen mit Baukästen sollen die Fragen des Lernens anhand konstruierender Tätigkeiten vertieft werden.