AG1 MMK 2011

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Design-Hyper-Hi(y)story

Die Darstellung von Verständniszuständen eines Sachverhaltes, sowie das damit einhergehende Merken und Wiederfinden von Inhalten und deren Zusammenhängen, beschäftigt seit jeher „Wissensarbeiter“. Die vielleicht utopische Vorstellung oder vielmehr der utopische Wunsch nichts mehr zu vergessen, weil ein Computer-System einem als Benutzer diese Arbeit abnimmt, ist Ausgangspunkt für diese Arbeitsgruppe.

Neben einer Betrachtung und Diskussion von Erfahrungen aus dem Alltagsleben mit Computern wollen wir uns der Frage widmen: Was erwarte ich als Benutzer von einem solchen (utopischen) System?

Ein schönes Zitat aus dem Jahre 1945 von Dr. Vannevar Bush, welches wohl immernoch Gültigkeit besitzt, kann uns als Ausgangspunkt dienen:

"There is a growing mountain of research. But there is increased evidence that we are being bogged down today as specialization extends. The investigator is staggered by the findings and conclusions of thousands of other workers—conclusions which he cannot find time to grasp, much less to remember, as they appear. (...) The difficulty seems to be, not so much that we publish unduly in view of the extent and variety of present day interests, but rather that publication has been extended far beyond our present ability to make real use of the record. (...) A record if it is to be useful to science, must be continuously extended, it must be stored, and above all it must be consulted."


Kick-Off Thesen

(Anstoß zum Weiterdenken von Peter)

(1) Das viele und weiter anschwellende explizite Wissen, das in Datenbanken und Hypertexten niedergelegt oder auch in technischen Artefakten vergegenständlicht ist, ist für sich genommen zunächst einmal nutz- und wirkungslos. Erst wenn es durch menschliche Handlungskompetenz (oder Arbeitsvermögen) als handlungsrelevant erkannt, angeeignet und in einem Handlungskontext situationsgerecht angewendet wird, kann es praktisch wirksam werden.

(2) Darin ist die Unterscheidung zwischen impliziten Können (= Handlungskompetenz) und explizitem (= propostizionalem oder kodifiziertem) Wissen enthalten. Damit lassen sich nun deren innerer Zusammenhang und Entwicklungsdynamik beschreiben: Eine sich auf bestimmtem Stand des Könnens vollziehende Praxis kann durch Fremd- oder Selbstbeobachtung mittels Begriffsbildung in – freilich stets beschränktes – explizites Wissen über diese Praxis verwandelt werden. Durch Aneignung neuen expliziten Wissens für praktisches Handeln erweitert sich dann das Können.

(3) Dieser Dialektik von Explikation sozialer Praxis als Wissen und dessen Aneignung als erweitertes Können zufolge ist mit wachsendem Wissen stets auch erhöhtes Können gefordert, um praktisch überhaupt wirksam zu werden.

(4) Wissen wächst wie ein Baum durch Differenzierung und Spezialisierung, mithin durch Verzweigung. Die Lösung realer Probleme sozialer Praxis verlangt aber meist, das Wissen aus vielen Verästelungen wieder zusammenzuführen und aufeinander zu beziehen. Dazu ist die gegenstandsbezogene Kooperation und Kommunikation vieler Experten nötig, eine Integrationsleistung, die wiederum besondere Handlungskompetenz erfordert.

(5) Können erweist sich damit als der eigentliche limitierende Faktor der Produktivkraftentwicklung.

(Weiterführende Texte als PDF)


Thesenpapiere

Rolf Todesco: Hyperkommunikation

Kurzfassung (Abstract/Teaser :-)

(wie üblich, noch etwas unschlüssig, welche AG) weiter lesen und kommentieren


Verständnisfrage(n)

Ich verstehe nicht, wie die Beiträge von Peter zu deuten sind. Gibt das ein anderes Thema oder wie ist der Zusammenhang zu Teil von Marius zu sehen? Ich dachte, es ging um das GestaltungsKÖNNEN, das Hypertext von uns verlangt. --Rolf Todesco 16:17, 28. Jul. 2011 (UTC)


Werner Beuschel Meine erkenntnisleitende Fragestellung: Wie kann Wissenserwerb durch Hypertext unterstützt werden? Thesen (1 bis 3 gehen auf Peters Thesen zurück): (1) "Wissen", im Gegensatz zu "Information", wird relevant und wirksam nur im Handlungskontext. (2) Es macht Sinn, zwischen explizitem Wissen und implizitem Wissen (Handlungskompetenz) zu unterscheiden. (3) Durch Praxis werden die Wissensformen in veränderte,neue Wissensformen überführt. (4) Praxis kann individuell oder in sozialer Gemeinschaft erfolgen. (5) Soziale Praxis vereint verschiedene Ebenen von Kompetenzen (sachbezogen, kommunikationsbezogen). (6) Wissen wächst unsystematisch durch Verzweigung, Differenzierung und Ausblendung (Vergessen, Überlagerung) (7) Hypertext wächst systematisch durch Verzweigung, Differenzierung. (8) Können beinhaltet die Integration und Anpassung von Hypertextelementen in den situativen Handlungskontext. (9) Praxis erfordert gestaltende Funktionalität für Hypertext - oder ausführlicher gesagt: Die Integration von Hypertext in erneuerte Handlungskontexte (=Wissenserwerb/knowledge acqusition) erfordert Gestaltungsmöglichkeiten im System. (10) "Cut and paste" ist eine notwendige Gestaltungsform; "Space and place" eine andere. (11) Es ist schön, aber sekundär, wenn die Gestaltungsformen in einem System "nutzerfreundlich" sind.