aus Filmbesprechung: A beautiful mind. Neue Zürcher Zeitung, Ressort Film, 1. März 2002, Nr.50, Seite 63).
Mit seiner Dreiteilung in Aufstieg, Fall und Rückfindung ist das Leben von John Forbes Nash Jr., der 1928 in Bluefield, West Virginia, geboren wurde, geradezu prädestiniert für eine Hollywood-Biographie. Auf dem College wurde Nashs aussergewöhnliche mathematische Begabung ersichtlich, und 1949 legte der äusserst ehrgeizige Princeton-Student ein Paper vor, das er zur Doktorarbeit ausbaute: Mit seiner Bestimmung des «Nash Equilibrium» revolutionierte er die Spieltheorie. Parallel zu seiner akademischen Laufbahn arbeitete er zunächst für den geheimen Think-Tank «Rand», der sich mit nuklearen Kriegsspielen und Kryptographie beschäftigte. 1952 folgte eine Professur am Massachusetts Institute of Technology, wo Nash Alicia Larde, eine seiner Studentinnen, kennen lernte; sie heirateten. Im Verlaufe des Jahrzehnts legte Nash zahlreiche unorthodoxe Arbeiten vor, die Neuland erschlossen.
Der Wahn greift um sich Dann, Anfang 1959, der Sturz in die Schizophrenie - ausgelöst vielleicht durch seine verdrängte Homosexualität angesichts der ersten Schwangerschaft seiner Frau. Grössenwahnsinnige Ideen - etwa: Kaiser der Antarktis zu sein - und Verfolgungswahn führten zu Klinikeinweisungen. In den siebziger und achtziger Jahren lungerte er auf dem Campus von Princeton herum, führte Selbstgespräche, kritzelte teils brillante, teils irrwitzige Formeln auf Wandtafeln und wurde bekannt als «Phantom of Fine Hall». - Schliesslich das Wunder. Um 1990 bemerkten Nashs wenige verbliebene Freunde eine scheinbar spontane Besserung seines Zustands: Er schien wieder ernsthafte Mathematik zu betreiben. Sein Beitrag zur Spieltheorie hatte mittlerweile viele Anwendungen gefunden, und 1994 erhielt er den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften - eine späte Rehabilitation, auf die ein Artikel in der «New York Times», Sylvia Nasars akribisch recherchierte Biographie «A Beautiful Mind» (1998) sowie jetzt Ron Howards gleichnamiger Film folgten.
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