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Literatur

Masao Kawai: On the Newly-Acquired Behavior of the Natural Troop of Japanese Monkeys on Koshima Island. In: Primates 4, 1963, S. 113-115 Syunzo Kawamura: Subcultural Propagation Among Japanese Macaques. In: Charles A. Southwick (Hrsg.): Primate Social Behavior. Van Nostrand, Toronto 1963
Masao Kawai: On the Newly-Acquired Pre-Cultural Behavior of the Natural Troop of Japanese Monkeys on Koshima Islet. In: Primates 6, 1965, S. 1-30 Atsuo Tsumori: Newly Acquired Behavior and Social Interactions of Japanese Monkeys. In: Stuart Altman (Hrsg.): Social Communication Among Primates. University of Chicago Press, Chicago 1967
Masao Kawai et al.: Long-term Studies of the Old World Monkeys Pre-cultural Behaviors Observed in Free-ranking Japanese Monkeys on Koshima Islet over the Past 25 Years. In: Primate Report 32, 1991, S. 143-155

               

Zur Person

   

Im Herbst 1953 gelang dem japanischen Affenforscher Dr. Masao Kawai bei den Japanmakaken (Macaca fuscata) der kleinen Insel Koshima das Entstehen neuer Verhaltensweisen und der Verbreitung von Erfindungen unter Affen zu beobachten. Eines Tages tauchte ein junges Weibchen, das der Forscher Imo genannt hatte, eine mit Sand bedeckte Süßkartoffel (Batate) – wohl zunächst zufällig – ins Wasser eines Baches und wusch den Sand mit den Händen ab. Mit diesem eigentlich unauffälligen Verhalten leitete Imo die Affenkultur ein.

Kurzer Zeit später begannen ihre Artgenossen dieses Verhalten nachzuahmen. Fünf Jahre nachdem die Erfindung gemacht worden war, wuschen 80% der Jungtiere der Gruppe die Süßkartoffeln bevor sie diese aßen, von den älteren Tieren hatten nur lediglich 18% die neue Technik übernommen. Es waren ausschließlich ältere Weibchen, die das Waschen der Knollenfrüchte von ihren Jungtieren übernommen hatten.

Das Waschen wurde nach und nach vom Bach ins Meer verlegt. Neu heranwachsende Jungtiere wurden von ihren Müttern beim Kartoffeln waschen ins Wasser mitgenommen und lernten somit dieses Verhalten. Aber damit nicht genug, sie begannen die Kartoffeln vor jedem Bissen erneut ins Meerwasser einzutauchen- anscheinend um diese zu salzen. Für die Jungtiere wurde dadurch das Meer, das frühere Generationen gemieden hatten, zu einem vertrauten Element. Bei heißem Wetter wurde das Planschen im Wasser für sie zu einem beliebten Zeitvertreib, der die Tiere auch noch vor Überhitzung schützte. Die nachfolgenden Generationen lernten sogar das Schwimmen und Tauchen und einige begannen Seetang aus dem Wasser zu holen und sich diesen als neue Nahrungsquelle zu erschließen, eines der Jungtiere schwamm sogar einmal zu einer benachbarten Insel. Ein neuer, großer Lebensraum wurde erschlossen.

Später legten die Wissenschaftler, die die Affen beobachteten, Weizenkörner im Sand aus und wieder war es die inzwischen vier Jahre alte Imo, die eine weitere noch bemerkenswertere Erfindung machte: Sie warf das Weizen-Sand-Gemisch ins Wasser - der Sand sank ab, aber der Weizen schwamm und konnte leicht von der Wasseroberfläche abgeschöpft werden. Auch diese Technik fand Nachahmer, aber einige Gruppenmitglieder versuchten davon zu profitieren und nahmen Weizen an sich, den andere Tiere "gewaschen" hatten. Daher waschen die Makaken heute den Weizen in der geschlossenen Hand oder in kleinen Wasserlöchern, von denen sie ihre diebischen Artgenossen fernhalten können.

Was die japanischen Forscher auf Koshima beobachtet haben, ist die Entstehung einer neuen Kultur, die allmählich zur Tradition innerhalb der Gruppe wird.

Überraschend war eine weitere Beobachtung: Im Laufe der Zeit fingen immer mehr Makaken an, auf zwei Beinen zu laufen. Dieses Verhalten stand offensichtlich in einem engen Zusammenhang mit der geschilderten neuen Affenkultur. Die Tiere liefen oft fast dreißig Meter weit aufrecht und trugen dabei Bataten oder Weizen in den Händen. Diese Beobachtung ist deswegen so interessant, weil ja auch in der menschlichen Stammesgeschichte enge Verknüpfungen zwischen der Entwicklung der Kultur und der Aufrichtung des Körpers zum zweibeinigen Gehen bestanden haben müssen.

 

Quelle:
Affenkultur. Von Dr. med vet. Corina Gericke, http://www.versuchstier-des-jahres.de/2004/kultur.htm

Anmerkung von

Zitate