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Literatur

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Technische Sprache
Die Frage nach der Technik

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Bildquelle: Wikipedia
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Martin Heidegger (1889-1976) war ein Philosoph in der Tradition der Phänomenologie, die er in einer neuen Ontologie überwinden wollte.

M. Heidegger ist einer von ganz wenigen, die sich mit Technik befassten. Allerdings sprach er von einer gegeben - hingestellten - Technik und nicht davon, dass sie hergestellt ist. Was also der Hammer als Hammer ist, lässt sich nur in Bezug auf das Dasein begreifen, das ihn gebraucht.

Auf die Frage „Was ist Technik?“, worin besteht ihr Wesen? antwortet er: Das Wesen der Technik hat selbst nichts Technisches an sich. Die Technik müsse vielmehr aus ihrer Herkunft her gedacht werden. Ihre geschichtliche Herkunft hat sie, Heidegger zufolge, in der abendländischen Seinsgeschichte. Zwar weist seine Technikkritik viele Parallelen zu anderen Deutungen auf, welche Entfremdung, subjektive Herrschaft, Machtsteigerung und technische Rationalität thematisieren. Allerdings grenzt er sich durch seine seinsgeschichtliche Interpretation grundlegend von diesen ab, da er nicht die Eigenmacht politischer, sozialer und ökonomischer Kräfte als Hauptproblem ausmacht, sondern die Ursache sucht im Entbergen des Seins selbst. !!! Aufgrund des Erfolges technischer Errungenschaften und der Herrschaft technischer Mittel breite sich die damit einhergehende Weltauffassung über den ganzen Planeten aus und überlagere alle neben ihr bestehenden Formen des Weltverständnisses. Damit richtet sich die technische Weltauffassung immer fester in der Welt ein, befindet Heidegger, und wird so zum Gestell. H beklagt, dass alles technisch gesehen wird. Aber damit er es beklagen kann, muss er es sehen und akzeptieren. Das Problem sieht Heidegger nicht nur darin, dass moderne Technik – anders als traditionelles Werkzeug – für ihren Arbeitsprozess eine von menschlicher Arbeitskraft unabhängige Energiequelle nutzt und damit auch einen davon unabhängigen Bewegungsablauf hat, sondern vor allem der Herrschaftscharakter, der von der modernen Technik ausgehe, bereitete ihm Sorge

Diese metaphysische Weltauffassung gipfelte aus Heideggers Sicht in der modernen Technik. Mit diesem Begriff verband er nicht allein, wie sonst üblich, ein neutrales Mittel zum Erreichen von Zwecken. Vielmehr versuchte er zu zeigen, dass mit der Technik auch eine veränderte Auffassung der Welt einhergehe. So wird nach Heidegger durch die Technik die Erde vornehmlich unter dem Gesichtspunkt der Nutzbarmachung in den Blick gebracht. Wegen ihrer globalen Verbreitung und der damit verbundenen schonungslosen „Vernutzung“ natürlicher Ressourcen sah Heidegger in der Technik eine unabweisbare Gefahr.

Der Technik stellte er die Kunst gegenüber und erarbeitete ab Ende der 1930er Jahre u. a. anhand von Hölderlins Dichtungen Alternativen zu einem rein technischen Weltbezug. In späten Texten ab 1950 widmete er sich verstärkt Fragen der Sprache. Deren geschichtlich gewachsener Beziehungsreichtum soll metaphysische Einseitigkeiten vermeiden. Heidegger versuchte, den Menschen nicht mehr als Zentrum der Welt zu denken, sondern im Gesamtzusammenhang einer Welt, die er „Geviert“ nannte. Anstatt über die Erde zu herrschen, soll der Mensch in ihr als sterblicher Gast wohnen und sie schonen.

Heidegger ... Einseitigkeit ... Dominanz der Technik ... sein politisches Handeln im Sinne von H. Arendt ...

Heidegger war davon überzeugt, dass die „verstehende Aneignung“ eines denkerischen Werks sich an dessen Inhalten zu vollziehen hat

8 Technikkritik 8.1 Naturwissenschaft und Technik 8.2 Überlagerung anderer Weisen des Weltverständnisses 8.3 Technik als Gestell 8.4 Möglichkeiten eines gewandelten Verhältnisses zur Technik

===========In seinem Spätwerk kehrte sich Heidegger zwar von den Neologismen ab, lud dafür jedoch Worte aus der Alltagssprache semantisch bis zur Unverständlichkeit auf, sodass deren Bedeutung nur noch im Gesamtzusammenhang seiner Abhandlungen zu verstehen ist. Wegen seines Umgangs mit der Sprache wurde Heidegger scharf angegriffen: Am prominentesten ist dabei Theodor W. Adornos polemische Schrift Jargon der Eigentlichkeit.[43] Heidegger verwandte diesen Jargon jedoch nicht um seiner selbst willen, sondern er wollte sich damit von der philosophischen Tradition lösen, Sprache und Inhalt stünden in untrennbarem Zusammenhang. Für den Leser bedeutet dies, dass er sich zunächst das heideggersche Vokabular aneignen, ja zum Bewohner dieses Diskurses werden muss, wenn er sich anschließend gleichsam von innen mit dem heideggerschen Denken beschäftigen möchte. Dolf Sternberger kritisierte genau dies: Auf die Terminologie Heideggers kann man nur mittels heideggerscher Begriffe antworten.[44] Um Heideggers Denken nachzuvollziehen, bietet sich ein Mittelweg an: seine Sprache ernst nehmen und gleichzeitig vermeiden, bloß einen Jargon nachzusprechen. Heidegger selbst hat daher immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, seine Aussagen nicht „so [zu] verstehen wie das, was in der Zeitung steht.“[45] Seine Begriffe sollen stattdessen einen neuen Bereich aufschließen, indem sie auf immer schon Vorhandenes, aber stets Übersehenes hinweisen: Was sie formal anzeigen, soll letztlich jeder in der eigenen unmittelbaren Erfahrung finden können. „Der Bedeutungsgehalt dieser Begriffe meint und sagt nicht direkt das, worauf er sich bezieht, er gibt nur eine Anzeige, einen Hinweis darauf, dass der Verstehende von diesem Begriffszusammenhang aufgefordert ist, eine Verwandlung seiner selbst in das Dasein zu vollziehen.“[46] ===========

Zitate

"Schutz, Schütze, schützen gehört zu schießen; wie Buck, bücken zu biegen. Schießen bedeutet schieben: einen Riegel vorschieben.Das Dach schießt über die Mauer vor. Wir sagen noch auf dem Lande: die Bäuerin schießt ein; sie schiebt den geformten Teig zum Backen in den Ofen. Der Schutz ist das Vor- und Davor-Geschobene. Er wehrt dem, daß Gefahr dem bedrohten etwas anhaben, es überhaupt angehen kann. Das Geschützte ist dem Schützenden anvertraut. Unsere ältere und reichere Sprache würde sagen: verlaubt, verlobt: geliebt. Das Ungeschützte dagegen ist nicht weiter ´lieb´." (Holzwege, Frankfurt 1977, S.259)

"Wer die Identität nicht ausdrücklich in diesem höheren Sinne begreifen und gemäß diesem Begriff Sätze denken und sagen kann, bleibt befangen in der "dialektischen Unmündigkeit" [ein Ausdruck Schellings, AL]. "Dialektisch", dialegein, meint hier: das eine im Durchganz (dia) durch das andere in seiner wesenhaften Beziehung zum anderen verstehen und nicht einfach nur geradezu meinen. Ein dialektischer Satz ist z.B. die Aussage: Das eine ist das andere. Für den dialektisch Unmündigen ist dieser Satz einfach falsch und unsinnig; denn für ihn ist gerade das eine das eine und das andere das andere; das zu sagen, dafür sind doch gerade die Benennungen da. Und dennoch: Das eine i s t [kursiv] das andere, und das andere i s t das eine. Ein eines ist nur, was es ist, eines, im Unterschied zum anderen. Dieses Unterschiedensein gegen das andere und in dieser Hinsicht das andere selbst sein [!], gehören zum einen, und deshalb i s t das eine auch wesentlich das andere und umgekehrt. "Ist" meint gerade nicht leere Einerleiheit, denn das eine ist gerade nicht einerlei mit dem anderen, sondern verschieden; aber in der Verschiedenheit als Beziehung gehört es mit ihm zusammen; beide sind "identisch" im höheren, eigentlichen Sinne. Das dialektisch unmündige Denken dagegen versteift sich darauf: Das eine, das ist das eine, und das andere ist das andere. Das dialektisch unmündige Denken denkt immer nur in einer einzigen Hinsicht: Das eine, das ist eben das eine und nichts weiter." (Martin Heidegger, Schellings Abhandlung über das Wesen der menschlichen Freiheit, Niemeyer 1971, S.95)

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Reden und andere Zeugnisse eines Lebensweges, 1910-1976, Band 1


 
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