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Literatur:
Vita activa oder Vom tätigen Leben
Sokrates. Apologie der Pluralität
Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft
Über die Revolution
Die Freiheit, frei zu sein
Wahrheit und Politik
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CD: Briefe

Interview auf utub

Lesekreis (Passwort)

Zur Person

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Quelle: Wikipedia
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Hannah Arendt (1906-1975) war Autorin gesellschaftstheoretischer Werke. Sie emigrierte 1933 von Deutschland in die USA Sie wurde berühmt mit ihrem Text über die den Eichmann-Prozess (unbeholfener Schreibtischtäter). In ihrem Werk (insbesonder in Viat activa) beobachtet sie, wie sich die Gesellschaftsvorstellungen (Weltbilder) seit den alten Griechen veränderten.
In den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangenen sind ihre Formulierungen zum Eichmann-Prozess (Eichmann in Jerusalem), wo sie Eichmann als Schreibtischtäter bezeichnete und von der Banalität des Bösen sprach.

Sie stand sie rein repräsentativen Demokratien kritisch gegenüber und bevorzugte Rätesysteme und Formen direkter Demokratie, wobei sie davon ausging, dass politischen Vereinbarungen, Verträgen und Verfassungen auf möglichst konkreter Ebenen von den Betroffenen politsch ausgehandelt werden sollten. Sie beruft sich - quasiphilosophisch - auch auf K. Marx, sie kritisiert aber alle politischen Verhältnisse, in welchen "marxsche" Ideologien verwendet werden. In gleicher Weise ist sie Zionistin und verwirft jede Unterdrückung von Palestinänsern.
H. Arendt hat für mich kein erkennbares politisches Anliegen. Ihr Anliegen ist eine Gesellschaft, in welcher politisches Hndel nicht nur möglich ist, sondern praktiziert wird. Ich kann nicht erkennen, wie sie diesbezüglich die USA beurteilt. Sie beurteilt aber das Werk von K. Marx (wobei sie sich oft auf irgendwelche seiner Texte bezieht) jenseits von Klassenbewusstsein und mithin in einer bürgerlichen Perspektive. Sie verpasst insbesondere die Unterscheidung zwischen Arbeit und Lohnarbeit.
H. Arendt betont das historische Prozessdenken als entwickeltstes evolutionäres Stadium, ihre Kategorie Tätigkeit entwickelt sie aber nicht (etwa im Sinne der kulturhistorischen Schule), sondern bestimmt Tätigkeit durch eine funktionelle Unterteilung in Arbeit, Herstellung und und Handeln.

"Gleichwohl lehnte sie es ab, als „Philosophin“ bezeichnet zu werden. Auch dem Begriff „Politische Philosophie“ stand sie eher distanziert gegenüber; sie gab der Bezeichnung „Politische Theorie“ für ihre entsprechenden Publikationen den Vorzug". Das ist Wikipediazeugs, aber für mich hat das grosse Plausibilität, weil H. Arendt alles, was sie bei den alten Griechen findet, invertiert. Sie zeigt, wie unentwickelt deren Vorstellungen über das politische Handeln waren, gerade weil sie auch das Herstellen (poiesis) zur notwendigen Slavenarbeit zählten und in der Polis auch das Regieren als notwenig und deshalb für freie Menschen als (praxis) unwürdig erachteten.
H. Arendt trennt das Herstellen (von Artefakten!!) von der Arbeit. Das Herstellen dient bei ihr auch nicht der Arbeit, auch wenn die Arbeiter von hergestellten Werkzeugen profitieren können. Das Herstellen hat den kulturellen Sinn, die Natur aufzuheben.
Bei Aristoteles (und vielen seiner Nachfolgern wie etwa N. Luhmann) steht Poiesis für Tätigkeit mit einem extrinsischen Ziel, während Praxis eine Tätigkeit bezeichnet, die sich selbst genügt. Poiese bezeichnet in dieser Auffassung also das Herstellen von Gegenständen, die einen Zweck haben. H. Maturana hat das mit seinem Ausdruck Auto-Poiesis (wie bewusst auch immer) auf den Kopf gestellt. Die Vorsilbe "auto" zeigt an, dass Poiesis gerade nicht gemeint sein kann, nur, dass das griechische praxis genau so schlecht gehen würde.


 

"Regula Staempfli Erinnert mich an das Entsetzen von Hannah Arendt über die Gleichschaltung der Intellektuellen mit dem NS-Regime. "Es kamen ihnen dabei ganz Unglaubliche Dinge in den Sinn" Sie wollte jahrelang nichts mehr mit Intellektuellen zu tun haben. Es ist wirklich schwierig, wenn die linke und intellektuelle Heimat verloren geht, wegen ein paar durchgeknallten, aber medienpräsenten Aktivistinnen."
https://www.facebook.com/regula.staempfli/posts/2444408465599080

Im besagten Interview erzählt H. Arendt recht peinliches aus ihrem Leben, wie sie damals gesehen habe. Sie erklärt vorab, warum sie keine Philosophin sein will, nämlich weil die Philosophen, die ihre Freunde gewesenen sind, Nazi wurden und davor - wie sie selbst - keine Politik machten.
Als sie dann bei den Zionisten mitmachte, also Politik nicht Philosophie, wollte sie mit DIESEN Philosophen, die sie im Geschwätz des Boulevardformates Intellektuelle nennt) nichts mehr zu tun haben, was sie im Interview dann auch als momentane Reaktion relativiert, weil ja offensichtlich ist, dass sie die ganze Zeit mit Philosophen verkehrte, einfach nicht immer mit allen.
H. Arendt hat Bücher geschrieben. Wer sich für ihre Ansichten interessiert, kann Bücher lesen oder youtube hören, und dort hören was sie will.


 
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