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Lorenz, Konrad: Das sogenannte Böse Zur Naturgeschichte der Aggression. 22. A. 2000, dtv-Tb. Information und Wissen (33017), SFr. 17.00, ISBN 3-423-33017-1

Zusatztext
Konrad Lorenz behandelt in diesem epochalen Werk die Aggression, das heißt den auf den Artgenossen gerichteten Kampfantrieb bei Tier und Mensch, und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu der so notwendigen menschlichen Selbsterkenntnis.

Anmerkungen

"Beim Männchen und Weibchen der in Rede stehenden Fische ist das Verhältnis der Mischbarkeit der drei großen Triebquellen, der Aggression, der Flucht und der Sexualität verschieden: beim Männchen gibt es keine Mischung zwischen Motivationen der Flucht und der Sexualität. Wenn der Mann vor seinem Gegenüber auch nur im leisesten Angst hat, ist all seine Sexualität völlig ausgeschaltet. Beim Weibchen besteht dasselbe Verhältnis zwischen Aggression und Sexualität: wenn die Frau vor ihrem Partner so wenig »Respekt« hat, daß ihre Aggression nicht ganz und gar ausgeschaltet ist, vermag sie überhaupt nicht sexuell auf ihn anzusprechen. Sie wird zur Brünhilde und geht nur um so wütender auf ihn los, je stärker sie potentiell zu sexuellen Reaktionen bereit wäre, d.h., je näher sie in Hinsicht auf den Zustand ihrer Ovarien und ihres Hormon-spiegels dem Ablaichen ist. Umgekehrt vertragen sich Aggression und Sexualität beim Männchen ganz ausgezeichnet, es kann höchst gröblich mit seiner Braut umspringen, sie im ganzen Becken umher jagen und doch zwischendurch sexuelle Bewegungen sowie alle nur denkbaren Mischformen beobachten lassen. Das Weibchen seinerseits kann sehr erheblich Furcht vor dem Männchen haben, ohne daß dies ihre sexuell motivierten Verhaltensweisen unterdrückt. Die Fischjungfrau kann in durchaus ernstlicher Flucht vor dem Männchen begriffen sein und doch in jeder Atempause, die ihr das Rauhbein gönnt, sexuell motivierte Balzbewegungen vollführen. Eben diese Mischformen zwischen Verhaltensweisen der Flucht und der Sexualität sind durch Ritualisation zu jenen weitverbreiteten Zeremonien geworden, die man als Sprödigkeitsverhalten zu bezeichnen pflegt und die einen ganz bestimmten Ausdruckswert besitzen. Auf Grund dieser, nach Geschlechtern verschiedenen Verhältnisse der Mischbarkeit der drei großen Antriebsquellen kann sich ein Männchen nur mit einem rangordnungstieferen, somit einschüchterbaren Partner verpaaren, das Weibchen dagegen nur mit einem ranghöheren, somit einschüchternden; so sichert der geschilderte Verhaltensmechanismus das Zusammenfinden verschiedengeschlechtlicher Paare." (S.105)