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Eberspächer, Hans: Mentales Training. Ein Handbuch für Trainer und Sportler

30 farb., s/w. Fotos, Abb. 280 g. 140 S. 5. A. 2001. sportinform Fitness Copress, Kartoniert SFr. 19.80 4066090 , ISBN 3-7679-0625-2

Klappentext
Der Praxisratgeber zeigt mit anschaulich aufbereiteten wissenschaftlichen Erkenntnissen Wege zur Steigerung der eigenen mentalen Möglichkeiten auf. Schwerpunkte sind dabei Aufmerksamkeits-, Aktivations- und Vorstellungsregulation sowie Kompetenzerwartung, Zielsetzung und Analyse.

Anmerkungen

Zum Buch

Training - das wird in diesem Buch sehr deutlich - ist etwas viel einfacheres als Practise. Das Training von welchem Eberspächer schreibt, verbessert die Leistung in einfälltigen Situationen, wie sie typischerweise im Sport gegeben sind: Man hat ein klares Ziel, nämlich zähl- oder messbar zu gewinnen.

Ein wichtiges Konzept, das Eberspächer verwendet, beruht auf der Unterscheidung Funktion und Funktionsweise: er schlägt vor, funktionale Ziel durch operative Ziele zu ersetzen. Ein Ski-Rennfahrer etwa soll nicht gewinnen wollen, sondern möglichst gut um die Stangen fahren wollen. Ersteres kann er nämlich nicht "machen" im Sinne von üben oder trainieren, letzeres dagegen schon. Gewinnen stellt sich dann als logische Folge von selbst ein.

Die Verschiebung der Aufmerksamkeit vom Gewinnen auf das Fahren, passt elegant zum westlichen Buddhismus "der Weg ist das Ziel". (Nebenbei: Karate ist eine ganz neue Geschichte, die im 20. Jahrhundert erfunden wurde, als der Osten bereits nach ganz westlichen Grundsätzen wirtschaftete. Wir sollten auch diese Geschichte mal schreiben und Eberspächer könnte auch explizitere Bezüge zu dieser "mentalen" Tradition machen). Die Verschiebung hat praktischen Nutzen, sie führt zum Gewinnen, und sie hat ideologischen Nutzen, sie macht geltend, dass es nicht ums Gewinnen geht.

Aber wenn es nicht mehr ums Gewinnen geht, wird Trainieren ziemlich schwierig. Ein Beispiel (11): Ein Bogenschütze fragt sich während des Schiessens, was er eigentlich macht. Er beobachtet sich selbst, und kann deshalb seine Bewegung nicht mehr erfolgreich ausführen. Eberspächer schlägt vor, die Beobachtung von der Ausführung zu trennen. Das ist für einen Bogenschützen sinnvoll, weil Bogenschiessen ja ziemlich sinnlos (ohne Jagdt schon sinn-entbunden) ist. Das Verfahren ist aber so leicht nicht beschreibbar, wenn man das Beobachten praktizieren will.

Die Kernidee ist als Flow-Erlebnis beschrieben, welches sich einstellt, wenn die Aufmerksamkeit vollständig von der eigenen Person abgezogen, also nur noch bei der Sache ist (was Eberspächer als "beschränktes Wahrnehmungsfeld" auffasst, obwohl es natürlich das weitests Wahrnehmungsfeld ist, weil innen und aussen zusammenfallen).

Ein weiteres wichtiges Konzept, das Eberspächer verwendet, beruht auf der Unterscheidung von Handlung und (eigenen) Bewertungen der Handlung. Die Bewertungen liegen auf von der Handlung verschieden weit entfernten Ebenen:
Umfeld - was denken die andern, was bringen die Medien, usw. ?
Ist-Soll-Vergleich - bin ich so gut, wie ich sein sollte ?
Gesamleistung - was bedeutet das für das Kollektiv, Mannschaft ?
Kosequenzen - bleibe ich so in der Liga, im Rang, usw ?
Sinnfrage - wozu mache ich das alles ?

Zur Logik der Argumentation

Das Buch beginnt mit Technik: Im ersten Satz des Buches ist von der Synchronisation von Motor und Getriebe bei einem VW Käfer die Rede. Damit wird die durchgehend verwendete technische Metaphorik eröffnet.

Die genaue Beschreibung des Bewegungsablaufes ist eine mögliche Form des mentalen Trainings" (89), als Drehbuch für einen inneren Film, der zeitecht ist. Beschreibung und Film sind Artefakte, die wir jenseits von mental kennen, wie das VW-Getriebe.

Der Gestus der Argumentation entspricht dem "amerikanischen Verkaufstraining", das Rezepte - etwa wie man positiv denkt (J. Murphy) - als wissenschaftlich und praktisch begründet darstellt, und jegliche Begriffe vermeidet (durch anschauliche Metaphern, meist in Beispielen ersetzt).

Methoden

Die genaue zeitechte Beschreibung des Bewegungsablaufes (89)

Zu den Begriffen

"Mental" wird nicht erläutert, implizit mit Vorstellung gleichgesetzt, wobei zu Vorstellung auch nichts gesagt wird, weil ja jeder ganau weiss, was das ist und wie man sich eine Vorstellung macht.


diffus wird von inneren Bildern, Phanatsien und kognitiven Prozessen gesprochen, "sie wissen doch, was ich meine .."

"Aufmerksamkeit" will ich später mit jener von Ceccato vergleichen. Noch ziemlich unbesehen: Eberspächer hat eine viel funktionalere Auffassung von Aufmerksamkeit.