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http://www.uni-koblenz.de/~woch/abstracts/bono-dk.html
"Edward de Bono's Denkschule" zu mehr Innovation und Kreativität
Autor: de Bono, E.
Erschienen:
mvg-Verlag, München.
Stichworte:
laterales Denken, Steigerung der Denkfähigkeiten, CORT,
PMI, Denk-Clubs, Alternativen, Wahrnehmung, Wechsel von Denkmustern,
Entscheidungen, Planen
1 PMI-Methode
Die Wahrnehmung wird konzentriert für je ca. 1 min. in eine
bestimmte Richtung gelenkt. Man konzentriert sich zunächst auf
die positiven, dann die negativen und schließlich die interessanten
Aspekte eines Lösungsvorschlags. PMI bewußt einsetzen in Situationen,
in denen es normalerweise unnötig erscheint.
2 Alternativen
Der Verstand tendiert zu Gewißheit und Sicherheit, deshalb
stellt eine große Zahl von Alternativen ein Problem dar, da noch
keine Lösungsschritte eingeleitet werden können. Die vorsätzliche
Suche nach Alternativen ist wichtig, um einen größeren
Blickwinkel zu schaffen. Die eigentliche Schwierigkeit ist, sich
überhaupt nach Alternativen umzusehen. Eine angemessene, 'praktikable'
Lösung behindert die weitere Suche. APC-Methode (alternatives, possibilities,
choices): Alternativen suchen, gute rausfiltern, End-Auswahl treffen.
Anwenden auf:
-
Erklärungen, Hypothesen
-
Probleme (alternative Definitionen suchen; trotzdem weitersuchen,
wenn eine Lösung gefunden wurde
-
Rückblick (Problem ist ja eigentlich schon erledigt)
-
Wahrnehmung ändern können (Blickwinkel, Standpunkt)
-
Entwurf
-
Entscheidungen (Betonung verlagern vom Entscheiden zwischen
Alternativen auf Schaffen von Alternativen)
-
Vorhersagen
-
Handlungsverlauf
-
Planung praxisbedingt muß der Suche nach einer gewissen Zeit ein
Ende gesetzt werden.
3 Wahrnehmung
Zweck der Wahrnehmung ist es, Denkmuster zu formulieren und diese
anzuwenden. Ziel des Denkens ist es, vertraute Muster zu finden,
um nicht weiterdenken zu müssen. Selbst die beste Verarbeitung
kann mangelhafte Wahrnehmung nicht ausgleichen.
3.1 Methoden:
-
CAF: consider all factors
-
cosequences and sequels (4 Zeitzonen, auf die die Entscheidung wirkt: unmittelbar,
kurz-, mittel-, langfristig.)
-
Denkmuster herausfinden, die in einer bestimmten Situation Anwendung finden
und diese überprüfen.
-
Informationen erhalten durch:
-
Ausschöpfen von Informationsquellen
-
Fragen (Entscheidungs- / Überlegungsfragen) Versuche
-
Ausschließen von Möglichkeiten durch negative Informationen
Wichtig: Informationslücken herausfinden!
4 Laterales Denken
Ziel: Wechsel zwischen Mustersystemen zu erleichtern. Auslösende Mechanismen
für Musterwechsel: Fehler, Zufall, Humor (nachträgliche
Einsicht). Jegliche Art etwas zu sehen stellt nur eine von vielen
Möglichkeiten dar. Ein Urteil ist äußerst wichtig für
Entscheidungen, aber die Möglichkeit, sich außerhalb des
Beurteilungssystems bewegen zu können und die Dinge auf verschiedene
Weise zu betrachten, zu sehen, wohin eine Idee führt, ist sehr
nützlich.
4.1 Wechsel von Denkmustern:
-
Sprungbrettmethode: Provokation durch Umkehrung, Übertreibung, Entstellung,
Wunschdenken, etc. Bewegungswert einer Idee nutzen, statt nur den Beurteilungswert
zu sehen.
-
Fluchtmethode: Situationsvoraussetzungen herausfinden, dann bewußt
außer Acht lassen, verändern oder alternative Möglichkeiten
suchen
-
Zufällige Stimulierung: Zufallswort, -gegenstand. Dadurch werden Gedankenlinien
angezapft, die sonst im Verborgenen blieben.
5 Die Mitmenschen
In unserer Kultur ist das Konfliktsystem üblich (Angriff / Verteidigung),
obwohl dabei gute Ideen mit leichten Fehlern kaputtgemacht werden, anstatt
daß man die Fehler zu korrigieren versucht. Ein besseres System ist
die Exlektik: Herausziehen, was an einer Idee wertvoll ist. (Denk- / Problemumgebung
erforschen).
5.1 Methoden:
-
EBS: examine both sides (beide Seiten genau erforschen). Dadurch Überprüfung
vor persönlicher Ansicht.
-
ADI: agreement, disagreement, irrelevance. Vergleich der Aufzeichnungen
beider Seiten (EBS), dann in übereinstimmende, abweichende und irrelevante
Punkte einteilen.
Dazu ist es wichtig, die tatsächlich an einem Vorgang beteiligten
Personen herauszufinden und ihren 'logischen Ermessungsraum' abzuschätzen
(tatsächliche Umstände + Auffassung der Person darüber).
Bei Verhandlungen sind viele Werte variabel, d.h. sie haben für
die verschiedenen Parteien eine unterschiedlich hohe Bedeutung.
6 Emotionen und Werte
Die Wahrnehmung kann durch Emotionen eingeschränkt werden, das
Denken kann aber auch die Gefühle verändern (anderer Blickwinkel).
Verschiedene Werte: Ich-orientierte, Nächsten-orientierte (Gruppenzugehörigkeit),
Moralische (Gesetze, Sitten, Traditionen), menschheitsorientierte (Umwelt,
etc.)
6.1 Methode:
-
situationsgebundene Werte in hohe und niedrige Werte aufteilen, um ein
genaues Überprüfen jedes einzelnen Wertes zu erreichen.
-
auf wertbeladene Wörter achten
7 Entscheidungen treffen
Umfeld der Entscheidung feststellen und genau festlegen (Zusammenhänge,
Notwendigkeiten, Zeitrahmen, Typ der Entscheidung, Folgen....).
7.1 Entscheidungsmethoden:
Würfelmethode:
Sinn: 'Was ist wichtiger, die richtige Entscheidung zu treffen, oder
mit der eigenen Entscheidung glücklich zu sein?'. Nachträgliche
Gewöhnung an die 'gefallenen' Entscheidung.
Methode des bequemsten Wegs:
einfachste Alternative wählen, dann begründen oder rechtfertigen.
3. methodische Darstellung:
alle Alternativen nacheinander auswählen, begründen und zum
Schluß entscheiden.
Buridan's Esel:
Bei mehreren gleichwertigen Alternativen werden zu jeder Alternative
Gründe zur Ablehnung aufgeführt. Es fällt dann leichter,
Alternativen aufzugeben.
Methode der idealen Lösung:
Ideallösung skizzieren (unabhängig von den gefundenen Alternativen).
Die Alternative wählen, die der Ideallösung am nächsten
kommt.
Zusammenhang 'Idee - Situation':
In welche Situation paßt welche Idee / Alternative am besten?
Vergleich mit realer Situation.
'Was wäre, wenn...?'-Methode:
'Was wäre, wenn...?'-Fragen auf die Alternative anwenden. Sobald
eine Fragen gefunden ist, die die Wahl der Alternative unattraktiv werden
läßt, ist der wahre Entscheidungsgrund isoliert.
Entscheidungsschlußkontrolle: konkrete Planung der Durchführung
um mögliche Fehler der Entscheidung zu entdecken.
8 Denken und Handeln
-
Absicht, Zweck, Ziel und Toleranz des Zieles festlegen (wie nahe
muß ich dem gesteckten Ziel kommen?)
-
Teilziele schaffen
-
Wege zum Ziel erarbeiten durch Zurückarbeiten vom Ziel aus
-
Pläne nicht starr gestalten, Flexibilität
-
Spielraum für mögliche Veränderungen einbauen
-
Weichen für Ziel- oder Kurswechsel einplanen
-
Kontrollstellen für Erfolg und Richtung - Stellen einbauen, wo Plan
bei Fehlschlag aufgegeben werden kann
Berücksichtigen:
-
Menschen (unterstützen / hindern Plan),
-
Risiken,
-
Beschränkungen (Gesetze, Zeit, Preise),
-
Quellen (Geld, Motivation, Wissen, Menschen...),
-
Zukunft, etc.
9 Zielgerichtes Denken
Denken soll zielgerichtet, zuversichtlich, beliebig einschaltbar
sein und Freude machen. Eine strenge Zeiteinteilung erhöht die
Effizienz des Denkens und damit die Freude daran. Es ist nicht unbedingt
wichtig, daß die gesuchte Lösung gefunden wurde: irgend
etwas kommt immer heraus. Klar werden, was erreicht wurde (Reflexion),
wichtig für Motivation. Sich selbst beobachten (evtl. aufschreiben).
Übung: 5-Minuten-Denken: (Zeitrahmen genau einhalten!!)
-
1 Min. Ziele und Aufgaben (was soll gemacht werden?)
-
2 Min. Erforschen des Aufgabenumfelds (alles sammeln, Ideen, Alternativen).
Hier wichtig: Reichhaltigkeit.
-
2 Min. Eingrenzung und Schlußfolgerung (Ergebnisse: Lösung,
Idee, zusätzliche Alternative, Meinung...) . Schlußfolgerung
= Ergebnis des Denkens
Methode: PISCO (purpose, input, solutions, choice, operation)
10 Abschluß
Die folgenden Punkte könnten als eine Art Gewohnheit Bestandteil
der allgemeinen Denkfertigkeit eines Menschen werden:
-
automatisch auch dann nach Alternativen suchen, wenn kein klares Bedürfnis
danach besteht und keine Alternative erkennbar ist
-
Bereitschaft den Ideen anderer zuzuhören; gewohnheitsmäßige
Berücksichtigung der Meinung anderer und deren logischer
Ermessensräume
-
in Argumentiersituationen die Meinung beider Seiten zu berücksichtigen
(EBS), sowie eine Überprüfung nach ADI vorzunehmen;
-
die Fähigkeit, in solchen Situationen Werte abzuklären
-
das Bemühen, zuerst bewußt zu denken, bevor Emotionen ausschlaggebend
eingesetzt werden
-
die Fähigkeit, den Bewegungswert von Ideen einzusetzen und Provokation
bewußt auszulösen und einzusetzen
-
die Bereitschaft, sich in seiner Wahrnehmung zu verändern