Brosziewski, Achim: Aufschalten: Kommunikation im Medium der Digitalität. Konstanz, Universitätsverlag, 2003, ISBN Nummer 3-89669-755-2
In meiner Untersuchung über das Medium der Digitalität beschreibe ich "Schalter" als Formen dieses Mediums, entsprechend "Schalten" oder "Aufschalten" als Operationen im Digitalmedium. Den kommunikationstheoretisch gesehen grössten Einschnitt sehe ich in dem Umstand, dass innerhalb des Digitalmediums auch Worte als Schalter fungieren, denken wir nur an das Beispiel einer Wortsuche durch eine Suchmaschine wie Google. Worte werden dabei sowohl von ihrer Funktion des Assoziationsbildens im Bewusstsein als auch von ihrer Funktion des Satzbildens in der Kommunikation tendenziell abgelöst. Sie werden zu "Zusammenstellern" (computare = zusammen stellen) von Dokumenten, die
ihrerseits aus Schaltern bestehen. Das Drama, das sich durch diese Modifikation im Zentralmedium der Gesellschaft, der Sprache, abspielt, kann noch gar nicht erzählt werden, erst recht nicht in einem Interview.
In einer sehr vorläufigen Metapher könnte man sagen: Die Individuen werden sich, was ihr Wortverhältnis anbelangt, ausser an die Kontextförmigkeit von Wörtern auch an eine Art "Matrixförmigkeit" derselben Wörter gewöhnen, um jene Vorstellungen zu den Wörtern zu ermitteln, die sie als ihr Wissen betrachten können. Organisationen scheinen mir kaum
Probleme mit der genannten Veränderung zu haben, kommt sie doch ihrem normalen Betriebsmodus sehr entgegen, für alle Handlungen Vorlagen zu beschaffen und herzustellen, anhand derer Verantwortung und Fehler kontrolliert und abgewehrt werden können.
Wie wichtig der Umgang mit dem passenden Wort ist, zeigt sich auch anhand der oben bereits erwähnten Suchmaschinenoptimierung. Hier funktioniert das Bild des Schalters besonders gut. Gibt man bei Google ein bestimmtes Wort ein, legt sich der Schalter in diese bestimmte Richtung um – und schließt damit andere Richtungen aus. In der Praxis sollte man sich dieses Schalters bewusst sein. Man muss sich vergegenwärtigen, dass eine Möglichkeit andere Möglichkeiten ausschließt. Für die Praxis der Suchmaschinenoptimierung ist zudem ein Perspektivwechsel nötig. Nicht, „wie denke (und suche) ich“, lautet die Frage, sondern. „Wie suchen meine Kunden, welche Worte benutzen sie?“ Nur dann findet man den richtigen Schalter.