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John L. Austin: Zur Theorie der Sprechakte. Englisch/Deutsch. 1998. Reclams Universal-Bibliothek. (9396). Reclam Kartoniert. SFr. 9.20, ISBN 3-15-009396-1 (John L. Austin: How to Do Things with Words, 1962. 2nd, revised ed. Oxford: Clarendon Press, 1975)
==> mehr dazu unter Sprechakt und unter Searle: Sprechakte
Inhalt
Nach John L. Austin gibt es Sätze, die weder wahr noch falsch sind, in denen sich aber der Sprecher verpflichtet, etwas zu tun. Beispiel: "Ich hole Dir etwas aus der Apotheke." Schwerpunkt seiner Theorie ist die Betrachtung des Aktes selbst ("[...[the study of action or doing[...]"). Jeder Satz ist demnach, unabhängig von seiner Aussage, eine Äusserung.
utterance/Äusserung
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Prozess der Äusserung
= Sprechakt
|
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Produkt dieses Prozesses
= Aussage
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Bei den Äusserungen kann man zwischen zwei verschiedenen Arten unterscheiden:
- "constative utterance" = eine Aeusserung, mit der man eine Behauptung aufstellt (es gibt im Deutschen auch den Ausdruck "konstatieren")
- "performative utterance" = eine Aeusserung, mit der man eher etwas tut, als etwas zu sagen; diese "aufführenden" Aeusserungen kann man wiederum unterteilen
- explizite Performative = "Ich verspreche Dir, etwas aus der Apotheke zu holen"
- primäre Performative = "Ich werde Dir etwas aus der Apotheke holen"
Natürlich realisierte auch Austin, dass eigentlich alle Aussagen Performative sind, wenn man den Akzent entsprechend legt. Wenn ich etwas sage, sage ich immer auch, dass ich es sage.
Austin unterscheidet im Sprechakt:
- locutionary acts: diese Sprechakte sind Produkte aus drei unterschiedlichen Komponenten; als Beispiel kann man den Satz "Vorsicht bissiger Hund" als Äusserung verstehen
- "phonetisch>": die geäusserten Laute
- "phatisch>": die Konstruktion eines bestimmten Satzes/
einer bestimmten Aussage in einer bestimmten Sprache
- "rhetisch": der Sprechakt beinhaltet eine Zuteilung
"assignment of reference"
- illocutionary force: hier bedeutet der Sprechakt zugleich die
Ausführung einer Tätigkeit - "saying is doing"; hier
wäre "Vorsicht bissiger Hund" eher als Warnung denn
als Aussage zu verstehen
- die Produktion einer Aussage
- die Zusammenstellung eines Satzes
- die Kontextualisierung dieses Satzes
- Klassen von "illocutionary acts" sind zum Beispiel: Behauptungen,
Fragen, Befehle.
die Klassen besitzen performative Verben (directives) wie "befehlen", "wünschen",
"kommandieren" usw.
Anmerkungen von rt
Austin unterscheidet (und hebt die Unterscheidung auf) constativ versus preformativ: "ich gehe" ist nur beschreiben, während "ich verspreche" auch gleichzeitig das Versprechen ist.
Ich habe in Technische Intelligenz (151) eine in gewisser Hinsicht analoge Unterscheidung vorgeschlagen, die aber explizit nichts mit Austin zu tun hat:
Sprechen kann im Unterschied zu anderen Tätigkeiten, insbesondere auch zum Deuten - und das zeichnet es als spezifische Handlung aus - sprachlich auf zwei Arten abgebildet werden: in direkter und indirekter Rede. Ich kann als Erzähler der Episode, in welcher ich gesprochen habe, die Rolle des Vermittlers oder die des Stellvertreters spielen. Ich kann erzählen, dass ich einer Person gesagt habe, sie solle mir den Hammer geben, ich kann aber einen Teil der Episode auch unvermittelt wiedergeben, indem ich im gegebenen Kontext meine Rede "Bitte, gib mir den Hammer" direkt wiederhole. Diese doppelte Möglichkeit haben wir nur in bezug auf sprachliche Handlungen. Dass die angesprochene Person mir den Hammer beispielsweise gegeben hat, kann ich nur beschreibend darstellen.
Hier ist die grammatikalische Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Rede gemeint. Einige Linguisten unterscheiden direkte und indirekte Sprechakte. Wenn man beispielsweise kurz den Kugelschreiber einer andern Person ausleihen möchte, kann man in diesem Sinne direkt sagen: ”Bitte gib mir schnell deinen Kugelschreiber!” oder indirekt: ”Ich wäre froh, wenn ich einen Kugelschreiber hätte”. In beiden Fällen verwendet man grammatikalisch die direkte Rede.
Materialien
