unsichtbare Hand        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]         [ Meine Bücher ]

Als ökonomische Metapher stammt die "unsichtbare Hand" nicht von A. Smith. Er verwendet diese seinen Zeitgenossen geläufige Metapher im Natur und Ursachen des Volkswohlstandes nur an einer Stelle, und zwar in einem Kapitel über Handelsbeschränkungen. Er zeigt dort, dass der Einzelne gerade dadurch, dass er aus Eigennutz seine Produktivität und Erträge steigern will, das Interesse der Gesellschaft stärker fördert, als wenn er dieses Interesse direkt hätte fördern wollen:
„Wenn daher jeder einzelne soviel wie nur möglich danach trachtet, sein Kapital zur Unterstützung der einheimischen Erwerbstätigkeit einzusetzen und dadurch dieses so lenkt, daß ihr Ertrag den höchsten Wertzuwachs erwarten läßt, dann bemüht sich auch jeder einzelne ganz zwangsläufig, daß das Volkseinkommen im Jahr so groß wie möglich werden wird. Tatsächlich fördert er in der Regel nicht bewußt das Allgemeinwohl, noch weiß er wie hoch der eigene Beitrag ist. Wenn er es vorzieht, die eigene nationale Wirtschaft anstatt die ausländische zu unterstützen, denkt er nur an die eigene Sicherheit, und wenn er dadurch die Erwerbstätigkeit so fördert, daß ihr Ertrag den höchsten Wert erzielen kann, strebt er lediglich nach eigenem Gewinn. Er wird in diesem wie auch in vielen anderen Fällen von einer unsichtbaren Hand geleitet, um einen Zweck zu fördern, der keineswegs in seiner Absicht lag. Es ist auch nicht immer das Schlechteste für die Gesellschaft, nicht beabsichtigt gewesen zu sein. Indem er seine eigenen Interessen verfolgt, fördert er oft diejenigen der Gesellschaft auf wirksamere Weise, als wenn er tatsächlich beabsichtigt, sie zu fördern.“ (4. Buch, Kapitel 2).

Die "unsichtbare Hand" - die in der neueren Ökonomie durch P. Samuelsons "Economics" populär wurde - ist die projizierte Hand eines Haushälters, der in seinem Haushalt zum Rechten schaut. Darauf, dass es diesen Haushalt (oikos) nicht gibt, wird durch öko.. verwiesen.

Die Hand wird gemeinhin auf den Markt bezogen, man kann sie aber auf die Installation des Marktes beziehen, dann ist sie ein politisches Motiv, etwa in der Vorstellung, die Planwirtschaft müsse dem Markt weichen.

Eine perfide Variante dazu liefert D. Baecker:
Die “invisible hand” funktioniert so, dass jeder sich vorzustellen versucht, durch welche eigenen Aktionen und Angebote er wohl am ehesten einem Kunden auffällt, der bereit sein könnte, diese oder jene Summe Geldes für ein Angebot auszugeben. Auf der Suche nach diesem Angebot orientiert er sich, wie Soziologen von Georg Simmel bis Harrison C. White beschrieben haben, jedoch nicht am Kunden und dessen unerforschlichen Bedürfnissen, sondern am Konkurrenten und dessen Angeboten. Man beobachtet nicht die gegenüberliegende, sondern die eigene Marktseite, um herauszufinden, wie groß die Chancen sind, mit einem qualitativ besseren Angebot den Kunden zu überzeugen, der an den Marktständen vorüberzieht.
In diesem Fall sorgt die Hand dafür, was der Prozuzent beobachtet, dass er also nicht Bedürfnisse des Kunden, sondern den Erfolg seiner Konkurenten beobachtet.
Wieso er dazu von eine unsichtbaren Hand gesteuert werden müsste, bleibt unklar. Aber die Erklärungsintention von D. Baecker ist wohl dieselbe wie jene von A. Smith: Was die Menschen wollen, spielt keine Rolle.

E. Esposito hat dann gezeigt, wie der Spekulant Soros daraus ein Prinzip gemacht hat.


 
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