18042010 bin im Facebook ==================================== Hyperkommunikation: Eine kurze Geschichte der Sprache Eine kurze Geschichte
der Sprache
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Es gibt sehr verschiedene Vorstellungen zur Sprache und zum Anfang oder zum Ursprung der Sprache. Wenn ich von der Evolution der Sprache spreche, bezeichne ich - wie bei der Geschichte des Menschen - einen spezifischen Moment einer dort geteilten Entwicklung. Davor entwickelt sich - naturhistorisch - ein Verhalten, das ich als Sprache (ohne Plural) deute, danach entwickeln sich Sprachen (Plural). Weil ich Menschen als sprachbegabte Wesen begreife, verstehe ich das Hervorbringen von Sprache als Teil der Menschwerdung und nicht als etwas, was Menschen quasi im Nachhinein hervorgebracht haben. In dieser Hinsicht beobachte ich Sprache wie Werkzeugherstellung als Medium, worin der Mensch lebt und worin er sich kulturell entwickelt.

Ich beobachte hier nicht die Geschichte einer bestimmten Sprache, sondern die Geschichte der Sprache überhaupt. Den Ausdruck "Sprache" verwende ich dabei für den Handlungszusammenhang, in welchem ich bestimmte Sprachen wie etwa die deutsche Sprache als Sprache erkenne. Ich erkenne, dass ein Mensch spricht selbst dann, wenn ich seine Sprache nicht spreche, weil ich weiss, was ich tue, wenn ich spreche. Menschen, die sprechen, machen Geräusche. Ich nehme aber nicht Geräusche sondern Aussagen wahr, weil ich als deutender Beobachter die Geräusche in einem Handlungszusammenhang wahrnehme. Ich kann von diesem Handlungszusammenhang abstrahieren und so Geräusche oder Laute hören. Das mache ich insbesondere als konstruierender Beobachter, etwa wenn ich als Ingenieur an der Lautübertragung in einem Apparat interessiert bin, also in einem anderen Handlungszusammenhang stehe.

Ingenieure wie C. Shannon haben Kommunikationstheorien mit Sendern und Empfängern entwickelt, die mit Sprache nichts zu tun haben. Es geht dabei um technische Apparate und um Signalübertragung. Wenn ich mit jemandem telefoniere, verwende ich solche Apparate, in welchen Signale übertragen werden, wenn gesprochen wird. Aber meine Sprache ist davon nicht betroffen. C. Shannon hat von einem Informationsgehalt der Signale gesprochen, was mit dem Inhalt oder der Bedeutung einer übertragenen Nachricht nichts zu hat, sondern ein rein technisches Mass darstellt. Die hier entwickelte Sprachgeschichte setzt die Unterscheidung zwischen Sprache und technischer Kommunikation voraus.(1) Ich spreche - oder vielmehr ich schreibe - hier nicht über technische oder systemtheoretische Kommunikation, sondern über Sprache.

Sprache hat medial zwei Formen, ich spreche und höre im Medium der Schallwellen, ich schreibe und lese im Medium Licht. In beiden Fällen nehme ich physikalisch abstrakt gesprochen energetische Wellen durch meine Sinnesorgane wahr, respektive ich erzeuge solche Wellen durch mein Sprechen oder Schreiben. Die Schallwellen erzeuge ich beim Sprechen durch jenen Teil meines Körpers, den ich metaphorisch als Sprechapparat bezeichne, wobei ich mich in der Metapher auf den Fernsprechapparat beziehe, weil ich entsprechende Schallwellen eben auch mit Lautsprechern erzeugen kann. Die Lichtwellen, die ich beim Lesen wahrnehme, die sozusagen den vor mir liegenden Text zu meinen Augen bringen, erzeuge ich beim Schreiben gar nicht, ich strukturiere sie nur. Das Licht wird am Text, den ich materiell herstelle, gebrochen und entsprechend strukturiert. Die gegenständliche Bedeutung von Text ist das Formen der Lichtwellen, was nichts damit zu tun hat, was im Text gelesen werden kann.

Die abstrakte Operation, die ich im Handlungszusammenhang Sprache beobachte, besteht darin, Energieflüsse zu strukturieren. Sprechen und Schreiben unterscheide ich als mediale Formen der Sprache in einem noch naturhistorischen Sinn des tierischen Körpers dadurch, dass ich verschiedene Sinnesorgane verwende.(2). Auf einer kulturell entwickelten Stufe kann ich mit Maschinen die Lichtwellen in Schallwellen übertragen und umgekehrt. Allerdings kann ich auch auf dieser Ebene die zeitlich dynamische Sequenz der Sprachhandlung nur in einer örtlich statischen Form fixieren. F. Heider hat in seiner Mediumtheorie gezeigt, wie die zeitliche Tonfolge einer Musikstückes auf einer Schallplatte in einer Menge von materiell nebeneinander liegenden Höckern auf einer Vinylplatte fixiert wird. Wenn ich einen Text vorlese, sind die Schriftzeichen auch quasi gleichzeitig nebeneinander auf dem Papier. Erst beim Lesen bringe ich sie in eine zeitliche Reihenefolge. Ich kann Schall- und Lichtwellen nicht speichern, aber ich kann sie durch die Fixierung von materiellen Strukturen reproduzierbar machen.

Bevor Maschinen erfunden wurden, war der Körper von Lebewesen der einzige Energieumwandler. Menschen können mit der Energie, die sie aus Nahrung gewinnen, Schallwellen erzeugen. Das mache ich auch, wenn ich vorlese. Ich erzeuge dabei nicht irgendwelche Geräusche, sondern Geräusche, die durch die Struktur des Textes bestimmt sind, so wie das Grammofon aus der in Vinyl gepressten Struktur bestimmte Tonfolgen produziert.

hier auch noch Zeichenkörper und Signal als Fluss

Die Struktur des Textes ist durch die Schrift bestimmt. Die Grammatik und Schrift: Grammatik bezieht sich auf die Produktion der Sprache, Schrift auf den materiellen Text. Schrift regelt die Zeichenfolge nicht, das macht die Grammatik. Die Grammatik regelt das Aussehen der Zeichen nicht, sondern setzt Zeichen voraus. Vieleicht so? Genau das begreife ich als Technik. Beim Schreiben fixiere ich im Text, was ich beim Sprechen flüchtig erzeuge. Beim Schreiben verwende ich eine Schrift Wenn ich die Schrift erkenne, kann ich die beiden medialen Formen "übersetzten" In gesprochener Sprache kann ich Wörter nur unterscheiden, wenn ich sie kenne, weil sie nahtlos verbunden sind. Im Text sehe ich Wörter, weil sie durch Abstände getrennt sind.

Wenn ich Sprache erkenne, nehme ich damit auch wahr, dass durch die Worte etwas ausgedrückt wird, weil ich das so tue. Die Worte stehen nicht für sich selbst, sondern verweisen auf etwas Gemeintes. Ich weiss, dass die Worte, die ich höre, in diesem Sinne eine Bedeutung haben, ich ich im Prinzip erkennen kann. Wenn ich die Worte kenne, weiss ich, was ich durch diese Worte ausdrücke.

Ich kann mir Gedanken über die Entstehung der Sprache machen, weil ich sprechen kann und weiss, was ich als Sprache bezeichne. Ich habe mir meine Sprache in einer Sozialisation angeeignet, in welcher ich unter Menschen gelebt habe, die gesprochen haben. Meine Sprache war in diesem Sinne schon vor mir da. Ich habe sie nicht erfunden, sondern durch Nachahmung gelernt. Das besagt natürlich nichts über die Entstehung der Sprache, sondern nur etwas über deren Weitergabe, was nebenbei bemerkt anfänglich auch kein Konzept von Wörtern braucht.

Nicht nur der gesunde Menschenverstand vermutet, dass die Menschen das Sprechen vor dem Schreiben erfunden haben, vielleicht weil jedes Kind zuerst sprechen lernt, oder weil die ältesten Texte etwa auf 4000 vor Christus datiert werden. In solchen Vorstellungen schimmert das Haeckelsche Prinzip durch, wonach sich die Phylogenes analog der Ontogenese begreifen lasse. Die ersten Menschen werden auf mehr als 100'000 Jahre vor Christus datiert, und weil Sprache als wesentliche Eigenschaft des Menschen gesehen wird, wird oft angenommen, dass die Sprache ebenso alt ist wie die Menschen. Das Sprechen fungiert - wie etwa das Denken oder das Bewusstsein - als Wesensmerkmal des Menschen, das gar keiner Entstehungsgeschichte bedarf. Natürlich wissen wir historisch nichts darüber, wie Sprache entstanden ist. Es gibt aber sehr viele sehr einfache Vorstellungen und sogar einen akademischen Bann, überhaupt darüber nachzudenken.

Weil Menschen oft miteinander sprechen, wird Sprache naiv als Methode zur Übermittlung von Gedanken gesehen. Etwas moderner gilt Sprache als Medium des Denkens, wobei sie nicht nur der Übermittlung dient. Mit einem etwas differenzierteren Medienbegriff wird Sprache nicht als Medium, sondern als Bedingung für eigentliche Kommunikationsmedien gesehen, wobei offen gelassen wird, was mit Sprache bezeichnet wird. In vielen Vorstellungen fusst die Sprache auf sogenannten Tiersprachen. Menschen sprechen dann wie Wölfe heulen und Vögel pfeifen. Das Sprechen unterscheidet Menschen von anderen Lebewesen, wie das Heulen Wölfe von anderen Lebewesen unterscheidet, als zufälliges Kriterium. Sprache erscheint dann einfach etwas differnzierter als Heulen. Oft ist auch von einer Körpersprache mit Gesten die Rede. Tiere kommunizieren auch mit Gestik. Ein Wolf etwa zeigt seine Zähne und knurrt, woraus der andere Wolf lernen könnte, dass Knurren etwa dasselbe bedeutet, wie Zähne zeigen. Die einfachsten Vorstellungen von Sprachvereinbarungen beruhen auf solchen Zeigefunktionen.

Wenn das Sprechen als Differenzierung tierischer Verlautbarungen gesehen wird, zeichnen sich Menschen vorerst dadurch aus, dass sie eine kompliziertere Artikulation beherrschen. Sprechen bedeutet aber auch, dass ich Geschichten erzählen und über nicht anwesende Sachen oder die Vergangenheit sprechen kann. Dass ich mehr verschiedene Laute als ein Tier machen kann, ist dafür nebensächlich. D. Zimmer meint, rezente Affen könnten nicht sprechen, weil sie die nötigen Laute nicht modulieren können. Dass sie intelligent genug wären, schliesst er aus den Experimenten, die unter anderen D. Premack mit Schimpansen gemacht hat. Solche Argumentationen beruhen auf unbewussten Kategorien, die auf Affen projiziert werden. Mit den Geräuschen, die sie machen, könnten sie zwar nicht so wie Menschen sprechen, aber sprechen könnten sie allemal.

Dass Menschen sprechen, wird oft mit einem entsprechenden Bedürfnis im Tier-Mensch-Übergangsfeld begründet. Ich unterscheide Bedürfnisse und Bedarfszustände, wie etwa Hunger. Ein Koordinationsverhalten mit Lauten und Gesten hat sich - wie das Hungergefühl - im Tierreich entwickelt. Bedürfnisse dagegen entstehen im Nachhinein. Evolutionstheoretisch kann ich mir nicht vorstellen, dass die werdenen Menschen ein Bedürfnis zu sprechen hatten. Wer will schon sprechen, wenn er niemanden kennt, der ihn verstehen könnte, weil es noch keine Sprache gibt?

Schreiben dagegen hat als gegenständliche Tätigkeit auch einen Sinn, wenn es keine Sprache und mithin noch keine anderen Menschen als Adressaten gibt. Am Anfang der Entwicklung ist Schreiben wohl noch nicht das passende Wort, aber ich kann mir durch Striche, beispielsweise als Kerben in Erinnerung behalten, was ich damit verbinde. Dazu muss ich weder eine Sprache haben noch muss jemand anderer meine Striche verstehen oder interpretieren können. Nur ich selbst brauche natürlich ein Gedächtnis, damit ich später weiss, was ich mit den Strichen gemeint habe. Wenn ich die Anzahl meine Ziegen meine, kann ich mit entsprechendem Geschick eine Ziege zu den Strichen zeichnen. Aber so und so stehen die Striche als Symbole, für etwas Gemeintes, das nicht da ist.

Wenn ich ohnehin ein Gedächtnis brauche, könnte ich mich natürlich auf mein Gedächtnis verlassen. Aber Kopfrechnen zeigt die Grenzen im Vergleich zum Schreiben. Und uma auch das Gedächtnis zu problematisieren: Eichhörnchen etwa verzichten ganz darauf sich zu erinnern, wo sie ihre Nüsse versteckt haben. Wenn sie diese Nüsse brauchen, schauen sie einfach dort, wo sie aktuell Nüsse verstecken würden.

Wenn ich mit dieser Technik einmal angefangen habe, kann ich die Striche für verschiedene Erinnerungen variieren. Die Vorstellung, wonach das Schreiben mit Strichen angefangen hat, ist Commonsense. Gemeinhin wird dabei aber unterstellt, dass vor allem auch für andere geschrieben wurde und dass sich die Schreibenden sprechend über die Bedeutung ihrer Striche verständigt hätten. Ich kann keinen plausiblen Grund dafür sehen, dass sich das Sprechen vorab entwickelt hat, nur weil Kleinkinder sprechen lernen bevor sich schreiben lernen. Hier geht es aber wiederum nicht darum, was wirklich der Fall war, sondern darum, was ich durch welche Kategorien beobachte. === Dem Schreiben - also einer herstellenden Tätigkeit - wird dagegen oft das Bedürfnis zugerechnet, etwas über das Sprechen hinaus festzuhalten. Schreiben scheint dabei das Sprechenkönnen vorauszusetzen, ich kann in dieser Sicht schreiben, was ich auch sagen könnte.

Ich beobachte den Menschen generell nicht als bedürfnisgetrieben, sondern als werkzeugherstellendes Tier. wie die Kategorie der gegenständliche Tätigkeit auch die naturwüchsige Vorstellung, wonach Menschen gesprochen haben, bevor sie geschrieben haben, problematisiert. . Sie haben das Sprechen nicht erfunden, es gehört zu ihrer Natur. Sprechen ist keine kulturelle Leistung, sondern ein naturgegebenes Verhalten. Als kulturelle Leistungen bezeichne ich Erfindungen wie etwa die Schrift (die deshalb im Dekonstruktivismus als primär erscheint). Als Übergang zur Kultur sehe ich das Sprechen über das Sprechen.

Sprachentwicklung

tiersprachen

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http://www.hyperkommunikation.ch/lexikon/theorieprojekt.htm#Schreiben Das Herstellen von gegenständlichen Zeichenkörpern und deren Entwicklung zu ikonischen Hieroglyphen bedarf keiner sozialen Vereinbarung und keiner interpersonalen Kommunikationsabsichten. Es ist eine gegenständliche Tätigkeit, die anfänglich nicht einmal Werkzeug braucht, die aber als Keimform der Textherstellung fungiert, auch wenn für das eigentliche Schreiben sehr viel mehr Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Ich will hier nur einen Aspekt hervorheben, der eine Priorität des Schreibens nahelegt. Sprachliche Ausdrücke bestehen aus Wörtern, Wörter sind diskret. Wenn ich jemanden sprechen höre, höre ich eine kontinuierliche Tonfolge, in welcher ich die einzelnen Wörter selbst unterscheiden muss, weil sie nicht wie in einem Text durch Leerstellen getrennt sind. Wörter sind überdies digitale Symbole, das heisst, sie müssen vereinbart werden, weil man ihnen nicht wie etwa bei konventionellen Zeichnungen ansieht, wofür sie stehen. Wenn ich die Rekonstruktion der Genesis der Sprache mit hergestellten Zeichenkörpern beginne, die mir selbst dienen, beginne ich mit diskreten Gegenständen, deren Bedeutung digital ist.(28). Solchen Zeichenkörpern kann ich ohne weiteres Laute zufügen, die ihren Sinn genau dann bekommen, wenn andere Menschen erkennen, wofür meine hergestellten Zeichenkörper stehen, weil sie dann auch die Zuordnung von Lauten nachvollziehen können. Hingegen ist extrem unwahrscheinlich, dass aus Laute wie Bellen oder Grunzen sprachliche Zeichen werden sollen. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass Affen nicht sprechen.(29) Ob Schreiben oder Sprechen zuerst auftraten, kann ich historisch nicht belegen, weil ich davon keinerlei Zeugnis erkennen kann. Allerdings geht es hier nicht darum, zu entscheiden, was historisch der Fall war, sondern darum zu zeigen, inwiefern Kategorien für Theorien, also dafür, was ich wie sehen kann, grundlegend sind. Mit der Kategorie der gegenständlichen Tätigkeit beobachte ich nicht naiv historisch, sondern eine logisch-genetische Entwicklung der Sache. Ich beobachte überdies, dass ich die Entwicklung des Sprechens nicht beobachten kann. Ich kann annehmen, dass irgendwann in der Vorzeit das Sprechen zu den Menschen gekommen ist. Soweit ich aber zurücksehen kann, hat es sich nicht mehr verändert, genau wie das Bewusstsein und das Denken. Ich weiss zwar viel mehr als Aristoteles, aber ich glaube nicht, dass ich besser sprechen oder denken kann als er das gekonnt hat. Was ich mehr weiss als er betrifft die technologische Entwicklung. Ich schreibe wohl in vielen Hinsichten klüger als er(30), aber ich verwende beim Schreiben andere Werkzeuge als er. Das Schreiben dagegen unterliegt einer technischen Entwicklung, die ich als Zweck-Mittel-Verschiebung weitgehend rekonstruieren kann. Zweck-Mittel-Verschiebung Alles, was Menschen verwenden und in irgendeiner Form der Produktion unterliegt, bezeichne ich als Lebensmittel oder als Mittel zum Leben. Sauerstoff in der Luft und Wasser aus dem Bach sind in diesem Sinne keine Lebensmittel, weil ich sie jenseits einer tätigen Vermittlung verwende. Zu Mitteln werden mir die Mittel, wenn sie in eine Zweck-Mittel-Verschiebung einbinde. Als Zweck-Mittel-Verschiebung bezeichne ich eine spezifische Entwicklung, in welcher Mittel zu neuen Zwecken werden, die ihrerseits nach Mitteln "rufen". Die Bestellung des Ackers beispielsweise hat nach dem Pflug als Mittel "gerufen". Der Pflug wurde zum Zweck in der Schmiede. Die Schmiede verlangte nach Werkzeugen. Die Werkzeuge nach Werkzeugmaschinen. Werkzeugmaschinen verlangen Konstruktionspläne. Die Technik entfaltet sich durch eine Zweck-Mittel-Verschiebung. Jede Entwicklungsstufe der Technik erklärt, was zuvor noch in den jeweiligen Tätigkeiten aufgehoben war. Maschinen zeigen, dass Werkzeuge von Hand bewegt werden müssen, Automaten zeigen, dass Werkzeuge und Maschinen von Hand gesteuert werden müssen. Natürlich muss ich keine Maschine kennen, um zu merken, dass ich den Hammer und die Sichel von Hand bewege. Aber die Maschine zeigt mir, dass ich meine körperliche Energie nur brauche, wenn ich keine Maschine habe.(31) Automaten sind die aktuell entwickelsten Werkzeuge. So wie der Mensch den Schlüssel zum Verständnis der tierischen Evolution darstellt, bilden Automaten den Schlüssel zum Verständnis der Entwicklung der technischen Produktion. Sie zeigen im Nachhinein wohin sich Werkzeuge entwickeln, also welche Potentiale den Werkzeugen als Keimform innewohnen. Automaten bestimmen die Kategorien, unter welchen ich die technologische Entwicklung beobachte. Ich verstehe diese Entwicklungsgeschichte theoretisch als Alternative zu Evolutionstheorien der Technik. In Evolutionstheorien wird eine andere Art der Differenzierung und ein anderer Prozess beschrieben. Die Zweck-Mittel-Verschiebung bringt nicht höher entwickelte Exemplare derselben Art hervor, sondern andere Arten. Die Evolution der Fauna zeigt sich in immer höherentwickelten Tieren, aber es bleiben Tiere.(32) Die Evolution der Fahrzeuge zeigt sich in immer entwickelteren Fahrzeugen, die aber eben Fahrzeuge sind. Die Zweck-Mittel-Verschiebung - die es in der Natur "natürlich" nur in einem differentiellen Sinne gibt - bringt Vertreter anderer Kategorien hervor. Ein Pflug ist kategorial etwas anderes als eine Maschinenfabrik oder als ein Konstruktionsplan. In der Tierwelt beispielsweise kann ich evolutionstheoretisch neue Funktionen erkennen, etwa dass bestimmte Tiere fliegen können, weil sie Flügel haben. Die Flügel der Insekten sind aber gemäss der Evolutionsgeschichte nicht zum Fliegen "erfunden" worden, weil es in der Evolution weder einen entsprechenden Bedarf noch einen Erfinder gibt. Die Körperteile der Insekten, die ich jetzt als Flügel bezeichne, haben dazu geführt - hatten den Effekt -, dass die Insekten fliegen können. Als Effekt bezeichne ich das "Fliegenkönnen", weil es keiner Intention entspricht und nicht Folge einer Zweckursache ist. Diese Geschichte wird gemeinhin so erzählt, dass sich anfänglich eine Körperoberflächenvergrösserung evolutionär bewährte, weil damit mehr Wärme aufgenommen werden konnte. Die Ausstülpungen bewährten sich dann als "Falschirme" beim Springen, was eine Art Übergang zum Fliegen darstellt. Schliesslich ergaben sich eigentliche Flügel als Selektionsvorteil. So wird wird beschrieben, wie Flügel allmählich und ohne vorausgesetzten Zweck - evolutionär - entstehen konnten. Das Fliegenkönnen mag ein Wunsch - kein Bedürfnis - von Menschen gewesen sein, als sie noch nicht "fliegen" konnten. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Menschen quasi evolutionsgeschichtlich darauf hofften, ihnen würden eines Tages Flügel wachsen. O. Lilienthal, einer der Erfinder des Flugzeuges, schrieb anfänglich irritiert durch die Metapher des "Fliegens", die er mitbegründete: "Mit welcher Ruhe, mit welcher vollendeten Sicherheit, mit welchen überraschend einfachen Mitteln sehen wir den Vogel auf der Luft dahingleiten! Das sollte der Mensch mit seiner Intelligenz, mit seinen mechanischen Hilfskräften, die ihn bereits wahre Wunderwerke schaffen liessen, nicht auch fertigbringen? Und doch ist es schwierig, ausserordentlich schwierig, nur annähernd zu erreichen, was der Natur so spielend gelingt". Die in der nicht bewussten Metapher begründete Verwechslung zwischen Fliegen und in einem Flugzeug sitzen ist offensichtlich. Flugzeuge sind kein Produkt einer Evolution und sie imitieren im Unterschied zum schliesslich abgestürzten Ikarus keineswegs Insekten oder Vögel. "Mit überraschend einfachen Mitteln auf der Luft dahingleiten" sehe ich keine Vögel, sondern die - wenn man überhaupt Vergleiche anstellen wollte - extrem primitiven Gleiter, die O. Lilienthal konstruiert hat. Auf die wirkliche Konstruktionstätigkeit bezogen, schrieb er aber bereits während der langjährigen Entwicklungsphase des Flugzeuges, also lange bevor die ersten Flugzeuge geflogen sind: "Ob nun dieses direkte Nachbilden des natürlichen Fluges (des Vogels) ein Weg von vielen oder der einzige ist, der zum Ziel führt, das bildet heute noch eine Streitfrage. Vielen Technikern erscheint beispielsweise die Flügelbewegung der Vögel zu schwer maschinell durchführbar, und sie wollen die im Wasser so liebgewonnene Schraube auch zur Fortbewegung in der Luft nicht missen". Sehr tiefschürfend konnte dieser Streit nicht gewesen sein, haben sich doch bislang immer die Ingenieure durchgesetzt, die die Natur nicht imitierten, sondern wie im Falle der "liebgewonnenen Schraube", die mittlerweile nur noch in der Luft Propeller heisst, ein Mittel gefunden haben, das dem gesetzten Zweck diente. Überdies gibt uns die Natur, wie man sich etwa anhand des Schiffes bewusst machen kann, für die meisten Produkte, die wir bauen, überhaupt keine Vorbilder. Schwimmen überhaupt war nie eine Motivation für Ingenieure, und wenn wir nur wie Vögel fliegen könnten, hätten wir mehr Spass als Transportkapazität gewonnen.(33) Die Zweck-Mittel-Verschiebung beschreibt etwas, was Menschen tun, nicht etwas, was sie wie die Evolution nur erleiden. Durch die Zweck-Mittel-Verschiebung, das zeigt der Propeller, werden Mittel generiert, die auch auf andere Zwecke übertragen werden können, während die wunderbare "Erfindung" der natürlichen Flügel von anderen Lebewesen nicht übernommen werden kann. Was zunächst als Mittel für einen Zweck erscheint, wird als Zweck zum Mittel für neue Zwecke. Der Teflonbelag aus der Raumfahrt wird zum Bratpfanenbelag. Die Zweck-Mittel-Verschiebung vervielfacht die Entwicklungschancen, weil jedes Mittel als neuer Zweck eine eigene Entwicklung durchlaufen kann. Ackerbau mit verschiedenen Pflügen, Pflüge mit verschiedenen Antrieben, Pflüge aus verschiedenen Herstellungsverfahren mit verschiedenen Werkzeugen aus verschiedenen Werkzeugmaschinen. Unter dem Gesichtspunkt der herstellenden Tätigkeit beschreiben Evolutionstheorien eine Art der Herstellung ohne Hersteller. Die menschliche Intention wird in eine Götterwelt oder moderner in eine sich selbst organisierende Welt projiziert.(34) H. Maturana hat dafür den sinnigen Ausdruck Auto-Poiesis geprägt. Poiesis bedeutet in einer spezifischen Differenz zur Praxis das Herstellen, und Lebewesen erscheinen in dieser Projektion als hergestellte Dinge, die keinen Hersteller haben. H. Maturana spricht explizit von autopoietischen Maschinen und meint damit nicht wie KI-Phantasten Roboter, die sich selbst herstellen, sondern alle Lebewesen.(35) ===== 2. Schrift (Teil 4) https://schriftsprache.wordpress.com/2015/03/21/2-schrift-teil-4/ Veröffentlicht am 21. März 2015 | 60 Kommentare | Bearbeiten Schrift (Teil 3) <- 2. Schrift (Teil 4) -> Schrift (Teil 5) Auch wenn ich Zeichen nur für mich selbst vereinbare – was etwa der Fall ist, wenn ich ein Computerprogramm schreibe und dabei in der Terminologie der Computersprache Variablen „vereinbare“, indem ich deren Namen festlege -, muss ich die Form der Zeichenkörper wählen und praktisch in einem Material verwirklichen. Für ein gegebenes Referenzobjekt kann ich also beliebige Zeichen verwenden, die dann – wie unterschiedlich sie auch sein mögen -, auf dasselbe Objekt verweisen. Ich kann etwa eine Lochkarte an bestimmten Stellen lochen und damit auf dasselbe Objekt verweisen wie mit der Schriftzeichenkette „Tisch“, die ich als Tintenstruktur herstelle. Ich kann dann ein Tabelle herstellen, in welcher ich die verschiedenen Zeichenkörper, die dasselbe bedeuten, einander zuordne, indem ich sie in dieselbe Zeile der Tabelle schreibe. Ich bezeichne eine derartige Trosetteabelle als Code. Der Stein von Rosette ist in diesem Sinne ein unsortierter Code, der als Grundlage für einen Code benutzt wurde, in welchem bestimmten Hieroglyphen Zeichen aus zwei anderen Schriften zugeordnet wurden. Als Codieren bezeichne ich nicht das Herstellen sondern das Verwenden eines Codes. Wenn ich schreibe, weiss ich immer, dass ich auch ganz andere Texte herstellen könnte, die dasselbe Referenzobjekt hätten. Ich könnte immer auch Lochkarten lochen und kann deshalb jeden Text als Codierung eines anderen Textes sehen. In der Computerprogrammierung wird in diesem umgangssprachlichen Sinn beim Programmieren von Codieren gesprochen, weil quasi mitgemeint wird, dass der Computer nur „0“ und „1“ verstehe, was seinerseits umgangssprachlicher Un-Sinn ist – solange Computer Maschinen sind und deshalb gar nichts verstehen. Einer meiner Lieblingscode ist ein Buch, das Oxford-Duden heisst und ein Bild-Wörterbuch ist, in welchem den deutschen Wörtern eine Zeichnung und ein englisches Wort zugeordnet ist. Das Wort „Freiheit“ ist in diesem Buch nicht zu finden, Freiheitsdressur ist mit einem Bild verknüpft, das einen Mann mit Peitsche zeigt, der ein Pferd in einer Zirkusmanege managt. Nebenbei, die Übersetzung lautet „performance by liberty horses“, was zeigt, dass auch sehr bildwoerterbuch1viele Codes zu denselben Schriften möglich sind. In einer etwas entwickelteren Sichtweise könnte jeder Code als Kondensierung einer jeweiligen Zuordnung gesehen werden, die ein Schreibender gerade verwendet. Ein spezieller Code verbindet eigentliche Zeichen mit vermeintlich gesprochenen Lauten, wobei ich die Laute ja nicht in eine Tabelle schreiben kann. Eine pragmatische Lösung besteht darin, Zeichen für Laute zu vereinbaren, indem die Zeichen operativ an das Sprechen des Lesers der Tabelle geknüpft werden, wobei der Leser typische Wörter aussprechen und sich selbst zuhören muss. Diese Technik bezeichne ich als Phonetik. Allerdings herrscht auch diesbezüglich viel Sprachwirrwarr. Oft wird die Phonetik, die sich mit die den lautlichen Aspekten der gesprochenen Sprachen, also die materiellen Eigenschaften mündlicher Äusserungen, befasst, mit der Phonologie verwechselt, die sich mit den semantischen Aspekten von Lauten innerhalb einer Sprache befasst. Das „Internationales Phonetisches Alphabet“ wird als Alphabet statt als Code bezeichnet. Während die Phonetik einen praktischen Bedarf vor allem in Wörterbüchern und noch mehr beim automatisierten Vorlesen durch Maschinen deckt, befasst sich die Phonologie als Lehre mit semantischen Aspekten von Lauten innerhalb einer Sprache. Die Phonologie repräsentiert die Commonsense-Vorstellung, wonach Schrift zur Bewahrung und Weitergabe von gesprochener Information dient. Dieser Vorstellung zu Folge könnte ich nur schreiben, wenn ich zuerst gesprochen hätte oder die Information in irgendeiner anderen „Codierung“ vorliegen hätte. Aufgrund dieser vorausgesetzten Annahme werden Schriftzeichen auf Laute bezogen, weil bei bestimmten Schriften entsprechende Korrelationen bestehen. Die chinesische Schrift ist ein Gegenbeispiel. Aber ich brauche keine Gegenbeispiele, um mir vorzustellen, dass ich auch schreiben könnte, wenn ich nicht sprechen könnte. Dass ich so sprechen kann, wie ich sprechen kann, ist an bestimmte körperliche Eigenschaften gebunden, die es mir erlauben, verschiedene Laute verschieden zu artikulieren. Ich kann beispielsweise meine Kehlkopfmuskeln oder Stimmbänder hinreichend frei und koordiniert bewegen, um so eine beachtliche Zahl an gewünschten Geräuschen zu erzeugen. Es sind auch körperliche Eigenschaften, die mir das Schreiben mit einem Bleistift ermöglichen. Schreiben könnte ich unter den gegebene Voraussetzung auch, wenn ich nicht sprechen könnte. Mein Bedürfnis zu schreiben, wäre auch vorhanden, wenn mir die Voraussetzungen zum Sprechen – wie etwa den Menschenaffen – fehlen würden. Dass die Chinesen eine Schrift entwickelt haben, die nicht dem Sprechen folgt, zeigt, dass ich auch eine Schrift entwickeln kann, wenn ich gar nicht sprechen kann. Ich neige sogar zur Annahme, dass Sprechen eher ein Behelf darstellt für Situationen, in welchen das Schreiben aus praktischen Gründen zu umständlich ist, beispielsweise zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Unter bestimmten restringierten Bedingungen und Hinsichten ist Sprechen und Schreiben äquivalent, weshalb sie umgangssprachlich von einer sogenannten „phonetische Codierungen“ gesprochen wird. Als „phonetischen“ Code bezeichne ich etwas, was der Sache nach nicht möglich ist, wenn Code für eine Tabelle steht. In einer Tabelle kann ich nur Zeichen, aber keine Laute eintragen. Die gleiche Unmöglichkeit gilt natürlich auch für eine Lautschrift. Eine pragmatische Lösung besteht darin, Zeichen für Laute zu vereinbaren, indem die Zeichen operativ an das Sprechen des Lesers der Tabelle geknüpft werden, wobei der Leser typische Wörter aussprechen und sich selbst zuhören muss. Den Ausdruck Phonetik verwende ich in diesem Sinne für die bewusst reflektierte Kontingenz von lautlichen Aspekten beim Sprechen, also für die Beschreibung materieller Eigenschaften mündlicher Äusserungen. Als Handwerk im engeren Sinne begreife ich das Herstellen von Artefakten, also nicht das Produzieren von Geräuschen oder Signalen. Wenn ich schreibe, stelle ich Artefakte her, wenn ich spreche erzeuge ich Schallwellen. Die geschriebenen Artefakte dienen der Erzeugung von optischen Signalen. Ich kann auch optische Signal erzeugen, ohne dass ich Artefakte verwende. Ich kann beispielsweise winken oder ein paar gängige Gesten verwenden. winkeralphabetIch kann aber auch das Winkeralphabet verwenden, was Seeleute bis vor kurzer Zeit getan haben. In diesen Fallen benutze ich meinen eigenen Körper um Zeichen oder Schriftzeichen darzustellen. Und wenn ich spreche, benutze ich auch meinen Körper, um Signale in Form von Schallwellen zu erzeugen, was ich auch mit technischen Hilfsmitteln wie Lautsprechern tun kann. In diesen Fällen benutze ich meinen Körper, wie wenn ich mit dem Finger schreibe, technologisch primitiv anstelle eines Werkzeuges. Wenn ich gemäss dem Winkercode mittels meiner Armstellungen Buchstaben darstelle, verfüge ich über ein Alphabet, aber weder über Material für Text noch über Schreibwerkzeuge. Ich kann dann sozusagen schreiben, weil ich körperlich eine Schrift imitieren kann. Und wenn ich spreche, imitiere ich das Schreiben noch etwas vermittelter, weil ich einen phonetischen Code unterstelle. Wenn ich normal spreche, erzeuge ich eine kontinuierliche Geräuschfolge, in welcher keine einzelnen Wörter markiert sind. Als Hörer von gesprochener Sprache muss ich die Wörter als solche abgrenzend erkennen. Darin sehe ich einen Grund dafür, dass ich Fremdsprachen beim Lesen besser verstehen kann als beim Hören. Beim Lesen sehe ich die Wörter. Wenn ich vorlese, also lesend spreche, nehme ich die Signale wahr, die durch den geschriebenen Text in meine Augen fallen. Ich könnte in einer Art zeichen2optischen Telegraphie – worauf ich später noch genauer eingehen werde – die Schriftzeichen mit meinem Körper darstellen. Dazu müsste ich den Text in keiner Weise verstehen, weil ich nur einen Code anwenden würde. Und wenn ich über einen phonetischen Code verfüge, kann ich die Schriftzeichen in entsprechende Laute umwandeln. Auch dabei muss ich den Text weder verstehen noch interpretieren. Ich verhalte mich dann so wie ein leseunkundiger Mönch, der im Skriptorium Bücher abschreibt. Wenn ich das Winkeralphabet verwende erzeuge ich optische Signale, beim Sprechen erzeuge ich akustische Signale. In beiden Fällen sind die Signale durch die verwendeten Codes an die Signale gebunden, die durch den geschriebenen Text erzeugt werden. Sprechen ist in diesem Sinne die primitivste Form einer Produktion von flüchtigem Quasi-Text. ==== Schrottwissen: Die Geschichte der Sprache in 5 Sätzen: http://www.geschichte-lernen.net/sprache-verbreitung-bedeutunghtml/ ==== Eine kleine Geschichte der Sprache Fischer, Steven Roger München: DTV 2003 In dem Buch „Eine kleine Geschichte der Sprache“ schreibt Steven Roger Fischer über die Anfänge der Sprache, wie sie sich entwickelte und schließlich ausdifferenzierte. Er beschäftigt sich in seinem Buch auch mit der Sprache der Tiere, denn die Sprachgeschichte reicht weit zurück bis zu den ersten Lebewesen unserer Erde. Er widmet sich außerdem den Fragen, was Sprache eigentlich genau ist, wo der Ursprung der Sprache liegt und welchen Veränderungen sie im Laufe der Zeit unterliegt. Das Buch ist in acht Kapitel unterteilt. Es beginnt mit einem Kapitel über die Tierkommunikation und Tiersprachen (der Ameisen, Bienen, Fische, Vögel und vieler anderer) und geht dann im zweiten Kapitel auf die „sprechenden Affen“ ein. Die nächsten drei Kapiteln handeln von den ersten Sprachfamilien (der afrikanischen, der asiatischen u.a.), der Schriftsprache und der Sprachstammbäume. Im sechsten Kapitel erläutert Steven Roger Fischer den Weg zu einer Wissenschaft der Sprache, geht dann in den nächsten beiden Kapiteln auf die Sprache, die Gesellschaft und die Sprache im 21. Jahrhundert ein. Hierbei kommt Fischer zu dem Schluss, dass es irgendwann nur noch eine Weltsprache geben wird und zwar die englische Sprache, die jetzt schon auf dem Weg dorthin ist. Man benötigt keine Fachkenntnisse, um das Buch zu lesen. Es eignet sich sowohl für Studenten der Sprachwissenschaften als auch für diejenigen, die sich einfach nur für die Geschichte der Sprache interessieren. Diese erzählt Steven Roger Fischer leicht verständlich, mit einfachen Worten und spannend. In der Bibliographie am Ende des Buches findet man zahlreiche Literaturangaben zu den behandelten Themen der Sprachwissenschaft, zum Beispiel zur Frage nach den Ursprüngen der Wörter, nach ihrer Bedeutung, nach der Entwicklung der Syntax oder der Definition des Satzes. Mir hat das Buch von Steven Roger Fischer gut gefallen, da er in seinem Buch die Geschichte der Sprache leicht verständlich und nicht zu wissenschaftlich beschreibt. Ich finde es oft besonders schwierig die umfassenden fachspezifischen Bücher durchzulesen, wenn man doch eigentlich nur eine kompakte Zusammenfassung eines bestimmten Themas sucht. Dies hat Steven Roger Fischer mit seinem Buch geschafft: Alle wichtigen Begriffe, verpackt in nette kleine Geschichten über die Sprache der Tiere und über unsere Sprache, werden von ihm kurz und knapp erläutert. Dieses Buch ist auf jeden Fall empfehlenswert, wenn man einen kleinen Einblick in die Geschichte der Sprache bekommen möchte. Der Autor: Steven Roger Fischer studierte Sprachwissenschaft in Neuseeland und an der Universität Heidelberg. Einige Jahre arbeitete er als freier Redakteur in Meersburg. Heute ist er Leiter des Instituts für Polynesische Sprachen und Literaturen an der Universität Auckland in Neuseeland. Er entzifferte die Rongorongo Schrift der Osterinseln und den Diskos von Phaistos (Kreta). ====

Anmerkungen

1) Wo diese Unterscheidung nicht gemacht wird, ist oft von Digitalisierung die Rede.
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2) N. Wiener bezeichnet im Titel seines Buches Kybernetik. Regelung und Kommunikation im Tier und in der Maschine mit dem Ausdruck Tier, dass er in Bezug auf Kommunikation von einer Funktion des Körpers spricht, die von Sprache unabhängig ist.
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