Soziales System        zurück ]      [ Index ]      [ Literatur-Index ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]           [ Mehr zum Thema N. Luhmann 

"Soziales System" steht als terminogisch gebundener Ausdruck im Zentrum der funktionalen Systemtheorie von N. Luhmann. Typische soziale Systeme sind Wirtschaft, Politik, Religion, usw.
Auf

www.autopoietische-systeme.de

, www.fen.ch und www.soziale-systeme.de gibt es viel Material dazu.


Kritischer Vergleich

Das, was in der funktionlen Systemtheorie mit "Soziales System" bezeichnet wird, bezeichnen ich als Handlungszusammenhänge, in welchen gedeutet wird. Handlungszusammenhänge sind keine Systeme, sie orientieren den deutenden Beobachter.

Bei H. Maturana gibt es eine Art soziale Systeme, die er als System 3. Ordnung bezeichnet. Er unterscheidet Einzeller und Metazeller als individuelle Formen von Leben und Organisationen von Metazeller als "soziale" Formen. Beispiele bei ihm sind Familien, Gruppen, Herden, Völker. Das "3." bezieht er auf seine 3-teilige Klassifikation. Das Wort sozial wird dabei umgangssprachlich verwendet.


In der funktionalen Systemtheorie werden drei Typen von sozialen Systemen unterschieden. Soziale Systeme (Interaktionen, Organisationen und die Gesellschaft) produzieren, reproduzieren und erhalten Kommunikationen. Sie operieren im Medium Sinn.

  • Interaktionen sind soziale Systeme, die eine physische Anwesenheit der Kommunikationspartner verlangen. Sie sind die einfachsten sozialen Systeme, aber zugleich die Voraussetzung von Gesellschaft.
  • Organisationen sind soziale Systeme mit privilegierten Personen als Mitglieder. Die Form der Kommunikation von Organisationen sind Entscheidungen. Sie basieren auf Entscheidungen und bilden die Grundlage künftiger Entscheidungen. Organisationen können im Gegensatz zu Funktionssystemen Mitglieder exklusiv aufnehmen und andere ausschließen.
  • Durch funktionale Differenzierung bilden sich in der Gesellschaft Teilsysteme heraus, die für die Gesellschaft exklusiv eine spezifische Funktion übernehmen (z.B. Wirtschaftssystem, Rechtssystem, Politisches System, Erziehungssystem... ).

    Augenfällig ist, dass bei N. Luhmann die Produktion als System fehlt, während etwa bei K. Marx die Gesellschaft als Produktion (oder als Produktionsverhältnisse) schlechthin verstanden wurde. Das Problem liegt darin, dass die Gesellschaft die Produktion mittels sozialer Systeme organisiert und deshalb die sozialen Systeme - die bei K. Marx als Ueberbau bezeichnet werden, ausdifferenziert. Alle sind - differentiell - für die Produktion zuständig, aber die Gesellschaft produziert. Die sozialen Systeme haben je eigene Aufgaben.


    Im Projekt Technologie als soziologische Systemtheorie versuche ich die Produktion als soziales System zu entwickeln, um die Grenzen der funktionalen Systemtheorie etwas auszuloten. Als Zwischenresultat liegt eine Skizze vor:

    Informatik als soziales System