potentielle Energie        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]         [ Meine Bücher ]

Potentielle Energie ist eine typisch verkürzte Redeweise, die einiges ducheinander bringt. Mit einem Liter Benzin kann ein bestimmtes Auto beispielsweise 10 Kilometer weit fahren. Dabei verbrennt das Benzin. Es ist danach nicht mehr vorhanden und kann deshalb nicht noch einmal verwendet werden. Das ist eine Erfahrungstatsache, die ich jenseits von Energie machen kann.
Dann kann ich beispielsweise sagen, dass ich mit dem Liter Benzin 10 Kilometer weit fahren könnte. Und solange ich es nicht gemacht habe, könnte ich es tun. Gammatikalisch spreche ich bei solchen Formulierungen vom Potentialis, einer Möglichkeitsform.
"Potentielle Energie" steht in dieser verkürzten Redeweise für etwas, was ich verbrauchen oder aufbewahren kann - was mit Energie ja gerade nicht geht, aber beispielsweise mit Benzin.


 

Mit der Redeweise von "potentieller Energie" verweise ich auf eine vorerst zurückgehaltene mechanische Wirkung, die sich als Bewegung einer Kraftmaschine zeigen würde.

Beispiel:
Das Wasser im Stausee würde einen Generator antreiben, wenn ich das entsprechende Ventil öffnen würde. Das Benzin würde mein Auto antreiben, wenn ich den Motor starten würde.
In beiden Fällen kann ich berechen, wieviel "kinetischen Energie" ich damit freisetzen würde, also wieviel Masse ich gegen welche Kraft bewegen würde.

Erläuterungen:
Natürlich würde das Wasser im Stausee nur genau dann Stromerzeugung bewirken, wenn ich es auf einen vorhandenen Generator leiten würde. Für Physiker hat das Wasser im Stausee auch potentielle Energie, wenn es kein Kraftwerk gibt. Es könnte beispielsweise bei einem Dammbruch sehr viel Schaden anrichten. Aber in jedem Fall ist die potentielle Energie eine Denkform eines Beobachters.
Das Wasser fällt als Regen vom Himmel und fliesst dann in einem Fluss zur Senke ins Meer. Dabei geht physikalisch gesehen die Energieladung, die das Wasser, als es durch Verdunstung zur Regenwolke geworden ist, von der Sonne aufgenommen hat, an die Umwelt zurück.
Wenn mit dem Wasser Strom erzeugt wird, geht die Energieladung in den Strom und später, wenn der Strom fliesst, an die Umwelt zurück. Technisch interessiert natürlich nur dieser Fall, bei welchem Maschinen angetrieben werden.

Technisch ist überdies eine weitere Unterscheidung sehr wichtig. Nämlich die räumlich und zeitliche Verfügbarkeit der Träger der potentiellen Energie. Die Unterscheidung betrifft, ob ich die Kraftmaschine zum Energieträger bringen muss, oder ob ich den Energieträger zur Kraftmaschine bringen kann. (Manche Menschen machen sogar davon abhängig, ob sie überhaupt von Kraftmaschinen sprechen).


Bildquelle: Wikipedia

Wenn ich mein Schiff mittels eines Segels bewege, bin ich davon abhängig, dass es der Wind weht. Wenn ich es mittels einer Dampfmaschine bewege, kann ich Kohlen an Bord nehmen.
Der elektrische Strom kann mit einer mächtigen Infrastruktur vor Ort gebracht werden. Aber für viele Verhältnisse brauchen wir überdies Batterien.


 
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