Ökonomie        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]     

Anmerkung: die eigentliche Differenz wird bei den Griechen eröffnet: Kann die Polis als Haus gesehen werden? So dass in der Polis ein Haushalt gesehen werden kann. Im Haus ist Gemeinschaft, in der Polis ist Gesellschaft. Es geht mithin darum, dass im Haus nicht getauscht wird (bei den Griechen, weil alles dem Patriarchen gehört), während in der Polis die Patriarchen sich durch "gerechten" Tausch vermitteln. Die Entfaltung der Ökonomie liegt in der Lohnarbeit, wo die Arbeitskraft zu Ware wird. (siehe auch Ökonomie-Konstrukte)


 

Umgangssprachlich wird Ökonomie (griechisch oíkos "Haus", nomos "Gesetz") für
1) Wirtschaftswissenschaft, -theorie
2) Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit
3) Wirtschaft, wirtschaftliche Struktur
... und für vieles mehr verwendet

siehe Öko

  

Der Ausdruck "Ökonomie" bürgert sich im 16. Jhd ein, ist aber ein typisches Renaissance-Konstrukt des 19. Jhd.
1552 Paolo Caggio: Iconomica, 1560 M. Giacomo Lantieri: Trattato Della Economica, 1615 Antoine de Montchrétiens: Traicté de l'économie politique. 1755 Jean-Jacques Rousseau: De l'économie politique. Artikel in der Encyclopédie 1776 Adam Smith: Inquiry into the nature and causes of the wealth of nations; dt.: Der Wohlstand der Nationen. 1803 Jean-Baptiste Say: Traité d'économie politique; 1807 dt.: Abhandlung über die National-Ökonomie 1817 David Ricardo: On the principles of political economy, and taxation. 1821 dt.: Die Grundsätze der politischen Ökonomie oder der Staatswirthschaft und der Besteuerung (Ökonomische Schriften (2400 v. Chr. - 1900) _ )

Der Ausdruck "Ökonomie" wurde von Aristoteles geprägt, der zwischen Ökonomik (Hausverwaltungskunst) und Chrematistik (Kunst des Gelderwerbs) unterscheidet. Andere Begrifflichkeiten, die bereits mit einem Werturteil behaftet sind, seien für Ökonomik die natürliche Erwerbskunst und für Chrematistik die widernatürliche Erwerbskunst. Natürliche Erwerbskunst (Ökonomik) Der Begriff der natürlichen Erwerbskunst zieht auf die Bedürfnisbefriedigung des Menschen ab. Die Ökonomik beschäftigt sich mit der Beschaffung und Bewahrung jener Güter, die für das Haus oder den Staat nützlich und notwendig sind. „In diesen Dingen besteht ja auch wohl einzig der wahre Reichtum.“ (Politik, 1256 b 30). Dieses wirtschaftliche System ist demnach geprägt durch das Bedarfsdeckungsprinzip. Kapitalakkumulation bzw. das Streben danach findet hier nicht statt. Da die Menge an Werkzeugen bzw. Instrumenten, die den Reichtum der Haus- oder Staatsverwaltung bilden, nach Größe und Zahl nicht unbegrenzt sei, könne auch der Reichtum nicht unbegrenzt sein. Aristoteles Überlegungen zum wirtschaftlichen Handeln sind eingebettet in philosophische Betrachtungen. In diesem Sinne merkt man an seinen Passagen, dass er eine starke normative Analyse betreibt, also dass er ständig auf der Suche, ist wie wirtschaftliches Handeln so betrieben werden kann, dass es zum Gemeinwohl, das man bei ihm sicherlich als übergeordnetes Ideal betrachten kann, beitragen kann. Diese Herangehensweise würden wir heute wohl unter dem Begriff Wirtschaftsethik abhandeln. Zurückkehrend zur natürlichen Erwerbskunst ist es auch durch ein Gerechtigkeitsprinzip durchdrungen. So beschreibt er den Tauschhandel zwischen Wirtschafssubjekten und führt dabei die Begriffe Gewinn und Verlust ein. Gewinn sei demnach gegeben, wenn man nach dem Tauschgeschäft mehr hat als davor. Verlust sei gegeben, wenn man weniger hat als davor. In der Mitte zwischen Gewinn und Verlust liegt nach Aristoteles die Gerechtigkeit. An dieser Stelle dürfte wieder das Bedarfsdeckungsprinzip zum Tragen kommen. Widernatürliche Erwerbskunst (Chrematistik) Der Ökonomik stellt er die Chrematisitk als Wirtschaftskunst gegenüber. Hier geht es darum, Geld zu akkumulieren. Der Tausch wird hier nicht zur Bedarfsdeckung betrieben oder um der Autarkie des Hauses und des Staates willen, sondern um Reichtum anzuhäufen. Diese Art der Wirtschaftskunst kommt in seinem Sinne auch deswegen zum Tragen als Folge der Einführung des Geldes als Tauschmittel. Aristoteles gibt ihr die Schuld daran, dass man häufig meine, Reichtum und Besitz seien unbegrenzt.

In der deutschen Sprache gibt es die Bezeichnung Wirtschaftslehre, womit spezifisch die Lehre, also nicht Theorie oder gar Wirtschaft oder Wirtschaftlichkeit bezeichnet wird. Vielmehr sind Theorie, Wirtschaft und Wirtschaftlichkeit Gegenstand der Lehre.
Die Oekonomie als Wirtschaftslehre umfasst neben Theorie und viel Statistik vor allem Rezeptbuchwissen (à la Keynes und Friedmann) darüber, wie man haushaltet, also was man im Haushalt wofür ausgeben kann oder soll. Ein wesentlicher Aspekt der Wirtschaftslehre beschreibt die Buchführung (Buchhaltung), durch die man den Stand der Dinge (Bilanz) und den Stand der Geschichte (Erfolgsrechnung) erkennen kann.
Die Oekonomie als Lehre wurde von den Merkantilisten differenziert, indem sie eine Volkswirtschaft erfanden, dies, indem sie eine Volkswirtschaftslehre (VWL) und quasi als Rückseite die Betriebswirtschaftslehre (BWL) begründeten. Sie (zuerst wohl A. de Montchrétiens im Traicté de l'économie politique) bezeichneten die Volkswirtschaftslehre als politische Oekonomie, weil sich die Lehre auf den Haushalt des Staates (Polis) bezieht. Als Synonym oder Uebersetzung erscheint auch National-Oekonomie, was den Ausdruck "politisch" relativiert.


 
[]