Die Macy Konferenz ... Die erste Sitzung war im Jahr 1946 ...Macy ist eine Stiftung, die mit Geldern einer reichen Familie gegründet wurde, um interdisziplinäre Forschung (hauptsächlich im Medizinbereich) zu betreiben. Die Leute, die sich an den Macy-Konferenzen trafen, kannten sich weitgehend aus den Forschungszentren der amerikanischen Armee (u.a. Manhatten-Projekt), die beispielsweise auch das copy-right auf Wieners "Cybernetics" hatte, und dieses aus rüstungstechnischen Gründen erst nach dem Krieg zur Publikation freigab.
Claus Pias hat 2003 die Tagungs-Protokolle herausgegeben.
Heinz von Foerster:97 schreibt: (Als Gast der 6. Macy-Konferenz am 24. und 25. März 1949 war ich von der Geschäftssitzung dieses Abends ausgeschlossen... in Kybernetik). "Die crème de la crème war da versammerlt. Warren McCulloch, John von Neumann, Gregory Bateson, Margraret Mead, Larry Frank ..... Ich dachte, wir müssten einen anderen Titel für die Konferenz haben, denn den, der diese Konferenz ankündigte Circular Casual and Feedback Mechanismen in Biological and Social Systems, also "zirkulär-kausale und Rückkoppelungsmechanismen in biologischen und sozialen Systemen", konnte ich ja kaum aussprechen ... und so schlug ich vor, die Konferenz einfach Cyberentics zu nennen, mit dem jetztigen Titel als Untertitel."
"Als Gast der 6. Macy-Konferenz am 24. und 25. März 1949 war ich von der Geschäftssitzung dieses Abends ausgeschlossen. Als man mich jedoch wieder hineinbat, verkündete mir der Vorsitzende Warren McCulloch, daß man aufgrund meiner schlechten englischen Sprachkenntnisse bemüht sei, für mich eine Möglichkeit zu finden, wie ich mir diese Sprache möglichst schnell und gründlich aneignen könnte. Und, wie man mir sagte, hätte man eine Möglichkeit gefunden. Mir wurde aufgetragen, den Sitzungsbericht der Konferenz zu verfassen, der so schnell wie möglich herausgegeben werden sollte. Ich war völlig platt! Nachdem ich mich wieder gefaßt hatte, sagte ich, daß mir der Titel der Konferenz "Zirkulär-kausale Rückkoppelungsmechanismen in biologischen und sozialen Systemen" zu schwerfällig erscheine, und ich mir überlegt hätte, ob diese Konferenz nicht einfach "Kybernetik" heißen und die gegenwärtige Bezeichnung als Untertitel benutzt werden könnte. Als dieser Vorschlag unmittelbar und einstimmig unter Gelächter und Applaus begrüßt wurde, verließ Norbert Wiener mit feuchten Augen den Raum, um seine Ergriffenheit zu verbergen" Heinz von Foerster, KybernEthik.
Gregory Bateson, Margaret Mead, Warren McCulloch, Frank Fremont-Smith, John von Neumann, Norbert Wiener, Arturo Rosenblueth, Kurt Lewin, Claude Shannon, Julian Bigelow, etc.
Zwischen 1946 und 1951 wurden unter dem Titel »Cybernetics. Circular Casual, and Feedback Mechanisms in Biological and Social Systems« insgesamt zehn Konferenzen unter der Schirmherrschaft der Josiah Macy, Jr. Foundation veranstaltet. Diese sogenannten Macy Conferences markieren das vielleicht folgenreichste wissenshistorische Ereignis der Nachkriegsgeschichte.
Auf den neuen begrifflichen Grundlagen von "Information", "Feedback" und "analog/digital" suchten sie eine universale Theorie der Regulation, Steuerung und Kontrolle zu entwickeln, die für Lebewesen wie für Maschinen, für ökonomische wie für psychische Prozesse, für soziologische wie für ästhetische Phänomene zu gelten beanspruchte. Diese Konzepte sollten in den folgenden Jahrzehnten in Biologie, Neurologie, Soziologie, Sprach- und Computerwissenschaften, aber auch in Psychoanalyse, Ökologie, Politik und Ökonomie ausschwärmen und eine epochale Schwellensituation von der Thermodynamik zur Kybernetik (Wiener), von der Disziplinar- zur Kontrollgesellschaft (Deleuze), von der Industrie- zur Informationsgesellschaft (Lyotard) markieren.
Die Macy-Konferenzen sind von herausragendem wissenschaftshistorischen Interesse, weil es sich bei ihnen nicht um abgeschlossene Texte handelt, sondern um interdisziplinäre Unterhandlungen, in denen noch an- und ausgeschlossen, aufgehoben und verworfen wird. aus: Claus Pias: The Macy-Conferences 1946-1953 (sieh oben)