eine inhaltliche Einführung
zu diesem Hyperlexikon
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Vorbemerkungen

Ein Hyperlexikon entsteht durch Auslagerungen von Textteilen aus einer Hyperbibliothek. Natürlich kann man die Lexikoneinträge als solche unabhängig von den Herkunftstexten - also quasi kontextfrei - lesen. Viele Einträge haben ihren primären Sinn aber natürlich in den Herkunftskontexten und lassen sich dort einfacher einordnen und "verstehen".

Nachdem sich ein Hyperlexikon ein Stück weit entwickelt hat, gewinnt es eine Eigendynamik gegenüber den Herkunftstexten, weil es auch in sich nach Kohärenz und Konsistenz sucht. Auf dieser Stufe kann man zur "Navigation des Verstehens" inhaltliche Perspektiven über das Lexikon legen, die unabhängig von den Herkunftstexten gewählt werden (aber natürlich auch eine Interpretation über diese Texte leisten). So wie wir verschiedenen Indexe und Register anlegen können, können wir verschiedene inhaltliche Perspektiven entwickeln.


"Begriffs-Analyse"

A. Turing hat vorgeschlagen, Begriffsanalysen anhand von Algorithmen, die er intuitiv "konzeptuelle Maschinen" nannte, durchzuführen. In diesem Lexikon verfolge ich den Vorschlag von A. Turing, ich verwende aber nicht "konzeptionelle" Maschinen oder Algorithmen, sondern eigentliche Artefakte, also Automaten, die ich in Erklärungen als Systeme bezeichne. Ich vermeide so die rein geistige Welt des Mathematikers und die Konfusionen, die A. Turing mit seinem abgehobenen Denken verursacht hat.


Systemtheorie 2. Ordnung

Eine mögliche Perspektive bietet die "Systemtheorie 2. Ordnung". In dieser Perspektive unterscheide ich zwei Beobachterperspektiven, einen deutenden und einen konstruierenden Beobachter. Der deutende Beobachter nimmt Phänome in Handlungszusammenhängen wahr, der konstruierende Beobachter rekonstruiert Phänomene - und insbesondere auch sich selbst - als Systeme.

In dieser Perspektive wird jedes Phänomen auf zwei Arten beschrieben, in seiner Funktion und in seiner Funktionsweise. Die zwei Beschreibungen machen den jeweiligen Einfluss der Perspektive explizit und helfen so, die Phänomene als perspektivisch zu erkennen. Was ich nicht mindestens auf zwei von einander unabhängige Arten beschreiben kann, kann ich gar nicht beschreiben.

Die konstruktive Perspektive repräsentiert das mechanisch-physikalische Weltbild der "toolmaking animals", das ich als Engineering bezeichne. Die deutende Perspektive repräsentiert den in die Um-Welt projizierten Sinn des eigenen Handelns, der quasi-autopoietische Handlungszusammenhänge wie Sprache, Recht, Wissenschaft, Kunst usw. konstituiert.

Unter dieser Perspektive erscheinen Formulierungen, die der praktischen Intuition des Alltages zuwiderlaufen, als perspektivisch lesbar. Sprache beispielsweise erscheint als Handlungszusammenhang, der die Geräusche und Gesten, die Menschen von sich geben, sinnhaft macht. Diese Geräusche und Zeichen setzen gehören für mich zur Sprache, wenn oder weil ich sie als Handlungen in diesem Zusammenhang verstehe. Die (Hyper-)Bibliothek erscheint als Handlungszusammenhang, der bestimmte Operationen in bezug auf Text sinnhaft macht. Dass ich den Ausdruck "Bibliothek" auch für eine bestimmte Institution verwende, zeigt mir, dass ich diese Institution und deren Artefakte ebenfalls diesem Handlungszusammenhang zuordnen kann. Solche Zuordnungen sind Kultur, und meine Kultur erkenne ich an den Perspektiven, die ich verwende. - Natürlich frage ich mich, in welch anderen Kulturen dieses Lexikon auch gelesen werden könnte.

Und eine ganz kritische Frage ist, in welchen Kulturen, respektive unter welchen Perspektiven Lexika wie jene von Brockhaus, Britanica und Duden Sinn machen. Naiv gesehen, enthalten diese Lexika Fakten und ganz naiv gesehen, treten diese Fakten als autorenunabhängige Wahrheiten auf. Nur - wer ist so naiv?


Alte/erste Version

Das Hyper-Lexikon ist Bestandteil einer Hyper-Bibliothek. Es ist - wie das Wort mit seinem Vorspann sagt (!) - ein spezifisches Lexikon, es hat eine spezifische Funktion.

Häufig werden Lexika pragmatisch interpretiert, also so, dass sie Wissen über die Welt abbilden. Unter "Paris" steht dann, was es im wirklichen Paris zu sehen gibt, unter "Liebe" steht dann, was dieses Wort wirklich "bedeutet", usw.

Im Hyper-Lexikon stehen definitive Wort-Ersetzungen, die in der Hyper-Bibliothek einsetzbar sind.

Das Hyper-Lexikon entwickelt sich in einem dynamischen Prozess, in welchem es definitiver wird, also nur noch Definitionen enthält. Wo Definitionen noch nicht ent-wickelt sind, stehen provisorische Umschreibungen.

Das Hyper-Lexikon ist das Produkt des Hyper-Sprachspieles.