Fremdreferenz        zurück ]      [ Index ]      [ Literatur-Index ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]     

Als Fremdreferenz bezeichne ich Beschreibungen, die in einem bestimmten Sinn "von aussen" kommen und in einer Perspektive geschrieben sind, die dem beschrieben System nicht zur Verfügung steht.

Beispiel:
Ich unterscheide zwei Arten des Spielens, ein kindliches, unreflektiertes Spielen, in welchem ich gar nicht weiss, dass ich spiele, und ein Spielen, in welchem ich Regeln oder Spielbegrenzungen reflektiere, die als Spiel aufgefasst werden können. Wenn ich nicht weiss, dass ich spiele, bin ich vertieft und mache die Unterscheidung Spielen versus nicht Spielen gerade nicht. Das heisst, nur andere können dann für wahrnehmen, dass ich spiele, ich selbst kann es nicht sehen. Die andern sagen mir, was ich mache!

Als Fremdbeschreibung bezeichnet die funktionale Systemtheorie Zurechnungen, die in anderen Systemen gemacht werden. Ein System kann Fremdbeschreibungen als Störungen wahrnehmen und verrechnen.

Beispiel:
Das Funktionssystem "Technik" wird in anderen Systemen mit Katastrophen (Tschernobil, Supergau) oder mit der Unterscheidung "funktioniert/funktioniert nicht" beschrieben. In der Selbstbeschreibung der Technik hat das keine Relevanz. Die Technik kann solche Fremdbeschreibungen verrechnen, das heisst mit eigenen Operationen darauf reagieren, was aussen die Fremdbeschreibung unterstützen kann.

==> Selbstreferenz


 

"Verstehen ist in Sinnsystemen die Beobachtung mit Hilfe des Schemas Selbstreferenz/Fremdreferenz. Kommunikativ wird diese Position erfüllt durch die Aufsplittung eines Ereignisses in Mitteilung/Information durch die Selektion Verstehen, also durch die Operation, die an der einen oder anderen Seite anschließt: Entweder an der Mitteilung, in der sich Kommunikation auf sich selbst, oder an der Information, in der Kommunikation sich auf Nicht-sie-selbst bezieht. Es geht also um die Beobachtung dessen, wie sich ein System in sich selbst von der Umwelt unterscheidet. Psychisches Verstehen besetzt diese Position dadurch, daß es am Verhalten von Leuten (in die sie nicht hineinschauen kann), aber etwa auch an Texten, zu beobachten sucht, wie die Leute, die Texte mit sich selbst umgehen." (Fuchs, Luhmannliste, 17.6.2009)