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Ich unterscheide Familie (mit E) und Familia (mit A am Ende)

Als Familie bezeichne ich eine durch die Rechtsform Ehe begründete Lebensgemeinschaft, die im neueren westlichen Kulturkreis meist aus Eltern und Kindern besteht. Man kann darin einen Verfall der Famila zu demokratischeren Formen erkennen. Immer noch herrscht die Ideologie, wonach die Familie das Element der Gesellschaft darstellt, was bei Familia einen ganz anderen Sinn machte als bei der Familie. Die Familia war lässt sich als Fragment einer Vergesellschaftung sehen, während die Familie (in real-demokratischen Gesellschaften wie etwa der heutigen Schweiz) ein Vollstreckungsrecht einer spezifischen Assymetrie in den Privathaushalten darstellt.
Die (moderne) Familie resultiert aus den Ehevertrag (und ähnlichen Verträgen die beispielsweise die Adoption regeln) und schützt die Interessen der Vertragspartner, die einerseits im Zugriff auf Kinder und Allimentationen und andrerseits in der Güter- und Erbschaftsregelung bestehen. Die Familie hat jede Funktion, die sie vor der gesellschaftlichen Ausdifferenzierung gehabt haben mochte, verloren - sie ist das Private schlechthin geworden und in rapider Auflösung.

Die jährliche Anzahl der Eheschließungen und Ehescheidungen hat sich in Deutschland folgendermaßen entwickelt:

Eheschließungen und Scheidungen in Deutschland:

Jahr
1990
1995
2000
2005

  

Eheschließungen
516.388
430.534
418.550
388.451

  

Jahr
1990
1995
2000
2005

  
Jahr Ehe- scheidungen Zusammengefasste Scheidungsziffern nach 25 Ehejahren (in %) Zusammengefasste Scheidungsziffern nach 45 Ehejahren (in %)
1990 516.388 154.786 27,4 29,3
1995 430.534 169.425 30,9 33,2
2000 418.550 194.408 37,3 40,3
2005 388.451 201.693 40,4 44,2 Quelle: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, BiB-Mitteilungen, 04/2007 vom 11. Februar 2008, S. 13


Die sichre Vaterschaft der Kinder beruhte nach wie vor höchstens auf moralischer Überzeugung, und um den unlöslichen Widerspruch zu lösen, dekretierte der Code Napoleon Art. 312:
"L'enfant conçu pendant le mariage a pour père le mari; das während der Ehe empfangne Kind hat zum Vater - den Ehemann." (me21, Der Ursprung, S.70)

Da nun die Monogamie aus ökonomischen Ursachen entstanden, wird sie verschwinden, wenn diese Ursachen verschwinden?
Man könnte nicht mit Unrecht antworten: Sie wird so wenig verschwinden, daß sie vielmehr erst vollauf verwirklicht werden wird. Denn mit der Verwandlung der Produktionsmittel in gesellschaftliches Eigentum verschwindet auch die Lohnarbeit, das Proletariat, also auch die Notwendigkeit für eine gewisse - statistisch berechenbare - Zahl von Frauen, sich für Geld preiszugeben. Die Prostitution verschwindet, die Monogamie, statt unterzugehn, wird endlich eine Wirklichkeit - auch für die Männer. (77)

Auch der Staat erkennt im öffentlichen Recht keine Familie an; sie existiert bis heute nur für das Privatrecht. Und dennoch geht unsre ganze bisherige Geschichtsschreibung von der, namentlich im achtzehnten Jahrhundert unantastbar gewordnen, absurden Voraussetzung aus, die monogame Einzelfamilie, die kaum älter ist als die Zivilisation, sei der Kristallkern, um den sich Gesellschaft und Staat allmählich angesetzt habe. (100)