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Als Empirie bezeichne ich einen Deutungszusammenhang, in welchem durch Zählen und Messen quantifiziert wird.

Zählen und Messen machen einige Voraussetzungen, die man in der Empiriekritik (Empirismus) untersucht.


Den Ausdruck Empirie verwende ich in drei verschiedenen Zusammenhängen.

1) für Naturwissenschaften. G. Galilei sagte: Miss, was messbar ist, und mache messbar, was noch nicht gemessen werden kann.

2) Empirie im eigentlicheren Sinn bezieht sich nicht auf eine einzelne Messung (und nicht auf die Wiederholung einer Messung), sondern auf Erhebungen, die sinnvollerweise statistisch bewertet werden. Diese Art der Empirie begründete die Sozialwissenschaften, vor ab die Soziologie und die Oekonomie aus der Praxis des staatlichen Zensus.
Die methodische entwickelte Statistik wurde dann später auch von Naturwissenschaften übernommen (wodurch die Unterscheidung ein relevantes Kriterium verlor).

3) Empirísmus als eine methodologisch an den Naturwissenschaften orientierte erkenntnistheoretische Auffassung, die etwa im Gegensatz zum Rationalismus davon ausgeht, dass jedes Wissen von der (begriffsfreien) Erfahrung abhänge und ihrer Kontrolle unterliege. Locke, Berkeley und Hume sind Vertreter des klassischen Empirismus.


Konstruktivistische und empirische Forschung

Diskussion:

Im Dritten Siegener Gespräch über Radikalen Konstruktivismus LUMIS (J.S. Schmidt u.a.) gibt es einen interessanten Dialog über die "konstruktivistische Methodologie".

Die LUMIS-Gruppe vertritt einen empirischen Forschungsansatz, was in den Augen von E. von Glasersfeld bedeutet, dass sie durch Empirie herausfinden will, wie die Wirklichkeit wirklich ist, was naturgemäss relativ schlecht verträglich ist mit den konstruktivistischen Postulaten.
Auszug aus der Seite 358:
EvG: Wenn ich das richtig verstehe, dann möchte ein empirischer Sozialwissenschaftler herausfinden, wie das in Wirklichkeit funktioniert. Wenn Sie das konstruktivistisch anfangen , wüde ich sagen, dann fängt man von der anderen Seite an. Man macht sich erst eine Theorie ... und dann fragt man sich .... Wie viele Punkte finde ich, die es mir möglich machen, mit dieser Theorie in der Erfahrung etwas zu erklären oder möglicherweise vorherzusagen.

Natürlich sind die LUMIS-Leute mit dieser Aussage nicht glücklich und zerreden in der Folge die Wissenschaft so, dass diese sowieso konstruktivistisch sei, und es deshalb keine eigens konstruktivistische Methode brauche oder gebe.

Anmerkung zu einer Aufhebung:
Methodologisch kann man die Empirie als Messung begreifen und dabei offen lassen, was gemessen wird. Die Operation des Messens erzeugt Messresultate jenseits von Wirklichkeit/Nicht-Wirklichkeit. Wenn ich mit einem Massstab eine Fahnenstange messe, finde ich beispielsweise 7,8 Meter als Resultat, unabhängig davon, ob die Fahnenstange und der Massstab in Wirklichkeit existieren oder nicht.
So gesehen ist die Empirie unproblematisch, aber allfällige Folgerungen aus der Empirie können beliebig unsinnig sein.
Wenn man wie ich den Konstruktivismus auf Formulierungen bezieht, kann man Messungen als Operationen oder als Experimente erzählen: Ich habe dies und das gemacht und dabei dies oder das gefunden. Ich meine nicht, dass es so sei, aber ich meine, dass ich dieselben Resultate wieder bekommen würde, wenn ich die Messung wiederholen würde.


 
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