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Anmerkung:
Im umgangsprachlichen Ausdruck Gefühl ist die englischsprachige Unterscheidung zwischen feeling und emotion aufgehoben. Hier verwende ich den neudeutschen Ausdrücke Emotion im Sinne des englischen emotion.

Zur Zeit habe ich noch eine unsortierte Anhäufung von Ideen zu diesen Ausdrücken: Aspekte zu Gefühl und Emotionen. Siehe dazu auch Empfindung und Affekt.

"Emotion" ist ein psychologistischer Ausdruck, der durch die kognitivistische Wende neu aktiviert wurde. Der Ausdruck ist kein Begriff, sondern eine Sammelbezeichnung wie etwa Material oder Metall. "Emotion" bezeichnet eine Menge von Erregungen, die das Subjekt (der Erregung) bewertet und qualitativ als gleichartig erlebt. Bestimmte Erregungen sind qualitativ so ausgeprägt, dass sie benannt werden, etwa Furcht, Aerger oder Zorn. Die Menge der gemeinsamen Eigenschaften dieser benannten Erregungen nennen wir Emotion.

Quasi-etymologisch steck im Ausdruck E-motion eine Erregung, die Handlungen motiviert (Dieser Aspekt wurde in der Kritischen Psychologie entwickelt: Emotionen sind Zustände, die angestrebt oder vermieden werden).

Emotionen haben grossen Einfluss auf unser Verhalten. Deshalb sind Emotionen auch Ziel der Medien und der Werbung. Die Werbung soll Emotionen schaffen, die ein bestimmtes Verhalten bewirken, das heisst die Werbung zielt nicht direkt auf das Verhalten. Menschen streben nach Verbesserungen und durch Werbung haben sie das Gefühl einer optimierten Version von sich selbst näher kommen zu können, wenn sie bestimmte Produkte verwenden ein Statussymbol für sich beanspruchen. Dabei ist TV-Werbung zum Thema Autos immer besonders auf die emotionale Ebene konzentriert aufbereitet. Doch es müssen nicht immer die großen Träume sein, die angesprochen werden und verschiedene Arten von Werbung werden genutzt um potenzielle Kunden zu erreichen.

Emotionen reagieren auf alle Sinne, weshalb sie mit Werbeartikel grundsätzlich besser erreicht werden als mit blossen Inseraten. Werbeartikel hat man auch in den Händen, nicht nur in den Augen. Die Erinnerung wird so auch haptisch unterstützt. Unternehmen wie DPD lassen zum Beispiel Planentaschen bedrucken. Trendige Logo-Taschen die man nicht einfach in einem Mode-Geschäft kaufen kann wirken doppelt, weil auch andere Menschen, die solche Artikel gerne verwenden, emotional miteinbezogen werden.

Anmerkung:
In der deutschen Umgangs-Sprache verwenden wir den Ausdruck "Gefühl", der wesentlich weiter gefasst ist und in welchen insbesondere auch die englischsprachige Unterscheidung zwischen feeling und emotion aufgehoben ist.


Als "Emotionen" bezeichnen wir 'psychische' Zustände , die durch das Bewerten einer Situation entstehen.
Es ist nicht allein die Bewertung, die den Zustand definiert resp. die Psyche strukturiert, sondern die Instanz (das Ich), die vorausgesetzt werden muss, um die Bewertung vorzunehmen und aufrecht zu erhalten.
Ich bewerte, also bin ich. Wer nicht bewertet, hat keine Emotionen und kann sein Ich nicht erfahren.

Duden: Emotion; lat. (Gemütsbewegung), emotional, emotionell (gefühlsmässig)
Wahrig: Emotion; Gefühls- Gemütsbewegung, Erregung
Vgl. dazu im Gegensatz Gefühl
Vgl. Euler/Mandl, 1983

Emotionen entstehen aus der Differenz zwischen Anspruch (Ideal) und Realität (Unvollkommenheit).

"Eine psychische Unruhe, wie sie durch Angst, Eitelkeit, Wut, Hass, Neid, Vorfreude usw. entsteht, hat nicht nur negative Auswirkungen auf die Atmung und den Körper, sondern überhaupt auf die gesamte Wahrnehmung und das Denken. Wer in Kämpfen in derartige Emotionen kommt, kann daher seine Kampfkraft nicht optimal ausschöpfen. Aus der Sicht des Zen-Buddhismus ist die Hauptursache für die psychischen Unruhe die Vorstellung eines substanziellen 'Ich', der 'Ich-Wahn' " (Tiwald, 1981, 59).

Emotionen setzen ein 'Ich' voraus! Ein Ich, das Ziele setzt, damit Soll und Ist verglichen und die Situation bewertet werden kann!
Es gibt keine Emotionen ohne Ziele!
Bei der Emotion liegt der Sinn im Ziel, nicht im Weg.

"Der Mensch hat eine Realität und diese Realität ist immer unvollkommen und daher Leid. Er hat aber auch Ideale, die seinem Streben die Richtung geben. Mit beiden muss er umgehen lernen, damit er die Mitte gewinnt. Zu beiden muss er eine sachgerechte emotionale Beziehung finden und aus der Mitte dieser beiden Beziehungen sein praxisorientiertes Tun entwickeln" (Tiwald, 1981, 66).

"Aus der Sicht einer auf dem Zen-Buddhismus basierenden Bewegungs- und Trainingstheorie braucht der Kämpfer daher vier miteinander verknüpfte Emotionen, um die Fähigkeiten zum Lustverzicht und zur Unlustüberwindung zugunsten selbstgesetzter Ziele zu erlangen: 1. den 'Mut zur Liebe'; 2. die 'Liebe zum Mut'; 3. die 'Liebe zum Ideal'; 4. den 'Mut zum Unvollkommenen' " (Tiwald, 1981, 67).

Ein Beispiel für die Unterscheidung von Emotion und Gefühl ist das Tennis-Spiel. Der Partner (resp. die Maschine) spielt mir den Ball zu und ich spiele ihn zurück. Alles was ich (physisch) mache, um den Ball an den von mir bestimmten Ort mit der von mir bestimmten Geschwindigkeit usw. in die Platzhälfte des Partners zu spielen, kann als gesteuerte Bewegung aufgefasst werden. Die Informationen (Energie) zur Steuerung der Bewegung stammen von den Sinnesorganen - Optik, Akustik, Tastsinn - wobei die Sinneseindrücke (Quantität) entsprechend den Ziel-Vorgaben (Geschwindigkeit, Richtung, usw. ) qantitativ optimal im Bewegungsapperat umgesetzt werden. Die Fähigkeit dieser Umsetzung wird als Gefühl bezeichnet. (Um die einzelnen Umsetzungskomponenten zu schulen, könnten sie isoliert trainiert werden - mit verbundenen Augen nur nach Gehör schlagen, mit verstopften Ohren nur nach Sicht schlagen). Wird die Umsetzung, unabhängig davon ob sie optimal gelingt oder nicht, auch nicht bewertet, so ist Gefühl alles, was im Spiel ist.

Wird die Umsetzung hingegen bewertet, so entsteht Emotion. Der Ball war gut -, schlecht -, zu schnell -, zu langsam -, zu kurz -, usw. gespielt. Ich freue -, ärgere -, schäme mich, usw. Emotionen setzen eine Bewertungsinstanz voraus. Das Gefühl an sich gibt es nicht. Es entsteht und ist aufgehoben in der Umsetzung. Was allenfalls bleibt, ist die Erinnerung an das Gefühl (Erfahrung).

Die Emotion an sich hingegen existiert. Wenn jemand sagt: "Ich habe ein gutes Gefühl", dann ist mit Gefühl eine Emotion gemeint!

Als "Emotion" bezeichnen wir eine Gemütsbewegung (psychischer Zustand), die entsteht, wenn eine (potentielle) Handlung nicht (bewusst) über die Sinnesorgane gesteuert werden kann.

In dieser Formulierung erscheinen Emotionen negativ! Gibt es positive Emotionen? Die Definition müsste so lauten, dass keine Wertung abgeleitet werden kann!

Selbstwertenden Emotionen im Leistungshandeln (vgl. Geppert/Heckhausen, 1990 , 173) "Waren die Kinder früher fertig, lösten sie die Augen vom eigenen Werk, lächelten und schauten triumphierend auf den Verlierer. Sie richteten ihren Körper auf und warfen z.T. ihre Arme in die Höhe, gleichsam um ihr 'Ich zu vergrössern'. Wurden die Kinder später fertig, fiel ihr Oberkörper zusammen, der Kopf senkte sich, Augen und Hände hafteten am eigenen Werk, wodurch sie sich einer Kontaktaufnahme mit dem Gewinner entzogen".

Diese Beschreibung stützt meine vorläufige Definition: 'Als "Emotionen" bezeichnen wir 'psychische' Zustände, die durch das Bewerten einer Situation entstehen'.

Lernen würde in dieser Situation bedeuten, das Verhalten, z.B. das Senken des Kopfes wahrzunehmen und durch ein anderes Verhalten, z.B. den Kopf heben, zu ersetzen, um etwas anderes zu fühlen und damit der Situation eine andere Bedeutung (Emotion) zu verleihen. In dieser Aussage steckt die Annahme, dass die Emotion eine Abbildung eines Verhaltens ist. Das (verhaltensspezifische) Gefühl ist das Kopfheben oder das Kopfsenken. Wir sind in der Lage, im Zusammenhang mit einer bestimmten Situation das (Verhaltens-)Gefühl des Kopfhebens anders zu bewerten als das (Verhaltens-)Gefühl des Kopfsenkens. Wollen wir in Bezug auf eine bestimmte Situation etwas verändern (lernen) müssen wir in dieser Situation das Verhalten (Gefühl) ändern.

Vgl. ahle, 1982 ,1f, der darauf verweist, dass das Konzept der Emotion in der Soziologie bei den Klassikern Hume, Weber, Dürkheim, Parsons, Gehlen ... wesentlich ist, aber bei keinem dieser Autoren in eine explizite Theorie mündet. "Die Emotionen sind (...) Folge und Anzeichen individualisierter Lebensformen. Sie müssen problematisiert, definiert und verfeinert werden, da ihnen jetzt zugemutet wird, die Lebens- und Handlungsführung zu übernehmen. Der Handelnde folgt allmählich nicht mehr 'konvetionellen' Handlungsanweisungen, sondern lässt seine 'innere Stimme' entscheiden, oder jedenfalls geraten Inneres und äussere Anforderungen häufig in eine Konfliktsituation (...).

Um aber diesen Wandel in der Handlungssteuerung zu erklären, müssten wir über eine tragfähige Theorie der Individulatiät und der Emotion verfügen. Natürlich haben wir in Dürkheim und Weber die grossen Klassiker der Individualität (s. 'Le Suicide' von Durkheim oder 'Die protestantischen Ethik und der Geist des Kapitalismus' von Weber) vor uns, aber für eine umfassende Betrachtungsweise benötigen wir eine ebensogute Erklärung der Emotionen" (ebd. 2f). "Nun gibt es kaum eine prominente Soziologische Theorie, die sich nicht mit dem Phänomen der Emotion beschäftigt hat" (ebd. 3).

Emotion und Gefühl stehen zueinander wie Denken und 'sinnliche Leistung'. Das jeweils Letztere können wir mit Maschinen bewältigen, das jeweils erstere nicht (vgl. Eintrag von Todesco unter dem Stichwort Zen ). Mensch-sein müsste demnach heissen Emotionen-haben und Denken-können!

Wenn es sich so verhält, dass "Emotionen in dem Moment (entstehen), wenn die höheren Hirnzentren keine adäquate Antowort auf die perzipierte Situation gewährleisten können oder wenn es Zweifel und Schwankungen bezüglich der Möglichkeit einer erfolgreichen Antwort gibt" (Simonow, 1975, S. 20), dann haben offenbar diejenigen Personen Emotionen, die nicht immer schon wissen, wie es ist. "Nach HODGE ist die Stärke der emotionellen Reaktion umgekehrt proportional den Möglichkeiten der höheren Zentren des Gehirns zu einer adäquaten Reaktion auf die gegebene Situation. Emotionen - behauptet HODGE - stellen immer ein Versagen der Integration auf dem Niveau der Hirnrinde dar" (ebd. 20).

"Emotionen drücken das Verhältnis zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit aus ... Die Emotionen sind mit Informationsprozessen und Kontrollmechanismen verbunden ... Auf der Grundlage von Erfahrungen entstehen Emotionen jedesmal, wenn die Wahrscheinlichkeit der Handlungsbekräftigung niedrig ist" (PRIBRAM, 1967, zitiert in: ebd. 22). "Die Emotion ist eine Widerspiegelung der Stärke des Bedürfnisses und der Wahrscheinlichkeit seiner Befriedigung im gegebenen Moment durch das Gehirn" (ebd. 48). "In seiner Gesamtheit ergeben die rationale und die emotionale Form der Widerspiegelung bezogen auf die Bedürfnisse des Subjekts die vollständigste Abbildung der Wirklichkeit. Die Emotionen gewährleisten die auf den ersten Blick paradox erscheinende Einschätzung des Grades an Nichtwissen. Darin drückt sich einer der tiefsten dialektische Widersprücke im Dasein lebender Systeme aus, die mit Bedürfnissen ausgestattet sind, aber bei weitem nicht immer die garantierte Möglichkeit zu ihrer Befriedigung besitzen" (ebd. 50).

"Negative Emotionen gewährleisten in der Regel die Erhaltung dessen, was druch die Evolution oder in der individuellen Entwicklung des Subjektes bereits erreicht wurde. Die positiven Emotionen revolutionieren das Verhalten, indem sie dazur anregen, neue noch unbefriedigte Bedürfnisse zu suchen, ohne die Genuss undenkbar wäre" (ebd. 63).

"Wie wir bereits gezeigt haben, entstehen negative Emotionen im Zustand pragmatischer Unbestimmtheit bei einem Defizit der für die Organisierung der Aktion notwendigen Information. Es ist einsichtig, dass gerade in dieser Situation eine dominante Reaktion auf Signale, die für das Subjekt noch nicht eindeutig sind, am zweckentsprechendsten ist. Ähnlich der vegetativen Mobilisierung ist eine solche Reaktion überschiessend und unökonomisch, sie verhindert aber, dass ein wirklich wichtiges Signal übersehen wird, dessen Nichtbeachtung das Leben kosten kann. Dabei wird die Bedeutung der Emotionen klar. Sie sind kompensatorischer Natur" (ebd. 79f).

"Die kompenstorische Funktion der Emotionen wird schliesslich auch darin deutlich, dass sie als ein zusätzliches Mittel der Kommunikation zwischen den Mitgliedern der Gemeinschaft dienen können. Viele Beispiele zeigen, dass der Grad emotionellen Ausdrucks in direkter Abhängigkeit zur Uneffektivität anderer Möglichkeiten der sozialen Beeinflussung steht. Die menschliche Rede wird umso emotioneller, je weniger wirksam die logischen Begründungen des Redenden sind" (ebd. 82). Emotionen sind messbar (vgl. ebd. 85f).

Positive Emotionen: "Zahlreiche Experimente an Tieren und Beobachtungen an Menschen weisen auf die besondere schöpferische Produktivität der positiven Emotionen hin. Trainiert man Ratten in einem Labyrinth und nimmt dann Teile der Absperrungen weg, so stellt sich folgendes heraus: Ratten, die als Bekräftigung Nahrung erhielten, beginnen den kürzesten Weg zu suchen, d. h. sie lösen die Aufgabe schöpferisch. Tiere, bei denen der bedingte Reflex auf einen Schmerzreiz hin ausgearbeitet wurde, wiederholen stereotyp den einmal gefundenen Weg (SCHELKUNOW, 1969). Der angseinflössende Schmerzreiz hemmt deutlich die Suchaktivität der Tiere. (...) Diese Gesetzmässigkeit stimmt gut mit der von uns vorgeschlagenen Theorie der Emotionen überein. Da die negativen Emotionen in einer Situation mit Informationsdefizit entstehen, engen sie unweigerlich das Zielfeld des Subjektes ein und lenken es auf die Suche nach den fehlenden Informationen. Die positiven Emotionen entstehen unter den Bedingungen einer 'positiven Nichtübereinstimmung' wenn das Erreichte die Erwartungen übersteigt, wenn die Wahrscheinlichkeit, das Ziel zu erreichen grösser wird. Deshalb fördern die positiven Emotionen nicht nur die zielgerichtete Aktivität und das Enstehen neuer Bedürfnisse, sondern zeigen auch eine Tendenz zur Informationsabgabe in ihren unterschiedlichsten Formen, angefangen von der Verstärkung der direkten zwischenmenschlichen Kommunikation bis zur Schaffung von Kunstwerken" (ebd. 89).

"Unser Emotionssystem und seine integrierten Gegenkontrollmechanismen sind im Prozess der biologischen Evolution entstanden. Eine evolutionäre Anpassung an die sich rapide verändernde Kultur mit ihren technologischen Merkmalen ist nicht möglich, die bisher im Vordergrund stehenden Bemühungen, das emotionale Geschehen kognitiv zu steuern und zu unterdrücken, sind dort, wo es gelingt, häufig Ursache psychopathologischer Störungen und anderer gesundheitlicher Probelme. (...) Die Gentechnologie selbst stellt ein gutes Beispiel dar, wie der Mensch mit Hilfe seiner Grosshirnrinde Bedingungen herstellen kann, denen er emotional nicht gewachsen ist. Vielleicht wäre es doch einige Überlegungen wert, ob nicht die Entwicklung der Kultur, die gesellschaftlichen Normen und Strukturen stärker an den emotionalen Voraussetzungen des Menschen orientiert sein sollten!" (Rost, 1990, 15f).

"Obwoh Emotion und Vernunft oft als Gegensätze hingestellt werden, sind sie nicht notwendigerweise miteinander unvereinbar. Es ist tatsächlich manchmal sehr vernünftig, emotional zu reagieren, und sehr unvernünftig, es nicht zu tun ... Die Rolle der Emotion in unserem Verhalten können wir mit Piaget wie folgt zusammenfassen: Er betrachtet die Emotion oder den Affekt als die das Verhalten antreibende Kraft, während die Vernunft oder die mehr intellektuellen Faktoren die Richtung des Verhaltens bestimmen. Es ist klar, dass ein Lernprozess sich nicht ohne Interesse vollziehen kann; Interesse ist eine Emotion.>> Ich möchte in aller Bescheidenheit noch einen Schritt weitergehen und behaupten, dass die Emotion nicht nur die antreibende Kraft ist, sondern auch noch die Richtung unseres Verhaltens bestimmt; der Vernunft ist allenfalls die Funktion eines Kraftverstärkers zuzubilligen - und die Erde bewegt sich doch!, aber eben nicht das Gefühl um die Vernunft, sondern die Vernunft um das Gefühl! Die Täuschung, der wir unterliegen" (Rost, 1990, 17).

Emotionen entstehen dann, wenn für eine Sache kein Gefühl entwickelt werden kann. Das 'Gefühl für eine Sache entwickeln', kann als (nach aussen gerichtete) Handlung bezeichnet werden. Das 'für eine Sache kein Gefühl entwickeln' kann als eine (nach innen gerichtete, kompensatorische) Handlung bezeichnet werden, die als Emotion aufgefasst wird. Emotionen sind demzufolge nicht gegeben, sondern sie entstehen in der Auseinandersetzung mit dem Milieu. Gedanke enstanden im Zusammenhang mit der Lektüre von Rost, 1990, S. 45, bei den Gegensatzpaaren von Kruse.

Vgl. Leventhal, 1980 , der unter anderem auf Darwin verweist.

"Das Webersche Paradigma einer Soziologie der Emotionen umfasst drei Begriffsebenen:
a) das Verstehen im Nachvollzug von Gefühlsabläufen, (Vgl. Weber, 1976 (1), 3 / Anm. ot)
b) das affektuelle Handeln, (ebd. 12 / Anm. ot)
c) den Typus der Vergemeinschaftung (ebd., 21 / Anm. ot)

Obwohl Weber im Gemeinschaftshandeln bereits einen systematische Typologie vorbereitet hatte, konnte er eine soziologische Theorie der Emotionen nicht weiter entwickeln, da ihm druch den Begriff des rationalen Handelns der Blick hierfür verstellt war. Es bedrufte erst eines Frotschrittes in zwei zentralen Bereichen.

Zuerst musste die solipsistische Einstellung Webers überwunden werden. Dies haben unabhängig voneinander Talcott Parsons, Alfred Schützt und George H. Mead unternommen. Bei dem erstgenannten Autor schlägt sich diese in der schrittweisen Lösung vom dichotomischen Handlungsparadigma nieder und mündet in die Erkenntnis ein, dass die Handlung immer symbolischen Charakter hat und damit kathektisch/kognitive Anteile besitzt. Bei dem zweiten Autor wird der subjektive Sinn Webers in den objektiven Sinnzusammenhang überführt, der den Rahmen für die Interpretation von Emotionen bildet. Emotionen sind in diesem Zusammenhang keine isolierten psychischen Daten, sondern in Sinn- und Erfahrungshorizonte eingebettet. Bei Mead schliesslich wird Handeln durch das Hineinversetzen und in der Rollenübernahme konstituiert, wobei Emotionen objektiviert werden. Der zweite Fortschritt war die Bildung des Symbolbegriffes. Je mehr Parsons an dem Symbolbegriff arbeitete, desto klarer wurde ihm, dass eine Scheidung von rational und expressiv unmöglich war und durch die Frage ersetzt werden musste, wie hoch sich in einer bestimmten Phase des Handelns die jeweiligen Anteile des kognitiv/kathetischen Gehaltes bemasssen. Das hiess weiterhin, dass expressives Handeln nicht einfach ein kurzfristiges Ausleben von Befürfnissen war, sondern ein dauerhafter Bestandteil des sozialen Handelns, da durch die Emotionen erst Handeln mit der Welt möglich wurde: Kognitionen strukturieren eine objektive Erkenntnis der Aussenwelt, aber Emotionen wählen aus. Halten wir also fest, dass das Symbol

1. durch Externalisierung die Innenwelt für andere zugänglich macht und eine Kommunikation der Emotionen ermöglicht,
2. kognitive und expressive Anteile besitzt und so Objekte zu 'Dingen für uns' macht,
3. durch die Ausweitung zu Symbolsystemen Sinn- und Erfahrungshorizonte konstituiert" (Kahle, 1982 , 61f).

Vgl. Weizenbaum, 1977, 22.

Geruch und Emotion: Vgl. Eintrag in ALG03011.DOC vom 13.12.94


Definition von Zimbardo: Emotion ist ein komplexes Muster von Veränderungen, das physiologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse und Verhaltensweisen einschließt, die in Reaktion auf eine Situation auftreten, welche ein Individuum als persönlich bedeutsam wahrgenommen hat.

Figl, K.: Geschichte, Definition und Fragestellungen der Emotionspsychologie

Etwas für wahr halten, ist ein "emotionaler" Zustand. Holzkamp und Ciompi neigen dazu, Emotionen als Bestandteil oder Basis der Kognition zu verstehen, so dass sie Wahrnehmen doch als kognitive Leistung sehen können. Skinner sieht Emotionen als Kommentar von Handlungen, die Handlungen selbst scheinen ihm nicht motivational

(1) Emotionen = Reaktionsmuster auf (bedingte oder unbedingte) Reize

(2) Prototypische Emotionen (Furcht, Wut, Liebe) sind als unbedingte Reak-tionen auf bestimmte unbedingte Reize angeboren.

(3) Alle anderen Emotionen (Angst) werden über klassische Konditionierung gelernt. (Siehe Watson und Rayner "Albert")

Physiologische Ansätze

James-Lange-Theorie der Emotion

Die beiden veröffentlichten ihre Annahmen unabhängig voneinander. Weil sie sich aber nur geringfügig unterscheiden, faßt man sie unter einem Namen zu-sammen.

Sowohl James als auch Lange legten keine empirischen Befunde für ihre Theorie vor!

1) William James (1884)

Wahrnehmung des Objekts. Die bloße Wahrnehmung einer erregenden Tatsache ist hinreichende Bedingung für das Auftreten körperlicher Veränderungen.

Reaktion: Auslösung bestimmter kortikaler Reflexe, die sich in einer Ver-änderung der Aktivität des ANS und der Skelettmuskulatur niederschlagen.

Diese körperlichen Veränderungen sind emotionsspezifisch und wir sind auch in der Lage, sie in differenzierter Weise bewußt zu erleben

Das Individuum nimmt die physiologischen Veränderungen war und das ist dann die Emotion!

Das bewußte Erleben (die Empfindung) der körperlichen Veränderungen ist bereits die Emotion. Es handelt sich also um ein "Einkomponenten-Modell".

Typischer Satz: "Wir weinen nicht, weil wir traurig sind, sondern wir sind traurig, weil wir weinen"

2) Carl Lange (1998)

Theorie entspricht der von James außer:

Veränderungen in der Skelettmuskulatur sind für ihn keine Determinanten der Emotion

Für ihn ist das Bindeglied zwischen emotions-induzierenden Objekten und ANS-Aktivitätsveränderungen ein "vasomotorisches Zentrum" im Gehirn.


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Quelle: mapping-how-emotions-manifest-in-the-body
 
[Beschädigt Botox die Seele?]
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