Eliza (J. Weizenbaum)        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]
 

"Eliza" ist eine Software von J. Weizenbaum von 1966, mit welcher man Pseudo-Dialoge führen kann (Lit: Weizenbaum,1977:292). Die Software simuliert Gesprächspartner, unter anderem relativ erfolgreich einen Psychotherapeuten, weil dessen Gesprächsbeiträge relativ einfachen Regeln folgen, weil sie keine echte Dialogbeiträge sind.

Das Programm verwendet MAD-SLIP auf einer IBM 7094, die das Time-Sharing-System CTSS des Massachusetts Institute of Technology verwendete. ELIZA kann auch als Implementierung des Turing-Tests gesehen werden.


Ein großes Problem der Mensch-Maschine-Kommunikation indes besteht darin, dass der Mensch aus psychologischen Gründen die Beschränktheit der Maschinen oft nicht erkennt. So hat J. Weizenbaum mittels „Eliza“ demonstrieren wollen, wie viel „Intelligenz“ ein Computers „ohne das geringste semantische Verständnis“ vorgaukeln kann. Eliza simuliert das Verhalten eines Psychotherapeuten, indem es Satzteile aus den Aussagen des Benutzers aufgreift und mechanisch in Fragen umwandelt. Weil - bestimmten - Psychotherapeuten genau das tun, erkannten erstaunlich viele Menschen nicht, dass sie einer Maschine gegenüber sasen.



Quelle: Wikipedia

Hier ein Beispiel einer Sitzung, die von Weizenbaum aufgezeichnet wurde. Eine junge Frau ist in Normalschrift, die Antwort des Computers ist GROSSGESCHRIEBEN angegeben:


Die Männer sind alle gleich.
IN WELCHER WEISE?
Sie machen uns immer wegen irgendwas verrückt.
KÖNNEN SIE EIN BEISPIEL NENNEN?
Na ja, die Idee zu diesem Gespräch stammt von meinem Freund.
DIE IDEE ZU DIESEM GESPRÄCH STAMMT VON IHREM FREUND?
Er sagt, dass ich oft deprimiert bin.
ES TUT MIR LEID, VON IHNEN ZU HÖREN, DASS SIE DEPRIMIERT SIND.
Das stimmt, ich bin unglücklich.
GLAUBEN SIE, DASS DIESES GESPRÄCH IHNEN HILFT NICHT MEHR UNGLÜCKLICH ZU SEIN?
Ich brauche jedenfalls Hilfe, das steht fest.
WAS WÜRDE ES FÜR SIE BEDEUTEN, HILFE ZU BEKOMMEN?
Vielleicht könnte ich lernen, mit meiner Mutter auszukommen.
ERZÄHLEN SIE MIR MEHR ÜBER IHRE FAMILIE!
Meine Mutter erledigt alles für mich.
WER IN IHRER FAMILIE ERLEDIGT NOCH ALLES FÜR SIE?
Mein Vater.
IHR VATER?
Sie sind ein wenig wie mein Vater.
WELCHE ÄHNLICHKEIT SEHEN SIE?
Sie sind nicht besonders aggressiv, aber ich glaube, Sie möchten nicht, dass ich das beachte.
WAS LÄSST SIE VERMUTEN, DASS ICH NICHT SEHR AGGRESSIV BIN?
Sie streiten nicht mit mir.
WIESO GLAUBEN SIE, DASS ICH NICHT MIT IHNEN STREITE?
Sie haben Angst vor mir.
MACHT IHNEN DER GEDANKE SPASS, DASS ICH VOR IHNEN ANGST HABE?
Mein Vater hat vor jedem Angst.
WAS FÄLLT IHNEN NOCH EIN, WENN SIE AN IHREN VATER DENKEN? 5
Angeber.
HAT DAS ETWAS DAMIT ZU TUN, DASS DIE IDEE ZU DIESEM GESPRÄCH VON IHREM FREUND STAMMT?
Das Programm wurde unter dem Namen „Doctor“ bekannt und auch von Ärzten ernst genommen. Weizenbaum zitiert einen Arzt namens Colby:
„Es ist noch einiges an Arbeit zu leisten, bis das Programm für klinische Zwecke eingesetzt werden kann. Wenn sich die Methode bewähren sollte, so hätten wir damit ein therapeutisches Werkzeug, das man all den Nervenkliniken und psychiatrischen Zentren an die Hand geben könnte, die über zu wenig Therapeuten verfügen. Aufgrund der Simultanrechenfähigkeiten gegenwärtiger und zukünftiger Computer könnten in einer Stunde mehrere hundert Patienten von einem eigens dazu entworfenen Computersystem behandelt werden.“
Weizenbaum musste darüber hinaus feststellen, dass Personen sehr schnell und intensiv eine emotionale Beziehung zum Computer aufbauten.
„Einmal führte meine Sekretärin eine Unterhaltung mit ihm; sie hatte seit Monaten meine Arbeit verfolgt und musste daher wissen, dass es sich um ein bloßes Computerprogramm handelte. Bereits nach wenigen Dialogsätzen bat sie mich, den Raum zu verlassen. Ein andermal äußerte ich die Absicht, das System so zu schalten, dass man alle Unterhaltungen abrufen konnte, die z.B. in einer Nacht mit ihm geführt worden waren. Sofort wurde ich mit Vorwürfen überschüttet, mein Vorschlag laufe darauf hinaus, die intimsten Gedanken anderer auszuspionieren.“
Im Internet findet man diverse Eliza-Versionen, die man ausprobieren sollte. Vielleicht gibt es mittlerweile „richtig gute“ Programme.


Fast 50 Jahre nach ELIZA
ELIZA wurde 1966 von Joseph Weizenbaum entwickelt, einem Informatiker vom alten Schlag. Das Programm sollte die Konversation von Computer und Mensch in natürlicher Sprache ermöglichen. Kaum zu fassen, wie jemand so etwas ersinnen konnte zu einer Zeit, als die einzelnen Bits eines Arbeitsspeichers noch handverdrahtet waren.
Heute sieht es mit der Rechenpower natürlich anders aus. Und mit der Intelligenz? So etwas wie ELIZA gibts im Web in moderner Gestalt etwa beim Cleverbot. Der kann etliche Sprachen - auch Deutsch - kommt wahlweise auch als App für Android oder iOS daher - und ermöglicht es Entwicklern, weitere "Intelligenz" beizusteuern. Dazu braucht es nicht mal eine Programmiersprache, sondern lediglich Spreadsheets.
Dass die Startseite so ein wenig an die Google-Suche erinnert, ist sicher kein Zufall. Denn eigentlich entwickeln sich Suchmaschinen ja selber immer mehr in Richtung Cleverbots, die ganze natürliche Anfragen erkennen. Und irgendwann vielleicht auch mal süffisant oder gelangweilt antworten, bevor sie ihre Suchtreffer ausspucken ...
Cleverbot.com


 
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