Blinder Fleck        zurück ]      [ Stichworte ]      [ Literatur ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]      [ Systemtheorie ]
 

Als blinder Fleck wird in der Anatomie die Stelle des Austritts des Sehnervs aus der Retina bezeichnet. Er befindet sich etwa 12-15 Grad in Richtung der Nase (nasal) auf einer Waagrechten. Der Name stammt daher, daß die Retina (Netzhaut) an der bezeichneten Stelle keine Stäbchen- und Zapfenzellen aufweist und daher keine Sinneseindrücke vermitteln kann.

        

Der blinde Fleck dient als Metapher, mit welcher in Analogie zum Sehnerv-Phänomen des Auges ausgedrückt wird, dass Systeme 1. Ordnung durch die Elimination des Beobachters immer unvollständig bestimmt sind (Gödel, Heisenberg, usw), was zu Paradoxien führt (Ideologie).

Im "paradoxen" Bild Bildgallerie von C. Escher wird der blinde Fleck als weisse Stelle in der Bildmitte explizit benutzt. Das erstaunliche am blinden Fleck ist aber eben gerade, dass wir ihn NICHT sehen, sondern ihn uns durch eine spezififische Wahrnehmungssituation bewusst machen müssen. In der Metapher steht dann unser Sehnerv dort auf der Retina, wo wir als Beobachter stehen, wenn wir unsere Umwelt wahrnehmen: Dort wo wir selbst sind, können wir nicht hinsehen.

Dazu gibt es ein Experiment

Eine spezifische Variante des blinden Flecks liefert G. Spencer-Brown mit seinem re-entry

        

D. Baecker sagt in seiner Systemtheorie, dass Systeme konstitutiv partiell blind seien, was einer interessanten Verwechslung entspricht: während in der Kybernetik Systeme operationell geschlossen sind, können sie in der Luhmann-Tradition sehen, aber eben zwangsläufig nicht alles.

"Wie immer benötigt eine Unterscheidung, die dem Beobachten dient, einen blinden Fleck. Er findet sich dort, wo die Grenze gezogen werden muss, die die beiden Seiten der Unterscheidung trennt. Der Trennstrich muss als unbeobachtbar gezogen werden, weil der Beobachter an die eine oder die andere Seite der Unterscheidung anschließen muss." (Gesellschaft der Gesellschaft, S. 426 )
 
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