"Als Bildung gilt der Schule die Entwicklung der Fähigkeit, etwas abzubilden, während die Ausbildung daraufhin zielt, die Fähigkeit, etwas zu machen, zu fördern" (Todesco: Technische Intelligenz: 149). Gemeint ist nicht "etwas zu machen", sondern "etwas machen zu können", oder genauer eben die Differenz zwischen können und wissen, die im tacit knowledge gemeint ist.
Kontext:
Sollen Kinder in der Schule Informatik lernen? Wissenschaftlich lassen sich Soll-Fragen nicht beantworten, man kann lediglich versuchen, Hintergründe und Implikationen der politischen Argumentationen aufzudeken. Ein wichtiger Aspekt in dieser Schulstoffplandiskussion ist die herkömmliche Arbeitsteilung zwischen Schulen im engeren Sinne und Ausbildungsveranstaltern. Schulen sollen ausschliesslich oder hauptsächlich der Bildung verpflichtet sein. Ausbildung soll dort erworben werden, wo sie gebraucht wird. Da diesem humanistischen Ideal allseits weitgehend gehuldigt wird, stellt sich die Frage, ob Informatik im Gegensatz zu Mathematik und Grammatik lediglich brauchbare Fähigkeiten erzeuge und damit das humanistische Ideal gefährdet. Im Alltag, aber durchaus auch auf dem Alltagsniveau von Hochschulen, wird gestritten, ob Kinder in der Schule nur Bildung oder auch bereits einen Teil ihrer Ausbildung bekommen sollen.
Was aber unterscheidet Bildung und Ausbildung?
Als Bildung gilt der Schule die Entwicklung der Fähigkeit, etwas abzubilden, während die Ausbildung daraufhin zielt, die Fähigkeit, etwas zu machen, zu fördern. Die reale Produktion verlangt Können, die symbolische Produktion verlangt Wissen. Informatik verändert nicht nur die Arbeit, sondern auch die auf die Arbeit ausgerichtete Schule - und unser Verständnis der Schule.
Einmal unterscheidet Luhmann so: "Erziehung ist eine Zumutung, Bildung ein Angebot." - (Bildung und Weiterbildung im Erziehungssystem. zus. mit Dieter Lenzen. Suhrkamp 1997, S. 7). Dann bezeichnet er Bildung als eine der (älteren) Kontingenzformeln des Erziehungssystems. (Reflexionsprobleme des Erziehungssstems,wenn ich mich recht erinnere). Mich hat immer die Idee überzeugt, Bildung als Ausdruck für die unentwegt mitlaufende Selbstreferenz des Erziehungssystems zu nehmen, das über kein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium zu verfügen scheint. (Luhmann 1984, S.628