Aufmerksamkeit        zurück ]      [ Index ]      [ Literatur-Index ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]     

Aufmerksamkeit nenne ich eine in das rezeptive Verfahren projizierte Focusierung, die ich als Beobachter beim Benennen der Seiten einer Unterscheidung leiste.

Aufmerksamkeit ist ein zentrales Konzept der Theorien, die "Mentalität" verwenden. Die Aufmerksamkeit bestimmt, was von Gesehenen wahrgenommen wird, insbesondere welche Seite einer Unterscheidung als Vordergurnd (marked space) gesehen wird.


S. Ceccato: (noch machen)

Ceccato gibt ein - in vielen Hinsichten - interessantes Beispiel: Er analysiert die Operationen bei der Wahrnehmung einer (gedehnten Kreis-)Figur. Man kann eine Tischplatte von oben sehen, wenn man alles, was innerhalb der gezeichneten Linie als Vordergrund auffasst, oder eine Fenster, wenn man alles, was ausserhalb der Linie ist als Vordergrund auffasst, oder ein Kettenglied, wenn man die Linie selbst als Vordergrund auffasst. Normalerweise sieht ein Mensch keine Strichzeichnungen, sondern Tischplatten oder Fenster. Ceccato ist in seinem Beispielen von der Gestaltpsychologie (Figur-Hintergrund) geprägt.

   

Ein 4-Felder-Modell (von Nideffer nach Eberspächer):

weit-external
Uebersicht über das Umfeld
eng-external
Fokus auf eine Gegenstand (zB Tennisball)
weit-internal
allgemeine Befindlichkeit
eng-internal
lokale Befindlichkeit (bildhaft Zahnschmerzen)

Wir könne zwei Formen der Aufmerksamkeit unterscheiden (Tiwald, 1981 , 45f):
- über das operationale, lineare sprachlogische Denken (linke Gehirnhälfte) gesteuerte Aufmerksamkeit
- über das ganzheitliche Wahrnehmen (rechte Gehirnhälfte) gesteuerte Aufmerksamkeit
 
"Wird die Aufmerksamkeit vorwiegend durch Prozesse der linken Gehirnhälfte geführt, so wandert sie linear von einem begrenzten Ort zum anderen. Die volle Aufmerksamkeit wird dann jeweils auf ein begrenztes, definiertes Objekt gebündelt (...). Diese Aufmerksamkeit ist eingrenzend, bzw. ausgrenzend, und ihre Beweglichkeit ist daher bloss ein schnelles, ruckartiges Wandern nach bestimmten in der Erfahrung erlernten Wegen, die gleichsam als Vorurteil festgelegt und die Richtung des Wanderns bestimmen. Das gesamte Wahrnehmungsfeld wird durch diese Form der Aufmerksamkeit wie durch eine Maschine auf einem logischen und ökonomischen Weg abgetastet" (ebd). In dieser Art der Aufmerksamkeit entsteht auch der Ich-Wahn. "Mit diesem 'Ich-Wahn' ist gemeint, dass man sich selbst auch nicht mehr konkret ganzheitlich wahrnimmt, sondern nurmehr als ein begrenztes und definiertes 'Etwas' betrachtet, als eine von allem anderen isolierte und überdauernde Substanz. Diesem Bewusstseinsgebilde der linken Gehirnhälfte, diesem Ich-Wahn, setzen wir dann die ebenfalls definierten (isolierten) Objekte der Welt gegenüber. Die konkreten Objekte werden so zu Gegen-Ständen, die der ebenfalls gegen-ständlichen Ich-Vorstellung im Bewusstsein gegenüberstehen. (...) Wird nun der Ich-Wahn, bzw. die Dominanz der Ich-Vorstellung der linken Gehirnhälfte, überwunden, so erscheint einem auch die Welt anders. Sie erscheint einem unmittelbar und nicht mehr über Ich-Vorurteile gebrochen. (...) In dieser Form der Aufmerksamkeit, die vorwiegend von der Arbeitsweise der rechten Gehirnhälfte geprägt ist, wird nichts aus oder eingegrenzt, es wird nirgendwo 'angehangen'. Die Beweglichkeit dieser Aufmerksamkeit ist auch keine ruckartig wandernde mehr, die jeweils bei Stationen 'einhält', sondern die Aufmerksamkeit ist dann ganzheitlich und akzentuiert. Sie ist nicht mehr ein operationales Abtasten, sondern eine Art Widerspiegelung. Es gibt in dieser Form der Aufmerksamkeit auch keine dominierende Ich-Vorstellung, die als eingegrenzter Bezirk ausgegrenzte Gegen-Stände auf sich bezieht, ständig hin und her springt, eitle oder ängstliche Vorurteile fasst" (ebd).