Einführungen in die Hyperkommunikation:
Kommunikation 2. Ordnung

(Stand 01.04.01) Inhalt


 

Prolog: Entwendung

Kopernikus hat dieselbe Sonne aufgehen sehen wie alle Menschen. Nachts schien auch ihm der Mond. Eines Tages schlug er vor, was viele - wie etwa Aristarchos - schon vor ihm vorgeschlagen haben: Man möge sich einmal vorstellen, nur vorstellen, dass die Erde sich um die Sonne bewege statt umgekehrt. Er wüsste dafür einige Argumente, sagte Kopernikus, er glaube aber nicht, dass er argumentieren müsse, er glaube an Evidenz. Seine Evidenz - von Kepler erst später durch unkreisige Gesetze argumentativ gestützt - war massenfähig: nach Kopernikus sahen fast alle Menschen, dass die Sonne im Zentrum steht. Kant nannte diese Umkehrung der Sichtweise Kopernikanische Wende.

Natürlich hat Kopernikus weder die Position der Sonne noch jene der Erde verändert. Das Wesentliche an der Kopernikanischen Wende ist nicht, ob die Erde oder die Sonne im Zentrum steht, sondern dass ich fähig bin, meine Sicht darauf zu wechseln - ohne dass Erde und Sonne etwas dazu tun oder davon betroffen wären. Die Kopernikanische Wende betrifft mich, nicht die Gestirne.

Mein Vorschlag - den ich in dieser Art Kant entwende - lautet: Man versuche es daher einmal, ob wir nicht in den Aufgaben der Kommunikation damit besser fortkommen, dass wir annehmen, dass wir uns in der Kommunikation nicht - wie gemeinhin angenommen - gegenseitig Mitteilungen machen, sondern stattdessen nach einem für uns adäquaten Ausdruck unser selbst suchen.

So wenig wie Kopernikus der wirklichen Erde einen neuen Platz zugewiesen hat, will ich mit meinem Vorschlag unterstellen, dass kommunizierende Menschen sich neuerdings oder immer schon in irgendeiner Weise neu oder umgekehrt verhalten. Es geht also nicht darum, was wir kommunzierenderweise wirklich oder objektiv tun oder tun sollten, sondern darum, wie wir uns selbst als Kommunizierende verstehen könnten. Es geht darum, dass uns unsere Sicht auf unsere Kommunikation als eine gewählte Sicht erscheint, weil wir so oder so schauen könnten.


 

1. Hyperkommunikation

Wiener sagte, dass er immer erst wisse, was er gesagt habe, nachdem er die Reaktion des Zuhörers wahrgenommen habe. Und noch später formulierte Heinz von Foerster das hermeneutische Prinzip, wonach der Empfänger den Inhalt einer Nachricht bestimmt.

Fortsetzung folgt ....


 

Literatur

Ich nenne hier einige Texte, in welchen Sie etwas mehr über die Voraussetzungen meiner Vorstellungen nachlesen können. Ich arbeite aber auch laufend an eigenen Texten, die Sie unter meinen Publikationen finden.