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Inversion des Handlungszusammenhangs

Eine Inversion des Handlungszusammenhangs betrifft das Verhältnis zwischen dem Verhalten und der Deutung des Verhaltens. Auf der systemtheoretischen Seite der Inversion verwende ich Handlungszusammenhänge, um Verhalten zu deuten. Die Handlungszusammenhänge sind Schemata der Deutung. Auf der andern Seite der Inversion interpretiere ich Verhaltensweisen als aktualiserte Operationen in realen Systemen oder als Prozesse eines realen Systems. Ich veranschauliche diese Inversion zunächst an einem Beispiel. Ich beobachte jemanden deutend, der sagt: "Oeffne bitte das Fenster". Ich fasse sein Verhalten - das ich auch als Lärm machen betrachten könnte - als eine Aussage (machen) auf, wobei ich sein Verhalten im Hadlungszusammenhang "Sprache" interpretiere. Der Sprecher zeigt ein konkretes Verhalten, welches ich durch einen - von mir unbewusst, konsensuell gewählten - Handlungszusammenhang deute. In der Inversion richte ich dann meine bewusste Aufmerksamkeit auf diesen Handlungszusammenhang. Dabei interessiert mich nicht mehr, was im speziellen Fall gesagt wird, sondern, was gesagt werden kann und dass überhapt etwas gesagt werden kann. Ich beobachte dabei also nicht, wie sich der Sprecher verhält, sondern welche Verhaltensweisen in diesem Handlungszusammenhang möglich sind, also was ich überhaupt als sinnvolle Sprachhandlung beobachten kann.

Den Handlungszusammenhang Sprache beschreibe ich beispielsweise in einer Sprechakttheorie oder in bezug auf eine bestimmte Sprache mit einer Grammatik. Ob ein von mir beobachteter Mensch spricht oder nicht, mache ich davon abhängig, ob er die Bestimmungen dieses Handlungszusammenhang hinreichend erfüllt. Ein von mir beobachteter Mensch kann sich also so verhalten, dass ich Sprache erkenne oder eben nicht. Ich kann den Handlungszusammenhang aber unabhängig von handelnden Menschen als gegebenes Funktionssystem beschreiben. In dieser Inversion werden die Kategorien, die ich deutend verwende, zur kategoriellen Domäne eines gegebenen Funktionssystems (Anmerkung 1).

Die funktionale Systemtheorie, die den Handlungszusammenhang invertiert, deutet Verhaltensweisen nicht als subjektreferenzielle Handlungen, in welchen jemand etwas tut, sondern beobachtet Spielräume, die sich funktional ausdifferenziern als Systeme. Die Systeme legen dann fest, was überhaupt passieren kann, und in Form von selegierten Aktualisierungen, was wirklich passiert (Anmerkung 2).


 

Metakommunikation

Beide Inversionen lassen sich als Pseudo-Spiele auffassen, die in der Spieltheorie beschrieben werden. Die Spieltheorie ist keine Theorie des Spielens, sondern eine invertierte Formulierung, in welcher der Ernst des Lebens - das Gewinnmachen - als Spiel erscheint.


 
 
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Systemtheorie