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Metatext

In unserer Bibliothek gibt es einen Text zum Thema "Computerprogramm". Auf diesen Text wird sowohl im Register als auch im Text "Text" verwiesen. Im Register erscheint das Wort "Computerprogramm" unter funktionalem Gesichtspunkt ausschliesslich als Verweis, im Text "Text" ist das Wort "Computerprogramm" Teil des dortigen Textes. Das Wort würde dort auch stehen, wenn es nicht verlinkt wäre. Im Register stehen dagegen per Definition Wörter, die auf Texte verweisen. Das Register hätte ich jenseits seiner Funktion nicht geschrieben, das Wort "Computerprogramm" habe ich dort also (eigens zum Verweisen) zusätzlich nochmals geschrieben.

Konstruktiv handelt es sich in beiden Fällen um Texte mit Links, funktional mache ich einen Unterschied zwischen Registern und eigentlichen Texten der Bibliothek. Register schreibe ich, damit ich die eigentlichen Texte der Bibliothek effizienter finden kann. Ich bezeichne solche Register-Texte, weil sie konstruktiv zwar Texte sind, aber nur und ausschliesslich auf andere Texte und deren Standorte verweisen, als Meta-Text.

In konventionellen Texten unterscheide zwei grundsätzliche Fälle von Metatext, die in Sachbüchern beide oft und oft beide realisiert sind: hinein- und hinauszeigende Metatexte.

Stichwortregister und Inhaltsverzeichnisse sind aus dem Text ausgelagerte Verweise, die in den Text hinein zeigen. Hinweise auf Literatur und Fussnoten sind Verweise, die im Text eingebettet sind und aus dem Text hinaus verweisen. Im ersten Fall sind die Verweise als Stichworte in einer Liste, die Verzeichnis, Register oder Index heisst. Solche Verweise führen zu einer bestimmten Stelle im Textkörper, zu dem sie gehören. Im zweiten Fall sind die Verweise über den Text verteilt, aber trotzdem nicht Bestandteile des eigentlichen Textes. Sie öffnen den Text in einen umfassenderen Kon-Text, typischerweise in eine Bibliothek.

Natürlich beruht die Unterscheidung auf einer Perspektive, die nicht die Gesamtbibliothek als einen Text auffasst, da sonst nur in den Text hinein verwiesen werden könnte. Im Hypertext wird diese Unterscheidung auch aus diesem Gurnd zunehmend aufgehoben.

Während "Links" also Bestandteile des eigentlichen Textes sind, sind die Stichwörter in den Registern im einfachsten Fall dupliziert, also neben dem Text nochmals vorhanden. Im Inhaltsverzeichnis eines Buches stehen normalerweise duplizierte Titel von Kapiteln und die Seitenzahl, wo dieser duplizierte Textteil nochmals zu finden ist. Im Namensregister am Ende eines Buches stehen etwa alle Seiten auf denen die Buchstabenkette "Meier" auch zu finden ist. Das eigentliche Register zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht wie ein Inhaltsverzeichnis durch die Titel der Kapitel der Erzähllogik des Buches unterworfen ist. Die Schlüsselwörter in den Registern folgen Ordnungen, die vom Buch weitgehend unabhängig sind. Es handelt sich um Ordnungen, die quasi quer zur Ordnung des Buches stehen. Ich kann im Register ganz unabhängig vom Inhalt des Buches schauen, wie oft Marx zitiert wurde, oder wie oft von der Evolutionstheorie gesprochen wird. In diesem Sinne kriege ich durch die Register zusätzliche Sichtweisen auf ein Buch. Mittels Register kann ich über Stichworte Textstellen wiederfinden, die ich mit bestimmten Stichworten in Verbindung bringe. Wenn ich etwas über Darwin wissen will, dann kann ich unter Evolution schauen und umgekehrt. Und wenn ich mich erinnere, dass in einem bestimmten Buch im Zusammenhang mit der Evolution von Erdbeeren oder Elefanten die Rede war, kann ich auch unter diesen Stichworten suchen. So verwende ich in Registern den Index im engeren Sinne des Wortes, indem ich ein Wort als Zeichen für das Vorhandensein anderer Wörter lese: Wo Rauch ist, ist Feuer.

Metatext nenne ich eigenständige Texte, die - wie Indexe in Büchern - Aussagen über andere Texte machen, die also quasi hinter den andern Texte stehen. Der einfachste Fall ist die Beschriftung eines Ordners oder der Name eines Directory im Computer. Wenn ich dafür beispielsweise den Text "Privat" schreibe, dann charakterisiere ich alle Dokumente, die in diesem Ordner oder Directory liegen, als privat. Ich mache die Meta-Aussage, dass diese Dokumente privat sind, obwohl in den Dokumenten das Wort privat nicht vorkommt. Mit Metatext kann man beliebige Sortierordnungen beschreiben, welchen man die Dokumente frei zuordnen kann. Die Metatexte folgen nicht aus den Texten, sondern werden den Texten - als Verzeichnisse - zugefügt. Die Inhalte der Metatexte beschreiben nicht die Texte, sondern im Falle von Ontologien die Welt und im subjektiven Fall die Ordnungen in unseren Köpfen (R. Todesco: MailTack - Individuelles Wissensmanagement ).


 

Anweisungen an die Bibliothekare dieser Bibliothek:
 
Mache Dir die Unterscheidungen bewusst !

    

Die Anweisung fordert eine reflexive Operation: Mache Dir bewusst, bedeutet hier: Schaue, was Du gemacht hast und wie Du das, was Du gemacht hast verstehen und erläutern kannst. Es geht darum, in den Produkten - also in der vorliegenden Bibliothek - die Handlungen zu erkennen.


 

Umsetzung:
 

    


 

Beispiel:
 

      


 
 

Metatexte in Form von Registern sind das Organisationsprinzip von konventionellen Bibliotheken schlechthin. Die Mechanisierung der Bibliothek durch die Link-Technologie hat die Registerlogik aufgehoben: Natürlich verwenden wir die Register weiterhin, sie bilden aber nur noch einen Spezialfall des Links