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Das vorliegende Hyperbuch "Systemtheorie 2. Ordnung" kann man als nicht konventionelle Einführung in eine nicht konventionelle Erweiterung der Systemtheorie lesen. Das nicht konventionelle an dieser Einführung besteht darin, dass ich - gegen alle pädagogischen Tricks - zuerst erläutere, was Systemtheorie ist, statt triefende Weltschmerz-Probleme aufzuzählen, die man damit lösen könnte. Die nicht konventionelle Erweiterung der hier vorgestellten Systemtheorie hat H. von Foerster als cybernetics of cybernetics oder eben als second-order-cybernetics vorgeschlagen. Diese Erweiterung der Kybernetik ist auch unter dem Label Radikaler Konstruktivismus bekannt geworden. Die 2. Ordnung bezieht sich dabei auf eine bestimmte Art von Selbstreferenz, durch welche der Systemtheoretiker - und mithin jeder empathische Leser dieses Textes - sich selbst in dem System repräsentiert, das durch diese Theorie beschrieben wird. Ich schreibe diese Systemtheorie 2. Ordnung also in zwei Hinsichten selbstreferentiell. Erstens beschreibe ich in dieser Systemtheorie, was ich als Systemtheorie bezeichne; ich schreibe also selbstreferentiell über mein Bezeichnen. Und zweitens beschreibe ich mit dieser Systemtheorie den Beobachter dieser Theorie als System. Jede Leserin kann also - wie ich es tue - einen kontingenten Vorschlag lesen, wie sie sich selbst systemtheoretisch begreifen könnte. Ich begreife diese Systemtheorie in diesem Sinne als eine subjektive und subjektorientierte Aussage von mir über mich, was jeder Leser mit Selbstbezug auch leisten kann. Deshalb verwende ich ich-Formulierungen, was in der Wissenschaft verpönt, um nicht zu sagen verboten ist. Mir scheint es sinnvoll - und durch die vorliegende Systemtheorie 2. Ordnung begründet - von personalisierten Systemtheorien zu sprechen. Der geneigte Leser wird das "ich" als ich lesen, und damit Kontigenzen über sich selbst erfinden, statt eine oder gar die Wirklichkeit entdecken. |
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Im Zentrum dieser Systemtheorie steht das dialogische Prinzip, das von M. Buber hoch entwickelt dargestellt wurde. Die dialogische Kommunikation hilft mir - dia logos (durch das Wort) - zu erkennen, wie ich was für wahrnehme. Die vorliegende Systemtheorie verstehe ich als dialogische Aeusserung, in welcher ich selbstreferentiell ein operatives Verständnis der im Dialog gemeinten Kommunikation entwickle. Mit dieser Systemtheorie erkläre ich mir - und Du Dir, falls Du das "ich" als ich liest - Aspekte jenes Dialoges, in welchem ich die Systemtheorie darstelle. Die Systemtheorie hilft mir zu verstehen, wie ich im Dialog eingebunden bin (Anmerkung 1).
Ich schreibe diese Systemtheorie dialogisch in einem terminologisch gebundenen Sinn des Wortes. V. Flusser und D. Bohm haben den Dialog funktional und operativ ausführlich dargestellt. Das meines Erachtens wesentliche Merkmal der dialogischen Haltung ist nicht der Verzicht auf Objektivität, sondern der Verzicht auf eine Intersubjektivität, in welcher der andere verstehen soll, was der Fall ist oder wenigstens, was ich meine. Ich beschreibe also nicht, was Systemtheorie überhaupt ist, sondern wie ich die Begriffe verwende. Mir geht es dabei nicht um irgendeine universelle Terminologie, sondern darum, Sprache als perspektivisch und subjektiv zu begreifen. Ich strebe nicht danach, dass andere Menschen auch so sprechen. Mir ist lieber, wenn jeder mit seiner Zunge spricht. Mein Ziel ist eine "dialogische" Erkenntnis, in welcher ich meine eigene Sprache an Ausdrucksweisen von andern Menschen refklektiere: "Du machst mir bewusst, dass ich so spreche, wo Du zeigst, dass man auch anders sprechen kann". Im Dialog geht es mir nicht darum, dass alle dieselben Worte verwenden, sondern darum, dass alle ihren eigenen Ausdruck finden (Anmerkung 2).
Indem ich Formulierungen von anderen Menschen aufgreife, stehe ich quasi auf Schultern von Riesen, die ihrerseits Vorgedachtes aufgegriffen haben. Deren Formulierungen helfen mir meinen eigenen Ausdruck zu finden. Vielleicht helfen meine Formulierungen jemandem, seinen eigenen Ausdruck zu finden. Darin sehe ich den Sinn jedes Dialoges. Im Dialog finde ich, welche Formulierungen möglich sind (Variation) und welche zu mir passen (Selektion). Das gilt insbesondere auch für systemtheoretische Aussagen.
Was ich sage, hat für mich einen Sinn, während der Text, der die Aussage trägt, eine Gegenstandsbedeutung hat. Angesichts von Artefakten - und Texte erkenne ich als Artefakte - kann ich nach der Bedeutung und nach dem Sinn fragen. Eine Brücke hat beispielsweise die Bedeutung einen Weg über einen Abgrund zu geben. Sinn hat sie aber nur für jemanden, der auf die andere Seite will. Die Bedeutung dieser Systemtheorie liegt für mich darin, bestimmte Erklärungen zu konstruieren. Wenn ich keine Erklärungen will oder wenn ich die Erklärungen, die ich mit dieser Theorie erzeuge, nicht will, hat die Systemtheorie für mich keinen Sinn. Ob
Die vorliegende Systemtheorie habe ich im Zusammenhang mit verschiedenen Lernveranstaltungen an Universitäten und Fachhochschulen entwickelt. Die grundlegenden Ideen habe ich in Veranstaltungen zum Radikalen Konstruktivismus gewonnen, die ich an der Fachstelle für Weiterbildung an der Uni Zürich moderierte. Dort bekam ich die Möglichkeit, viele prominente Vertreter des Radikalen Konstruktivismus (u.a. E. von Glasersfeld, H. von Foerster, G. Spencer-Brown) persönlich kennen zu lernen, die meine Vorstellungen mitprägten. In diesen Veranstaltungen wurde mir bewusst, wie verschieden man "Welten", aber insbesondere auch Systemtheorien konstruieren kann. Gerade weil wir die Veranstaltungen an der Universität ausgeschrieben haben, war immer auch die Frage nach der Wissenschaft im Raum. In der 2. Ordnung sehe ich jede Wissenschaft aufgehoben, weil Wissenschaft objektive Gegenstände, nicht singuläre Ereignisse wie das "Ich" behandelt. In einem gewissen Sinn kann man das Aufnehmen der Selbstbezüglichkeit in die Systemtheorie als Alternative zur Mystik sehen, die oft beschworen wird, wo die Wissenschaft - wie in der sogenannten post morderne - als dogamtischer als alle anderen Religionen erscheint (Anmerkung 3).
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