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Hyperkommunikation:
Massenmedien

Ich verwende hier den Ausdruck "Massenmedien" in einem ganz alltäglichen Sinn für Zeitungen, Radio, Fernsehen, usw., also für Mittel, die sich funktional zwischen Informationsquellen und das Publikum stellen. Ich will hier nicht klären, was "Massenmedien" sind, sondern exemplarisch eine bestimmte Kommunikation, die eben mit "Massenmedien" bezeichnet wird, unter systemtheoretischer Perspektive genauer betrachten (Anm 1).

Wenn ich im Fernsehen einen Spielfilm anschaue, weiss ich, dass die Figuren Schauspieler sind, also Rollenhalter, die nicht miteinander sprechen, sondern einen dramatischen Text vorführen; wobei das Drama natürlich darauf beruht, dass ich dieses Wissen gerade nicht verwende, also nicht die Schauspieler, sondern die Figuren für wahr nehme. Wenn dagegen im Fernsehen eine sogenannte Talkshow gezeigt wird, weiss ich nie recht, ob die Beteiligten dieser Gesprächsrunde miteinander oder auf eine ziemlich verstörte Art mit mir sprechen. Aber Talkshows haben ja trotzdem die grössten Einschaltquoten - vielleicht, weil sie in gewisser Hinsicht des Publikums Fussballspielen sehr ähnlich sind.

Ich verhalte mich also angesichts Talkshows naiv und unterstelle, dass die Gesprächsgruppe ein Gespräch führt und ich - wie beim Fussball - im Publikum sitze. Dann sehe ich die Gesprächsgruppe als kommunizierendes System und ich bin aus dieser Kommunikation ausgeschlossen. Ich kann eigentlich gar nicht gemeint sein, denn die Gruppe weiss ja gar nicht, ob ich einen Fernseher habe und ob ich allenfalls zuschaue. Die Gruppe könnte denselben Prozess auch ohne Fernsehkamera durchlaufen - wenigstens im Prinzip, obwohl mir das oft sehr unwahrscheinlich scheint.

Systemtheoretisch ist die Gesprächsgruppe mit sich selbst beschäftigt, nicht mit mir. Natürlich kann die Gruppe dieses Gespräch so nur führen, weil es ein Fernsehpublikum gibt. Das Publikum und die Institution Fernsehen bilden sozusagen das Milieu, in welchem die Gruppe existieren kann, so wie ein Fisch Wasser oder ein Mensch Luft braucht, um seinen Lebensprozess aufrecht zu erhalten. Das Milieu ist aber System-Um-Welt, nicht Kommunikationspartner - oder sprechen Sie mit der Luft, die Sie zum Leben brauchen?

Natürlich kann man auch in diesem Fall beliebige Systeme betrachten. "Massenmedien" sind Medien, die sich an Massen richten. Dabei ist offengelassen, zwischem wem die Medien vermitteln. Traditionell ist wohl eine Redaktion gemeint, die ein Publikum formiert. Im Falle von Talkshows selektiert die Redaktion aber nur die Teilnehmer, die dann ihre eigenen Anliegen vertreten können. Die Talkshow ist in diesem Sinne kein Massenmedium, obwohl sie vor einem kaum abgegrenzten Publikum läuft. Die Talkshow läuft aber als Fernsehprogramm und gibt deshalb ein Beispiel dafür, wie man Fernsehen und Massenmedien insgesamt verstehen kann.


Anweisungen:

Ueberlege wer mit wem kommuniziert, wenn eine Zeitung einen Artikel mit den Namen der Zeitung zeichnet!

    

In der NZZ stehen beispielsweise manchmal Artikel, die mit "Die Meinung der NZZ" überschrieben sind. Mir scheint klar, dass niemand wissen kann, wer die Zeitung liest, und in solchen Fällen ist mir auch unklar, wer die jeweils geschriebene Meinung vertritt. Vielleicht der Verwaltungsrat der NZZ oder der Chefredaktor, oder die gesamte Redaktion oder auch die Druckereiarbeiter?


 
 

Die Talkshow ist eine uneigentliche, wenn auch überhandnehmende Verwendung des Massenmediums, ich betrachte im folgenden den konventionellsten oder gar konstituierenden Fall der Nachrichten.

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