Fiktion        zurück ]      [ Index ]      [ Literatur-Index ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]     

Fiktion nennen wir eine durch ein spezifisches Verfahren hergestellte Erscheinung. Ein Zauberer etwa bringt mich dazu, dieses Verfahren anzuwenden, damit ich sehen kann, wie ein Kaninchen im Hut verschwindet.

In diesem Sinne ist die Fiktion eine Tat-Sache: ich muss etwas ganz bestimmtes tun (Tat), damit ich eine bestimmte Sache wahrnehmen kann. Umgekehrt ist jede Tat-Sache eine Fiktion, weil ich immer etwas ganz bestimmtes Tun muss, um Tatsachen zu erkennen. Quasietymologisch kommt Fiktion wie Faktum von facere (machen).

I. Newton sagte: "Hypotheses non fingo"
(Ich erfinde keine Hypothesen oder Ich bastle keine unsinnige Begründungen oder ich beobachte den Wertebereich meiner Hypothesen: Wenn ich etwas über die Temperaturabhängigkeit der Ausdehnung einer Quecksilbersäule sage, sage ich nichts (keine Hypothese) darüber aus, weshalb die Quecksilbersäule eine oder eine bestimmte Temperatur hat).
G. Bateson sagte: "Jede Aussage, die zwei deskriptive Aussagen miteinander verknüpft, ist eine Hypothese" ( beides: H. von Foerster: Wissen und Gewissen:135).

Im englischen Sprachraum wird bei Büchern Fiction (zb Romane) von Nonfiction (Sachbücher) unterschieden. Wenn ich einen Roman lese, frage ich mich nicht, ob das Gelesene wahr ist, bei einem Sachbuch dagegen schon. Die Fiktion zielt darauf, dass ich die Frage nach der Wahrheit nicht stelle. Das unterscheidet Zauberei von Zaubertricks.

Vergl. Fiction: der Pilot im Simulator