Erkenntnistheorie        zurück ]      [ Index ]      [ Literatur-Index ]      [ Die Hyper-Bibliothek ]     

Ich kenne keine Erkenntnistheorie im engeren Sinne des Wortes. Ich kenne aber verschiedene Lehren, die sich in irgendeinem Sin mit dem Erkennen befassen. Im Bereich dieser Lehren werden die Ausdrücke "Gnoseologie" und "Epistemonologie" oft quasi synonym zu Erkenntnistheorie verwendet, wobei auch diese Ausdrücke sehr diffus verwendet werden.

Der Ausdruck Erkenntnistheorie ist ein Label für eine nicht genau spezifizierte Menge von Fragen zum Erkennen, die sich zuerst einige Philosophen stellten, die sich mit I. Kant beschäftigten (W. Krug, C. Reinhold, E. Zeller (E. Zeller hat den Ausdruck 1862 in einem Buchtitel verwendet)). Erkenntnis ist in diesem diffusen Sinn das gleiche wie "Wissen". Zu beidem kommt man durch Erkennen. Eine Erkenntnistheorie würde erklären, was Erkennen ist. Das, was gemeinhin Erkenntnistheorie genannt wird, beschreibt - in freien Anlehnungen an I. Kant - Voraussetzungen der Möglichkeit zu erkennen, oder philosophisch naiver, die Entwicklung des Erkennens in der Phylogenes (zb. K. Lorenz (Die Rückseite des Spiegels), K. Holzkamp (Sinnliche Erkenntnis)) oder in der Ontogenese (zb J. Piaget)

Seit I. Kant und noch deutlicher durch den Radikalen Konstruktivismus kann man denken, dass die Erkenntnis kein Abbild irgendeiner Wirklichkeit jenseits des Subjektes ist. Als Subjekt erkenne ich meine Operationen als Ursachen von Tat-Sachen. Im Gegensatz zur Ontologie, die sich mit den "Dingen an sich" beschäftigt, betrachtet die "Erkenntnistheorie" die Dinge als Folgen einer subjektiven Konstruktion.

Zitat

"Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war, außer dem Verstand selbst." G. W. Leibniz: "Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand")./p>

Literatur

K. Lorenz: Die Rückseite des Spiegels. Versuch einer Naturgeschichte menschlichen Erkennens.


Eduard Zeller (1814 - 1908) war einer der Hauptvertreter der jüngeren evangelischen Tübinger Schule. Er hat in seiner Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung zu zeigen versucht, dass Aristoteles in sich widersprüchlich ist und insbesondere seine Lehre vom nous poietikos unhaltbar sei. Er hat den Terminus Erkenntnistheorie endgültig in die Philosophie eingeführt. (Über Aufgabe und Bedeutung der Erkenntnistheorie, 1862).